Denkmalschutz wacht über Sanierung

Erstellt: 31. August 2011, 23:00 Uhr
Denkmalschutz wacht über Sanierung Die Restauratorinnen der Firma Glaser, Ute Tuch (li.) und Marie Heyer, haben im Klosterareal eine Bestandsaufnahme der Schäden durchgeführt.

Maulbronn. Die Klosterkirche ist innen und außen mit großen Baugerüsten eingekleidet. Bis spätestens Sommer 2012 dauern die Arbeiten am Dachstuhl der Klosterkirche, am sogenannten Langhaus. Abschnittweise wird die Biberschwanz-Ziegeleindeckung abgenommen, schadhafte Sparren werden ersetzt oder verstärkt. Laut Baudirektor Gerhard Habermann von Vermögen und Bau, Amt Pforzheim, hat sich der Dachstuhl der Kirche im Laufe der Jahrhunderte an manchen Stellen stark verzogen. Nach einer gründlichen Untersuchung durch Statiker wurde jetzt ein Konzept entwickelt, wie der Dachstuhl gesichert werden kann. Unter anderem werden Metallbänder verarbeitet, die nicht zu sehen sind, um die Sparren zu fixieren.

Übrigens: Die meisten der Dachsparren der Klosterkirche sind 840 Jahre alt. Durch wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Fachgebiet der Dendrochronologie lässt sich das Alter des Holzes genau bestimmen. Habermann: „Das Holz ist im Winter 1171/1172 gefällt und noch im gleichen Jahr in der Klosterkirche verbaut worden.“ Durch Schrumpfungen des Holzes und der damals üblichen Holzverbindungen habe sich beim Dachstuhl eine gewisse Schiefstellung ergeben.

Etappenweise wird jetzt das 700 Quadratmeter große Kirchendach saniert. Wie Habermann erläutert, seien bisher fünf von insgesamt 46 schadhaften Sparren ausgetauscht worden. Schadhafte Biberschwänze werden durch neue ersetzt, die in einer Ziegelei im Elsass gefertigt werden und sich im Aussehen an ihren historischen Vorgängern orientieren. Schließlich haben die Denkmalpfleger bei allen Baumaßnahmen im Klosterareal ein gewichtiges Wort mitzureden.

Fortgeschritten sind inzwischen die Putz- und Malerarbeiten im Innern der Klosterkirche. Dort haben seit vielen Monaten außerhalb des Blickfeldes der Öffentlichkeit Restauratoren ihre Arbeit unter den Gewölben und an den Wänden verrichtet. So wurden schadhafte Stellen hinterspritzt und die Oberflächen gereinigt.

Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres werden die großen Baugerüste in der Klosterkirche wieder abgebaut. Dann werden die Sanierungsarbeiten im Innern der Kirche fortgesetzt. Baudirektor Habermann: „Nach einer Überarbeitung werden die historischen Kirchenbänke an gleicher Stelle wieder aufgestellt. Erneuert werden die elektrischen Bankheizungen und Teile der Elektroinstallation der Klosterkirche. Verbessert werden die Lautsprecheranlage und die Beleuchtung. Zur Konfirmation im Frühjahr 2012 und zu den Klosterkonzerten im nächsten Jahr steht die Klosterkirche der Kirchengemeinde Maulbronn und dem Seminar wieder zur Verfügung“, betont der Vertreter der Landesbehörde im Gespräch mit unserer Zeitung.

Große Umbaumaßnahmen gibt es auch im Bereich des Laiendorments. Dort ist das Seminar untergebracht. Für Jungen der Klassen neun bis elf werden neue Unterkunftsplätze geschaffen. Der bisherige Speisesaal des Seminars wird in einen Hörsaal umgebaut, in dem bisherigen Küchenbereich wird die Technik-Zentrale installiert. Ab dem neuen Schuljahr werden die Seminaristen von der neu erbauten Küche versorgt, die sich gegenüber dem ehemaligen Jagdschloss befindet.

Parallel zu den Arbeiten in der Klosterkirche laufen die Planungen und Abstimmungsgespräche über die neue Orgel. Eine Kommission hat entschieden, den Auftrag an den spanischen Orgelbauer mit deutschen Wurzeln, Gerhard Grenzing, zu vergeben (MT berichtete). Das neue Instrument soll bis Juli 2013 in der Klosterkirche aufgebaut und spielbereit sein. Die Bauleitung und der Orgelbauer müssen noch statische Fragen im Zusammenhang mit der Orgelempore klären.

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