Das Urteil: lebenslang für einen Mord

Erstellt: 27. Mai 2009, 00:00 Uhr

Schwurgericht sieht in den tödlichen Messerstichen von Lomersheim keine Tat im Affekt

Am Ende ging alles ganz schnell: Am zweiten Verhandlungstag hielten Staatsanwalt und Verteidiger ihre Plädoyers, dann folgte bereits das Urteil: lebenslang wegen Mordes gegen einen 60-Jährigen aus Mühlacker.

Mühlacker-Lomersheim/Karlsruhe (weg/the). Der Sohn des Opfers hatte es kommen sehen. „Das nimmt mal ein böses Ende“, hatte er einmal zu seiner Frau gesagt, als es um das angespannte Verhältnis seiner Mutter zu ihrem Ex-Mann ging.

 Es hat ein böses Ende genommen –  für beide. Am 7. Oktober des vergangenen Jahres hat der 60-Jährige seine geschiedene Frau in ihrer Wohnung in Lomersheim brutal umgebracht, und dafür verhängte das Schwurgericht in Karlsruhe gestern das Urteil wegen Mordes: lebenslang.

 Eine Mischung aus Verzweiflung, Wut und Hass hatte den Rentner zu seiner Tat getrieben. An jenem Dienstagmorgen hatte er – das am Tag zuvor gekaufte Küchenmesser in der Jackentasche – die Ex-Frau vor ihrer Wohnungstür abgepasst, sie zurückgedrängt und im Streit wuchtig in die Brust gestochen. Als sie zusammensackte, trat er, wie es der Gerichtsmediziner beschrieb, hinter sein Opfer und schnitt ihm mit brachialer Gewalt die Kehle durch. Als die Kriminalpolizei die 64-Jährige am gleichen Morgen in ihrem Wohnzimmer fand, steckte das Messer noch in ihrem Hals.

„Man geht nicht mit einem
 32 Zentimeter langen Fleischermesser zu einer Aussprache“

Staatsanwalt Christian Lorenz

„Tote kriegen keinen Unterhalt.“ Mit diesem Gedanken sei der Täter in die Wohnung des Opfers eingedrungen, begründete der Vorsitzende des Schwurgerichts, Hans Fischer, das Urteil gegen den „klassischen Malocher“ auf der Anklagebank.
 Dieser habe seine Ex-Frau nach Überzeugung des Gerichts mit dem Vorsatz aufgesucht, sie umzubringen, wenn sie nicht nachgebe und auf ihre finanziellen Forderungen verzichte. „Man geht nicht mit einem 32 Zentimeter langen Fleischermesser zu einer Aussprache“, widersprach Staatsanwalt Christian Lorenz (Pforzheim) den Beteuerungen des Angeklagten, er habe das alles nicht gewollt. Messer und Wodka habe er schon tags zuvor gekauft, um dem jahrelang schwelenden Streit um Unterhaltsforderungen „ein schreckliches Ende zu setzen“.

 An jenem Morgen, argumentierte Verteidiger Frank Schneider aus Mühlacker, habe der Angeklagte nicht nur das Messer zur Wohnung des Opfers mitgebracht, sondern auch die Lieblingspralinen und das anwaltliche Schreiben, in dem er über die Unterhaltsansprüche informiert worden war. Beides spreche dafür, dass sein Mandant habe reden wollen. Was in der Zeit zwischen dem Betreten des Hauses um 6.50 Uhr und dem Schrei der Frau, den Wohnungsnachbarn ziemlich exakt um 8.45 Uhr hörten, geschehen sei, wisse niemand, sah der Anwalt keine Beweise für eine vorsätzliche Tat. Sein Mandant habe schwerste Probleme, das Geschehen zu verarbeiten; auch das spreche gegen einen kalt geplanten Mord. Wie berichtet, hatte der 60-Jährige in der Untersuchungshaft einen Selbstmordversuch unternommen.

 Nach Ansicht von Staatsanwalt Lorenz hatte der Streit in der Wohnung keinesfalls mehr als eine Stunde gedauert, stattdessen habe der Angeklagte vor der Tür so lange gewartet, bis das Opfer, das im Tod noch die Handtasche und den Schlüsselbund umklammert hielt, die Wohnung verlassen wollte. Der Angeklagte habe die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt, sah Lorenz das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben an. Trotz seines Alkoholkonsums an dem fraglichen Morgen – bei der Polizei wurden später 2,7 Promille gemessen – war der Angeklagte laut eines Gutachtens voll schuldfähig.

 In der Wohnung habe es keine Hinweise gegeben, dass sich jemand dort längere Zeit aufgehalten habe, schloss sich der Vorsitzende Richter, der bei der Urteilsfindung von zwei weiteren Berufsrichtern und zwei Schöffen unterstützt wurde, der Sichtweise des Anklägers an. In seiner Urteilsbegründung lobte Fischer ausdrücklich die „vorzügliche Ermittlungsarbeit“ der Polizei.

 Zwar blass, aber äußerlich gefasst – so nahm der Angeklagte das Urteil auf.

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