Das Rechnen ist noch nicht zu Ende

Erstellt: 27. April 2012, 23:30 Uhr
Das Rechnen ist noch nicht zu Ende Die Enztalsporthalle ist gewissermaßen die gute Stube des Mühlacker Sports und auch für größere Veranstaltungen wie vor wenigen Tagen die Taekwondo Mühlacker Open geeignet. Doch den Vereinen der Stadt fehlen weitere Räumlichkeiten für das Training. Nun warten alle gespannt auf eine Entscheidung im Gemeinderat. Foto: Stahlfeld

In der Mühlacker Sporthallenfrage ist laut Oberbürgermeister Frank Schneider noch keine Antwort gefunden. Welche Lösung letztlich zum Tragen komme, sei völlig offen. Auch ein Neubau unter privater Bauherrenschaft sei keineswegs vom Tisch. Dafür hat der SSV-Vorsitzende Harry Walbersdorf Argumente.

Von Steffen-Michael Eigner

Mühlacker. Aus dem Fenster lehnen will sich Mühlackers Stadtoberhaupt dieser Tage nicht, und schon gar nicht aus der nichtöffentlichen Sitzung des Ältestenrats plaudern, der am vergangenen Montagabend tagte. „Da kriegen Sie nichts aus mir heraus“, verpasst sich Frank Schneider selbst einen Maulkorb und lässt sich noch nicht einmal zu einer persönlichen Meinungsäußerung hinreißen.

„Klar ist, dass wir Hallenkapazitäten brauchen, und dass die möglichen Wege dorthin vielfältig sind.“ Offenkundig ist auch der Oberbürgermeister noch in der Phase der Meinungsfindung. Aus gutem Grund, wie er betont: „Noch liegen uns die Fakten nicht vor, was das wirtschaftlich Günstigste ist. Ehe ich dieses Wissen nicht habe, kann auch keine Aussage in die eine oder andere Richtung machen. Das wäre unseriös.“ Und eben diese wirtschaftlich günstige und zugleich zeitnahe Lösung werde noch gesucht. Auch einen ungefähren Zeithorizont, wann eine neue Sporthalle fertiggestellt sein solle, wollte OB Schneider nicht nennen: „Dass ich sie gerne möglichst schnell hätte, versteht sich von selbst.“ In jedem Fall werde der Gemeinderat noch vor der Sommerpause eine Entscheidung treffen.

Im Jahr 2000 hatte der Gemeinderat mehrheitlich dafür votiert, zunächst eine Sporthalle im Lindach zu bauen, deren Realisierung, obwohl durchprojektiert, in den Jahren der Finanzkrise an der knappen Kassenlage der Stadt scheiterte. Auf Grundlage der vorhandenen Pläne könnte gewissermaßen unverzüglich mit dem Bau begonnen werden. Die Fertigstellung einer neuen Halle ist die Voraussetzung dafür, die marode Käppele-Halle abzureißen, auf deren teilbaren, wenngleich kleinen Saal bis dahin nicht verzichtet werden kann. An gleicher Stelle soll dann ein größerer Neubau entstehen. Die Stadt hat zu diesem Zweck ein benachbartes Grundstück erworben. Dies ist die nach wie vor gültige Beschlusslage. „Wovon der Gemeinderat natürlich auch jederzeit durch einen neuen Beschluss Abstand nehmen könnte“, erklärt Schneider.

Nach wie vor sei die Stadt auch in Gesprächen mit privaten Investoren, betont der OB. Demnach ist also auch ein Neubau aus privater Hand noch nicht vom Tisch. Thomas Ufrecht, Vorsitzender des HC Blau-Gelb Mühlacker, hat dies bereits vor Jahren angestoßen und eine Sporthalle auf der jetzigen Wiese zwischen Enztalsporthalle und Hallenbad ins Gespräch gebracht, die er gemeinsam mit Investoren bauen wolle, um sie einerseits den Vereinen gegen die auch für städtische Hallen übliche Nutzungsgebühr zu überlassen und andererseits für den Schulsport an die Stadt zu vermieten. Für Letzteres steht seit einem 2011 erstellten Angebot eine jährliche Miete von 485000 Euro zur Debatte. Zu teuer, wie einige Stadträte finden und vermuten, dass ein darlehensfinanzierter städtischer Neubau den Steuerzahler günstiger käme.

Hier hakt Harry Walbersdorf ein. „Warum tun sie es dann nicht?“, fragt der Vorsitzende des Stadt-Sport-Verbandes Mühlacker (SSV) in Richtung der Stadtoberen ungeduldig und geht auf die Kalkulation ein: „Ich bezweifle die vorliegenden Zahlen“, sagt Walbersdorf und präzisiert: „Es ist eben nicht damit getan, eine Halle zu bauen, es entstehen ja weitere Kosten. Man braucht zweieinhalb Hausmeister, Putzdienst et cetera.“ Ganz zu schweigen davon, dass eine neue Sporthalle mit allerlei Sportgeräten ausgestattet werden müsste, und im Laufe der Jahre auch Reparaturen anfallen. Ist das in die 465000 Euro Jahresmiete für eine private Halle mit einkalkuliert? Sind diese Folgekosten bei einem städtischen Neubau berücksichtigt? „Die Rechnung ist noch nicht zu Ende“, vermutet Walbersdorf, der einer privaten Halle durchaus Vorzüge abgewinnen kann und davon insbesondere mehr Flexibilität für die Sportvereine erwartet.

„Dort wären wir nicht ständig durch die Regeln der Stadt eingeschränkt“, findet Walbersdorf. Eine private Sporthalle böte die Möglichkeit zu Trainingsstunden auch in den Schulferien, wenn städtische Hallen stets verschlossen blieben. „Da behandelt man uns Sportler wie dumme Jungs. Ich kann doch von erwachsenen Menschen erwarten, dass sie vor Verlassen des Gebäudes nach dem Rechten sehen, alle Fenster schließen und die Türen absperren“, argumentiert der SSV-Vorsitzende und verweist auf ein weiteres Problem.

„Die Vereine sind völlig zerrissen.“ So finde das Basketballtraining des TV Mühlacker abwechselnd in der Kerschensteinerhalle und in der Enztalsporthalle statt. „Wir müssen dauernd die Bälle hin- und herkarren.“ Anderen Vereinen gehe es ähnlich, die Geräte mal hier, mal dort benötigten. „Das muss dann teilweise doppelt und dreifach angeschafft werden.“ Noch bis kommenden Montag sammelt der SSV Mühlacker Unterschriften für einen raschen Sporthallen-Neubau. Etwa 1000 würden wohl zusammenkommen, wagt Walbersdorf eine Schätzung.

Wo eine neue Sporthalle seiner Meinung nach stehen solle, lässt Harry Walbersdorf offen: „Für den dortigen Schulkomplex wäre eine Halle im Lindach einerseits schon passend. Aber andererseits tun mir die Anwohner leid, denn dann kommen abends Sportler zu zwei Hallen dort – und die meisten vermutlich mit dem Auto.“

Egal ob im Lindach oder am Hallenbad gebaut wird, auch eine neue Käppele-Halle wird zusätzlich benötigt, darauf insistiert der SVV-Vorsitzende. Sonst gäbe es für Freiluftsport im Käppele-Stadion weder Umkleiden noch Toiletten und auch keine Lagerstatt für Leichtathletikgeräte wie etwa Hürden und Startblöcke.

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