Bürger fühlen Oettinger auf den Zahn

Erstellt: 25. Juni 2009, 00:00 Uhr
Bürger fühlen Oettinger auf den Zahn Nach seiner Rede drängeln sich die Bürger um den Ministerpräsidenten.

Ministerpräsident hat beim Empfang in Illingen ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte – 600 Besucher in der Stromberghalle

Höhepunkt des Enzkreis-Besuchs von Ministerpräsident Günther H. Oettinger war gestern Abend ein Bürgerempfang in der Illinger Stromberghalle. Zuvor hat er den Gedankenaustausch mit den Spitzen aus Politik und Verwaltung im Landratsamt gesucht.

Von Frank Goertz

Illingen. Rund 600 Bürger wollten in Illingen hören, was der Ministerpräsident zu sagen hat. Aber nicht nur das. „Ich bin gespannt, wie er sich gibt, wie er wirklich ist“, erklärt Markus Schellinger. Elfriede Sturm hingegen hat dem Seniorenheimleiter etwas voraus. Sie hat Oettinger schon einmal getroffen und weiß: „Er ist ganz locker und umgänglich. Die Leute wollen doch auch Politiker zum Anfassen.“ Derweil hat sich vor der Halle eine kleine Bürgermeisterriege zum Plausch versammelt. „Ich finde es gut, wenn Oettinger das viel beschworene Wort Bürgernähe mit Taten füllt“, sagt Knittlingens Bürgermeister Hans-Peter Hopp. Und sein Kollege Norbert Holme aus Ölbronn-Dürrn ahnt: „Einige werden den Bürgerempfang wohl auch nutzen, um Oettinger direkt zu sagen, was ihnen auf den Nägeln brennt.“

 Einer von diesen Menschen ist der Mühlacker Gemeinderat Theo Bellon: „Ich will mich nicht nur informieren. Wenn ich ihn erwische, werde ich ihm auch meine Meinung zum Thema Flächenverbrauch und Gema-Gebühren sagen. Auch auf das Thema Landesbank würde ich ihn gerne ansprechen. Was er mit dem Jaschinsky gemacht hat, finde ich nicht gut.“

 Aber nicht alle sind gekommen, um dem Ministerpräsidenten direkt auf den Zahn zu fühlen. Viele denken so wie Edgar Benz: „Bei so wichtigen Leuten muss man doch einfach da sein.“

 Was Benz zu dem Zeitpunkt vielleicht nicht wusste, aber spätestens bei der Begrüßung von Bürgermeister Harald Eiberger erfahren hat: „Oettinger ist seit Filbinger der erste Ministerpräsident, der unsere Gemeinde besucht.“

 Dafür, dass er nicht mit leeren Händen ging, sorgten die Landfrauen. Sie überreichten ihm einen Präsentkorb mit Produkten aus der Stromberggemeinde.

  Nach einigen freundlichen Worten über den Enzkreis wollte der Landesvater in seiner Ansprache den Bürgern auch reinen Wein einschenken. „Die Wirtschaft wird in Baden-Württemberg um 7,5 Prozent schrumpfen. Auch wenn die Bankenkrise die Talsohle vielleicht schon erreicht hat, droht dem Arbeitsmarkt womöglich noch schlimmes Unheil.“ Auch die Kommunen müssten sich auf harte Zeiten einstellen. Die schrumpfende Wirtschaft würde auch Steuerausfälle nach sich ziehen, auf die, so Oettinger, die öffentliche Hand nicht vorbereitet sei.

 Oettinger geißelte die Verschwendungssucht der Vergangenheit: „Wir haben viel zu viele Schulden angehäuft. Wenn man sich vorstellt, was man mit den Milliarden alles anfangen könnte, die wir jetzt nur an Zinsen bezahlen müssen.“ Aber Oettinger will die Daumenschrauben auch nicht zu fest anziehen. „Wir wollen trotzdem in entscheidenden Bereichen sinnvoll investieren. Die wichtigste Investition ist dabei die in unsere Kinder. Sie müssen gut ausgebildet in die Zukunft gehen.“

 Und genau um seine Zukunft macht sich Valentin Zemmrich Sorgen, der im Anschluss an die Ansprache das Gespräch mit Oettinger suchte. Der 16-Jährige ist im letzten G9-Jahrgang. „2012 kommen auch noch diejenigen hinzu, die nach acht Jahren Gymnasium Abi machen. Gibt es genug Studien- und Ausbildungsplätze für alle?“ Oettinger versuchte, den Schüler zu beruhigen: „Es wird keinen Engpass geben, weil unter anderem durch Bundeswehr und Zivildienst die Situation entzerrt wird.“ Außerdem sollten durch ein Ausbauprogramm für Universitäten alleine in Baden-Württemberg 16000 neue Studienplätze geschaffen werden.  „Ich bin nur halb beruhigt“, erklärte Zemmrich anschließend auf Nachfragen unserer Zeitung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass tatsächlich genug Studienplätze geschaffen werden.“

 Ein ganz anderes Ansinnen als Valentin Zemmrich hatten Mobilfunkgegner aus Ölbronn-Dürrn. Sie nutzten die Gelegenheit, dem Landesvater einen offenen Brief zu überreichen. Dieser bedankte sich nicht nur für den Brief, sondern auch für die vielen offenen Gespräche, die er in Illingen hat führen dürfen. „Die Anliegen, die heute an mich herangetragen wurden, sind alle berechtigt. Ich habe viele positive Gespräche geführt, frei von Besserwisserei und Rechthaberei.“

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