Bürger fühlen Kandidaten auf den Zahn

Erstellt: 27. September 2006, 00:00 Uhr
Bürger fühlen Kandidaten auf den Zahn Ölbronner nehmen Kandidaten ins Verhör – auf konkrete Fragen folgen konkrete Lösungsangebote der fünf Anwärter auf das Amt des Bürgermeisters. Foto: Appich

Erste Vorstellungsrunde in Sachen Bangha-Nachfolge – Bewerber müssen sich konkreten Fragen stellen.

Ölbronn-Dürrn – Am Montagabend ist der Startschuss zum Bürgermeisterwahlkampf in der Gemeinde Ölbronn-Dürrn gefallen (MT berichtete). Fünf Kandidaten warben bei der Veranstaltung in eigener Sache und stellten sich anschließend den Fragen der Zuhörer.

VON RAINER APPICH

 Die fünf Bürgermeister-Kandidaten, die die Nachfolge von Adalbert Bangha im Visier haben, stellten sich in alphabetischer Reihenfolge dem Publikum in der Ölbronner Gemeindehalle vor. Der Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Betriebswirt Michael Bauer war als Erster an der Reihe. Der 40-jährige Abteilungsleiter im Hauptamt der Stadt Pforzheim erläuterte nach seiner persönlichen Vorstellung seine kommunalpolitischen Ziele. Ölbronn-Dürrn lebe finanziell von der Substanz, deshalb sei ihm eine geordnete, solide Finanzpolitik besonders wichtig. Er wünsche sich eine mehr nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten strukturierte Verwaltung.
  Als Zweiter Redner ging Matthias Brunner ins Rennen. Der 36 Jahre alte Auditor für Qualitätsmanagement möchte für seine Heimatgemeinde ein Neubauprogramm auf den Weg bringen. Er könne sich ein Wohngebiet zwischen dem Ort und dem Ölbronner Bahnhof vorstellen. Das Programm „Miteinander – Mittendrin“ sei für die Gemeinde auf Dauer nicht zu schultern, dafür sollte ein Investor gefunden werden.

 „Eine ins Haus stehende Veränderung heiße nicht, dass alles anders gemacht werden muss – Bewährtes behalten und fortschreiben“, mit diesem Motto eröffnete Norbert Holme seine Präsentation.

Kandidaten machen konkrete Vorschläge

Erhalt vorhandener und Schaffung neuer Arbeitsplätze – wobei für ihn Qualität vor Quantität gehe -, bessere Möglichkeiten zur Ganztagsbetreuung, Erhöhung der Lebensqualität durch Förderung neuer Energien und eine bürgernahe Verwaltung, schwebten dem 48-jährigen Diplom-Verwaltungswirt (FH) und derzeitigem Kämmerer von Wiernsheim für die Gemeinde vor.

 In der behutsamen Weiterentwicklung des Gewerbegebiets mit guter Durchmischung, dem Ausbau der Kinderbetreuung, der Einbindung der Senioren und Förderung der Solarenergie sieht der Dürrner Diplom-Ingenieur Jürgen Moll seine Ziele. Durch familiengeführte Unternehmen und die Ansiedlung junger Familien hofft er auf eine Verbesserung der Finanzlage der Kommune. Als letzter in der Kandidatenrunde stellte sich Markus Pudschun vor. Der Leiter der Pforzheimer Friedhofsverwaltung sieht in der Veräußerung unrentabler Objekte, der Verminderung der Personalausgaben und Steigerung der Effizienz, und in einer gefahrlosen Verringerung der Straßenbeleuchtung Einsparpotential.

 Er plädierte für die Ansiedlung von Gewerbe, Geschwindigkeitsbeschränkungen in den Hauptstraßen und die Förderung ansässiger Betriebe. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde hatten die Zuhörer Gelegenheit, Fragen an die Kandidaten zu stellen. An alle richtete sich eine Frage: die nach der Finanzierung der erweiterten Kinderbetreuungszeiten „Bleibt da alles an den Eltern hängen?“

 Die Gemeinde müsse sich zu einem höheren Zuschuss entschließen, so Michael Bauer. Er sehe seine Aufgabe darin, einen Sponsor für den Kindergarten zu suchen, so Matthias Brunner. Die durch rückläufige Kinderzahlen freiwerdenden Kräfte könnten sozialverträglich einbezogen werden, sagte Norbert Holme. Jürgen Moll gestand ein, dass er seinem Vorredner, was das Wissen über Fördermittel angehe, nicht das Wasser reichen könne. Zweifel an der Nachfrage und Auslastung einer Einrichtung zur Langzeitbetreuung hegte Markus Pudschun. Für ihn sei es Chefsache, dass hochwertiges Gewerbe in die Gemeinde komme, antwortete Holme auf eine Publikumsfrage. Im Zusammenwirken mit der Verkehrsbehörde müsse man eine Lösung finden, antwortete er auf die Frage nach sicheren Straßenüberquerungen für Fußgänger.

 Beispiele anderer Gemeinden hätten gezeigt, dass nicht immer alle Möglichkeiten ausgeschöpft würden, antwortete Michael Bauer auf die Frage, ob er glaube, dass er Fördertöpfe besser als bisher nutzen könne. Am Beispiel von Wiernsheim erläuterte Holme die Möglichkeiten einer Förderung für Energiesparmaßnahmen in Verbindung mit der Ortskernsanierung.

 „Wenn ich Gemeindearbeiter wäre, hätte ich Angst vor ihnen, wie stellen sie sich die Einsparungen vor?“, wandte sich der Frager an die Kandidaten Pudschun, Moll und Bauer. Er sehe keinen Handlungsbedarf, erklärte Moll. Man müsse prüfen, ob freiwerdende Stellen wieder besetzt werden sollen – darin waren sich die beiden anderen Kandidaten einig. Es müsse jeder Einzelfall geprüft werden, so Pudschun. Bauer nannte den Winterdienst in Pforzheim, der teilweise privat vergeben sei.

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