Das Thema Sterben wird oft verdrängt

Erstellt: 14. Mai 2007, 00:00 Uhr
Das Thema Sterben wird oft verdrängt Die Ehrenamtlichen der ersten Stunde Die Männer und Frauen der ersten Stunde (von links): Alexandra Rapp, Joachim Herzog, Hanni Kaltenbach, Dr. Thomas Hörnig und Renate Prager.

Ambulanter Hospizdienst Mühlacker-Ötisheim und Heckengäu besteht seit zehn Jahren – Feier im Uhlandbau

Mühlacker – Seit zehn Jahren kümmern sich die Ehrenamtlichem vom Ambulanten Hospizdienst Mühlacker-Ötisheim und Heckengäu e.V. um Schwerkranke und Sterbende. Die Liebe zum Menschen sei die Basis ihres Handelns, so die Vorsitzende Renate Prager am Freitag vor rund 150 Gästen bei der Feierstunde im Uhlandbau von Mühlacker.

VON ULRIKE STAHLFELD

Zwei Jahre der Konzeption waren schon vergangen, als am 18. April 1997 der Hospizdienst gegründet wurde, um die „notwendigen Verbesserungen“ in der Begleitung und Betreuung von Schwerkranken auf den Weg zu bringen, wie Renate Prager erinnerte. Mittlerweile zähle der Verein 102 Mitglieder, davon 40 ausgebildete Betreuer, die „aus Liebe zum Menschen“ Berufsleben, Familie und Ehrenamt unter einen Hut bringen.

 Renate Prager räumte ein, dass in der Öffentlichkeit wenig von der Arbeit zu lesen und zu hören sei: „Es gibt sehr viele Dinge, über die braucht man nicht zu reden, die muss man einfach tun.“

 „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, bekräftigte Mühlackers Oberbürgermeister Arno Schütterle. Er dankte für das ehrenamtliche Engagement in einer so wichtigen Sache. Das Thema Sterben werde in der Gesellschaft oft verdrängt. Gerade in Zeiten, in denen angestelltes Pflegepersonal immer stärker unter Zeit- und Kostendruck stehe, sei es wichtig, dass es Menschen gebe, die auch die Angehörigen in der schwierigen Situation unterstützen. Der Bedarf steige schon allein aus demografischen Gründen weiter an. Den Ehrenamtlichen bescheinigte Schütterle Nächstenliebe, Einfühlungsvermögen und wirkliche Hinwendung.

„Sterben bildet ein Teil des Lebens“

Die Schwere der Aufgabe kann aber auch von einer gewissen Leichtigkeit begleitet sein. „Lachen und Weinen schließen sich nicht aus“, so Dr. Thomas Hörnig, Mitbegründer des Hospizdienstes und ehemaliger Pfarrer in Dürrmenz bei seinem Festvortrag. Es seien „Geschwisterkinder“. Lachen könne ein Teil einer Begleitung eines Sterbenden sein.

 Lachen helfe, so Hörnig, punktuell die Schwere der Lebenssituation zu überspringen und Distanz zu schaffen. Der Pfarrer: „Für einen Moment entsteht eine andere Perspektive.“ „Wer nicht weinen kann, verliert die vollen Klänge der Lebensfreude“, so der Festredner weiter über die gleichzeitige Notwendigkeit, Trauer und menschliche Anteilnahme ausdrücken zu können. Kritisch äußerte sich Hörnig über die Patienten-Autonomie, als „Schönwetter-Begriff“: „Wie stirbt man, wenn man immer fit, bestimmend und handelnd war?“ Stattdessen sei ein Vertauensverhältnis zwischen Betreuendem und Patienten notwendig. Sterben bilde einen Teil des Lebens, bei dem die Menschen vertrauensvolle Begleitung wünschten und nicht ausschließlich Autonomie. Denn das Sterben verändere den Menschen.

 Bei Wilhelm Busch singt der Vogel noch im Angesichts des Todes. Er trällert, als sich die Katze schon längst auf den Weg gemacht hat: Ernst Pillick gelang bei der Feierstunde der literarische Brückenschlag zwischen dem Lachen und dem Weinen.
 Der Knittlinger zitierte Busch, Kurt Tucholsky, Theodor Fontane, Eugen Roth und unter anderem Ephraim Kishon. Allesamt Literaten und Satiriker, die sich ihre ganz eigenen Gedanken über das Lebensende und die Wichtigkeit von Humor gemacht hatten.
 Für die musikalische Begleitung sorgte das Silent Jazz Trio.

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