Das kneipenübliche Kurbeln ist tabu

Erstellt: 30. Januar 2010, 00:00 Uhr
Das kneipenübliche Kurbeln ist tabu Das Training am eigenen Tischkicker zahlt sich aus: Imke Queitsch durfte bei der Weltmeisterschaft erstmals das Nationaldress anziehen. Foto: Krebs

Imke Queitsch aus Lienzingen gehört zu den besten Tischfußballerinnen Deutschlands – Zuletzt Bronze bei der WM.

In Jugendhäusern ist ein Tischkicker beinahe ein Muss. Auch in vielen Kneipen kurbeln die Gäste die kleinen Männchen. Doch wer gegen Imke Queitsch aus Lienzingen im Tischfußball antritt, muss sich warm anziehen. Die 30-Jährige gehört zu den besten Tischfußballerinnen Deutschlands.

Von Désirée Krebs

Mühlacker. Bei der Tischfußball-WM hat Imke Queitsch erst vor 14 Tagen mit der Frauennationalmannschaft die Bronzemedaille gewonnen und damit ihren bis dato größten Erfolg gefeiert. Damit erntete sie die Früchte ihres sechsjährigen Trainings bei den Südstadtkickers Karlsruhe. 16 Frauen-Mannschaften aus Japan, Südafrika und Europa hatten die Reise nach Frankreich angetreten. „Es waren in allen Kategorien, also bei Männern, Frauen, Junioren und Senioren und Behinderten über 30 Nationen aller Welt dabei. Zwar hat man die Wettkampfstimmung schon gespürt, aber dennoch war die Atmosphäre dort sehr angenehm“, beschreibt Queitsch ihre Eindrücke.

 Zum ersten Mal durfte Imke Queitsch in Nantes das Trikot des Nationalteams überstreifen. Empfohlen hatte sich die 30-Jährige bei den Deutschen Meisterschaften im Dezember letzten Jahres. Dort hatte Queitsch, die vor 14 Jahren ihr erstes Kicker-Erlebnis hatte, den vierten Platz im Doppel und den fünften Platz im Einzel belegt. Daraufhin wurde sie in den Kader berufen und durfte mit den sieben anderen Frauen im Team nach Nantes fahren.

Knappe Niederlage gegen die
Nummer neun der Weltrangliste

 „Für mich ist das natürlich eine große Ehre“, so die Lienzingerin, die nun zu Deutschlands besten Tischkicker-Spielerinnen gehört. In der Vorrunde trat Queitsch gegen die Bulgarin Ekaterina Atanasova, ihrerseits Weltranglisten-Neunte an, und verlor denkbar knapp in zwei Sätzen. Dennoch haderte die Nationalspielerin mit sich: „Auf meinem Tisch hätte ich den Punkt holen müssen“. Ihr Tisch, das ist der Tisch des Fabrikats „Tecball“, den sich Queitsch ausgesucht hatte.

 Für den nächsten Satz kann sich dann die Gegnerin ihren Lieblingstischkicker aussuchen. Ein Satz geht jeweils bis fünf Toren. Wenn jeder einen Satz gewinnt, folgt ein Entscheidungssatz. Aber da im Tischfußball bei der WM eine Begegnung vier Doppel und zwei Einzel beinhaltet, fiel Queitschs Niederlage nicht ins Gewicht. „Wir sind souverän in die K.o.-Runde eingezogen“, sagt sie. Nach der Vorrunde waren die Frauen Gruppenerster, traten im Viertelfinale gegen Dänemark an und „knackten“ auch diese, wie Queitsch lachend bemerkt.

 Im Halbfinale war jedoch Endstation für die Damen, die bei der letzten WM noch den Titel geholt hatten: Gegen den späteren Weltmeister Frankreich unterlagen die Deutschen mit 0:3. Gemeinsam mit den Niederlanden holten sie damit die Bronzemedaille, weil die folgenden Plätze nicht mehr ausgespielt wurden. Organisiert hatte die Weltmeisterschaften die International Tablescoccer Federation (ITSF), die auch zuständig ist für die Vergabe von Weltranglistenpunkten.

 Aber bis dahin ist es ein langer Weg: Vor sechs Jahren hat Queitsch die Lust am „Kickern“ so richtig gepackt, weshalb sie mit ihrem Mann Oliver seither regelmäßig nach Karlsruhe fährt, um dort ihrem Sport nachzugehen.

 Ansonsten trainieren sie zu Hause am eigenen Tischkicker. Da kann sie in aller Ruhe die verschiedenen Techniken üben, denn Tischfußball spielen ist viel mehr als das kneipenübliche Kurbeln. Mehr als eine 360-Grad-Drehung des Männchens ist auch gar nicht erlaubt. Zudem gibt es die verschiedensten Techniken, wie man die festgeschraubten Männchen in Rot und Blau am besten überwinden kann. „Beim Pin-Shot zum Beispiel klemmt man den Ball mit dem Männchen ein und rollt die Stange über die Hand ab“, erklärt Queitsch und macht es sogleich vor. Das geht so schnell, dass ungeübte Beobachter schon mal den Überblick verlieren.

Mit ihren Tricks verwirrt
Imke Queitsch die Gegner

 Auch mit den anderen Schüssen und Tricks sorgt Queitsch für die ein oder andere Verwirrung beim Zuschauer – oder beim Gegner. Denn auch Tischfußballer arbeiten mit Haken und Ösen beim Spiel mit dem kleinen Hartgummiball. Diese Haken und Ösen weiß Queitsch für die Südstadtkickers Karlsruhe gekonnt einzusetzen. Dort spielt die Lienzingerin in der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga genau wie ihr Mann. In der Bezirksliga misst sich das Ehepaar Queitsch und seine Mistreiter mit sechs anderen Teams an zwei Liga-Spieltagen, einen im März und einen im September. Momentan ist Karlsruhe Tabellenführer, hat aber ein Spiel mehr absolviert. Beim Spieltag im März will sie natürlich voll angreifen.

 Auch für das noch junge Jahr 2010 hat sich Imke Queitsch einiges vorgenommen: Bei der Turnierserie „Players-4-Players-Serie“ will die Lienzingerin möglichst viele Turniere spielen und weitere Weltranglistenpunkte und Erfolge sammeln. Zeit hat sie ja noch genug, ist doch die Tischkickerkarriere nicht wie die eines „normalen“ Fußballers mit 35 Jahren beendet.

www.soccern.de
www.dtfb.de

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