Daumen drücken für Deutschland

Erstellt: 30. Juni 2006, 00:00 Uhr
Daumen drücken für Deutschland Doppelherz: Ramazan Bilmezler schwenkt auch für Poldi und Co. die Fahne. Foto: Kugler

Viele Nationen sind bei der WM nicht vertreten – trotzdem feiern und fiebern Türken, Griechen und Chinesen beim Spektakel mit:

Bei jeder WM gibt es einige Länder, die nicht mitspielen dürfen. Denn sie haben die Qualifikation für das große Fußball-Spektakel verpasst und müssen deshalb zuhause bleiben. Was machen die Fans dieser Länder? Warum haben sich China, Griechenland oder die Türkei nicht qualifiziert? Unsere Zeitung hat sich bei denjenigen Fans umgehört, die 2006 nicht dabei sind.

VON CAROLIN KUGLER

Für den 34-jährigen Ramazan Bilmezler, ist das ganz klar: „Wir mussten bei der Qualifikation gegen die Schweiz spielen. Obwohl wir gut waren, haben wir 2:0 verloren, was meiner Meinung nach an dem parteiischen und ungerechten Schiedsrichter gelegen hat“. Seit acht Jahren lebt der Besitzer vom „Golden Döner“ in der Bahnhofstraße in Mühlacker und da ist es für ihn ganz klar, dass nun den Deutschen die Daumen gedrückt werden. Das frisch gekaufte Deutschlandtrikot ist stets griffbereit. Bis jetzt hat er noch kein Spiel mit seinen zwei Lieblingsspielern „Poldi“ und „Schweini“ verpasst und bei jeder Partie wird am Dönerladen die deutsche Flagge gehisst. „Ich kann zwar meinen Imbiss nicht verlassen, habe aber ständig das Radio an. Zu Hause schau ich dann die Wiederholung“, berichtet der Fan, der nicht gedacht hätte, dass die Deutschen so gut spielen können.

„Die Türkei wäre ins Finale gekommen“

Die Autokorsos muss er genau vor seiner Nase an sich vorbeiziehen lassen ohne mithupen zu können, was aber nicht so schlimm sei, „da ich das Geschehen ja hautnah mitbekomme“. Mit einem Schmunzeln lässt er wissen: „Wäre die Türkei bei der WM dabei, wären wir natürlich bis ins Finale gekommen.“

 Nicht viel anders schätzt auch der Taxifahrer Levent Özer die Chancen der Türkei ein:„ Ins Halbfinale hätten wir es auf jeden Fall geschafft, das wäre mein Wunsch gewesen, aber ich denke, dass das auch eine realistische Einschätzung ist, zumindest wenn man nach den bisherigen Spielen der gesamten Mannschaften geht“. Jetzt drückt er jedoch ebenfalls den Deutschen die Daumen. „Ist ja auch klar, schließlich bin ich hier geboren“, so der 31-Jährige. Die türkische Nationalmannschaft habe einfach kein Glück gehabt und den Trainer zu oft gewechselt. Der jetzige Trainer Fatih Ternin hätte von Anfang an dabei sein sollen, dann wäre das ganze anders ausgegangen. Fährt der Taxifahrer beim Autokorso mit? „Na klar“, allerdings: „Wenn’s der Fahrgast eilig hat, gibt’s ein Problem.“ Aber das sei bisher zum Glück noch nicht vorgekommen. Einig sind sich Bilmezler und Özer über den Ausgang der heutigen Begegnung: „Deutschland fliegt auf jeden Fall raus. Argentinien wird dieses Mal nämlich Weltmeister“.

 Der Grieche Toli Goutzeris konnte die Tränen gerade noch zurückhalten, als sich Griechenland nicht für die WM qualifizierte. Der Trost: „Wir haben ja schon einen Pokal in Athen stehen – und das noch ganze zwei Jahre lang“, sagt der 30-Jährige voller Stolz. Um von der WM-Euphorie richtig was mitzubekommen, müsse man schon in die Großstädte gehen. Goutzeris weiß, warum die Griechen nicht bei der Weltmeisterschaft dabei sind: „Griechenland wäre auf jeden Fall dabei gewesen, wenn der Trainer nicht die gleiche Taktik wie bei der EM eingesetzt hätte.“ Ein paar neue Spieler hätten seiner Ansicht nach einiges bewegt. Jetzt fiebert er, der guten Technik wegen, in erster Linie mit den Brasilianern mit und erst an zweiter Stelle kommen die Deutschen. „Die Daumen werden trotzdem für Deutschland gedrückt, da ich ja hier lebe.“

 In einem Punkt leidet der 30-Jährige Grieche mit den Deutschen auf jeden Fall mit: „Die Deutschen stehen einfach nicht hinter ihrer Mannschaft. Wenn es da einmal schlecht läuft, müssen die Fußballer der Nationalelf viel Kritik einstecken.“ In den Medien werde alles ohne Rücksicht breit getreten. „Und wenn sich die Spieler Lob verdient haben, kommt auch nichts“, meint der Grieche.

Der Landsmann rät: Chinesen müssen an Ausdauer arbeiten

Auch für Shaofa Zhang ist völlig klar, warum sein Land nicht bei der WM vertreten ist: „Die Chinesen müssen viel trainieren bis sie wieder bei einer WM dabei sind. Vor allem müssen sie an ihrer Ausdauer arbeiten, sonst wird das nichts, wenn in der letzten halben Stunde die Puste ausgeht“. Bei der übernächsten WM, nach hartem Training, bestünde vielleicht die Chance auf das Achtelfinale, sagt der 33-Jährige Kellner vom China-Restaurant Mandarin mit einem Lachen. Jetzt fiebert Shaofa Zhang mit den Deutschen mit.
 „Wenn Deutschland spielt, ist das Restaurant wie leergefegt, so dass ich die Spiele meistens auch selber anschauen kann.“ Nur bei Deutschland gegen Polen habe er Pech gehabt, da waren ausnahmsweise ein paar Gäste im Restaurant. Den Deutschen drücke er auf jeden Fall die Daumen, zumal sie seiner Meinung nach die bisherigen Spiele mehr durch Glück als durch Können gewonnen hätten.

 Trotz allem ist der seit sechs Jahren in Mühlacker lebende Chinese der festen Überzeugung: „Deutschland gewinnt heute gegen Argentinien, keine Frage, denn Deutschland wird Weltmeister.“

Weiterlesen
Klare Absage an Volksentscheid zu S21

Klare Absage an Volksentscheid zu S21

Abgeordnete aus der Region starten Informationsoffensive zum umstrittenen Bahnprojekt. „Wir sind von der Heftigkeit und dem Ausmaß des Protestes gegen Stuttgart 21 überrascht worden“, gibt der CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Scheuermann zu…. »