Das Tauziehen bei Behr geht weiter

Erstellt: 31. Januar 2008, 00:00 Uhr
Das Tauziehen bei Behr geht weiter Die IG Metall informiert die Belegschaft in Mühlacker über den Stand der Dinge. Foto: Sadler

Erste Verhandlungsrunde zwischen Geschäftsleitung, Gewerkschaft und Betriebsrat bringt keine Einigung

Mühlacker – Die Verhandlungen zwischen der Geschäftsleitung der Firma Behr und der IG Metall sowie dem Betriebsrat haben bislang zu keiner Einigung geführt. Wann die am Dienstag unterbrochenen Gespräche fortgesetzt werden, steht noch nicht fest.

VON THOMAS SADLER

Von 14.30 bis 20.30 Uhr dauerte am Dienstag das zähe Ringen zwischen drei Vertretern der Behr-Geschäftsleitung und der Arbeitnehmerseite, repräsentiert durch jeweils zwei Angehörige der IG Metall Pforzheim und des Betriebsrats. Das Fazit: Die Verhandlungen über Investitionen in der Behr-Region Mühlacker mit den Standorten Mühlacker (rund 1700 Mitarbeiter), Pforzheim und Vaihingen (je circa 300 Beschäftigte) wurden ergebnislos vertagt. Ein neuer Gesprächstermin stehe noch nicht fest, sagte gestern die Sprecherin des Unternehmens, Stephanie Reuter.

 Die Geschäftsführung wolle, so Reuter, in die drei Standorte „zusätzliches Produktionsvolumen bringen“, was „mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe und 200 Arbeitsplätzen verbunden wäre“. Allerdings wollte sie sich auf Nachfrage nicht darauf festlegen, ob es sich tatsächlich um 200 neue Stellen handeln würde. Vorausgesetzt, es komme zu einer Vereinbarung zwischen dem Management, dem Gewerkschaft und dem Betriebsrat, entstünden „auf jeden Fall neue Arbeitsplätze“. Wie viele, könne noch nicht gesagt werden.

 „Wir wollen die Behr-Region Mühlacker stärken“, macht die Sprecherin deutlich. „Wir haben hier motivierte und qualifizierte Mitarbeiter, die gute Qualität produzieren.“ Deshalb seien erhebliche Investitionen in Maschinen und Anlagen vorgesehen. Doch ob die Standorte im Raum Mühlacker tatsächlich von diesen Plänen profitieren, steht nach wie vor nicht fest. Denn: Die Alternative hierzu sei ein Ausbau der Produktion in Tschechien.

 Trotz ihres hohen Fertigungsstandards habe die Region Mühlacker im Vergleich zu Osteuropa einen Wettbewerbsnachteil. „Um diesen teilweise ausgleichen und damit den möglichen Ausbau wirtschaftlich verantworten zu können, benötigen wir in Mühlacker eine Senkung der Arbeitskosten und mehr Flexibilität.“ Darüber und über eine Beschäftigungssicherung sowie eine Stärkung der Ausbildung werde derzeit verhandelt. Die Gespräche am Dienstag seien „schwierig, aber sachlich und konstruktiv“ verlaufen. „Jetzt rechnen beide Seiten ihre Angebote durch.“

 Die IG Metall ist mit dem Verlauf der Verhandlungen alles andere als zufrieden. Die Geschäftsleitung habe die Situation „verschärft“, moniert der Erste Bevollmächtigte Martin Kunzmann. „Die Stimmung ist am Siedepunkt.“ Bislang habe das Management für eine Investitionszusage von 14 Millionen Euro einen Beschäftigungsbeitrag von zwölf Millionen Euro gefordert. Inzwischen sei noch zusätzlich „draufgesattelt“ worden. Umgerechnet ergebe sich nun eine Forderung von 18 Millionen Euro an die Arbeitnehmer. Die IG Metall, so Martin Kunzmann gestern Vormittag, kehre erst wieder an den Verhandlungstisch zurück, wenn ein neues Angebot vorliege.

 Die Arbeitnehmer fordern, dass nicht im Ausland, sondern in der Region Mühlacker investiert wird, dass die hiesigen Standorte gesichert und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Dafür sind Gewerkschaft und Betriebsrat bereit, die Regelung über die Erholzeit fortzuschreiben, durch welche die Produktionszeit erhöht werde und Einsparungen in Millionenhöhe erzielt würden. Darüber hinaus würden die Arbeitnehmervertreter flexible Lösungen für eine bessere Auslastung der Fertigungsanlagen und „vertretbare und zeitlich befristete Abweichungen vom Tarifvertrag“ akzeptieren. Innerhalb der Belegschaft selbst bestünden allerdings starke Widerstände gegen weitere Opfer, so Kunzmann. Bereits in den vergangenen Jahren hätten sich die Mitarbeiter von Behr mit reduzierten Einkommenssteigerungen begnügt, ruft er in Erinnerung.

 Letzter Stand: Am Mittwoch, gegen 17 Uhr, überreichte die Geschäftsleitung laut Kunzmann ein neues Angebot. Allerdings konnte er bis Redaktionsschluss noch keine Bewertung des neuen Vorschlags abgeben. Dieser müsse erst noch geprüft werden.
 

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