Das Fahrziel heißt: einkaufen

Erstellt: 28. April 2006, 00:00 Uhr
Das Fahrziel heißt: einkaufen Enge Angelegenheit: Busverkehr in der mittleren Bahnhofstraße. Foto: Eier

Ruf nach einer Verlagerung von Buslinien aus der Bahnhofstraße stößt auf Skepsis

Mühlacker – Wenn sich zwei Busse in der neuen Bahnhofstraße begegnen, stockt der Verkehr. Doch in der Frage, wie das räumliche Problem zu lösen sei, scheiden sich die Geister. Der Ruf aus dem Gemeinderat, einzelne Buslinien aus der Einkaufsmeile auf die Ziegeleistraße und – nach ihrer Fertigstellung – auf die Hindenburgstraße zu verlagern, wird lauter. Doch Verfechter eines starken öffentlichen Personennahverkehrs reagieren skeptisch.

VON THOMAS EIER

„Es ist ein Abwägungsprozess – und auch eine Frage der Verkehrsphilosophie.“
 Peter Laible, Leiter des Bürger- und Ordnungsamts der Stadt Mühlacker, will zwar Kompromisse in Fragen der Regionalbusverbindungen nicht ganz ausschließen, macht aber unmissverständlich klar, dass mit jeder Verlagerung eine Verschlechterung des Angebots verbunden ist. Laible erinnert daran, dass der Regionalbus nicht nur durchfährt, sondern generell auch die Haltestellen an der Bahnhofstraße bedient. „Wenn jemand aus Iptingen mit der Linie 713 kommt“, nennt der Amtsleiter ein Beispiel, „und die würde über die Ziegeleistraße direkt zum Bahnhof fahren, dann muss er entweder an der Kelter oder am Bahnhof aussteigen. Dabei wollen wir Kunden von außerhalb mitten in die Stadt bringen.“ Im Übrigen, mahnt Laible, könne das derzeit „logische“ System mit der Achse Bahnhofstraße unübersichtlicher werden. „Am Ende blickt keiner mehr durch“, verweist er auf die Bedürfnisse der Gelegenheitsfahrer nach klaren Strukturen.

 „Wir haben das Thema schon besprochen und sind uns einig: Wir wollen nicht raus.“ Rolf Aichelberger, Stadtbusbeauftragter der Stadtwerke Mühlacker, möchte am heutigen System des Zweirichtungsverkehrs nicht rütteln. Einen Ringverkehr für den Stadtbus – aus Reihen der Geschäftsleute vorgeschlagen – hält er für „fahrgastunfreundlicher“ und damit, was den Aufwärtstrend des neuen Konzepts betrifft, für kontraproduktiv. „Unsere Fahrgäste wollen hauptsächlich zum Einkaufen“, stellt Aichelberger fest, „und die beiden Haltestellen in der Bahnhofstraße – Fuchslocher-Platz und Karlstraße – sind in beiden Richtungen sehr gut frequentiert.“ Ein Ringverkehr über Hindenburgstraße und Bahnhofstraße aber, gibt der Stadtbus-Manager zu bedenken, brächte nur Verbesserungen für jene mit sich, die zum Ärztehaus in der Hindenburgstraße wollen. Die Kunden der Innenstadt aber müssten von den dortigen Haltestellen längere Wege auf sich nehmen.
 Auch Aichelberger erinnert daran, dass der Regionalbus in das Stadtbuskonzept eingebunden sei und zur engen Vertaktung in der Innenstadt beitrage. „Fahrgäste können, was viele nicht wissen, auch innerhalb der Stadt den Regionalbus nutzen.“ Insgesamt sorge dies für einen attraktiven, halbstündlichen Takt im Zentrum. Eine Überarbeitung des Fahrplans mit dem Ziel, bei heutiger Linienführung Begegnungsverkehr in der Einkaufsmeile zu vermeiden, hält Aichelberger für ausgeschlossen. „Die Fahrpläne sind nicht auf die Bahnhofstraße abgestimmt, sondern auf die Anschlüsse an die Stadtbahn.“

Zuständiges Amt schließt Fahrten über die V7 aus

Was sich Peter Laible zumindest theoretisch vorstellen könnte, wäre maximal ein Ringverkehr für Regionalbuslinien über Hindenburgstraße und Bahnhofstraße. Die Ziegeleistraße als Alternative schließt er mangels Haltepunkten aus. Dann, befürchtet er, werde der Linienbus gegenüber dem Auto wieder an Boden verlieren.

 Wie Aichelberger so setzt auch Laible auf punktuelle Verbesserungen in der Bahnhofstraße, um Bussen die Durchfahrt und Begegnung zu erleichtern. Die Aufhebung einzelner Parkplätze gehört dazu, aber auch die Versetzung von Verkehrsschildern oder die bereits umgesetzte Verbreiterung der Fahrspur an der Drehscheibe. Einen großen Befreiungsschlag hält Stadtbus-Manager Aichelberger angesichts der Platzverhältnisse für schwer. „Ich habe dafür auch kein Patentrezept“, gesteht er.

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