Brutales Trio lockt Opfer in die Falle

Erstellt: 26. Februar 2010, 00:00 Uhr
Brutales Trio lockt Opfer in die Falle Das Fahrzeug des Opfers am Tatort in Pforzheim. Foto: p

Fahrt in einem Minicar von Mühlacker nach Pforzheim endet mit einem blutigen Verbrechen.

Pforzheim/Mühlacker (weg/the). Seit gestern müssen sich in Pforzheim drei junge Leute, darunter ein 17-jähriges Mädchen, wegen des brutalen Überfalls auf den Fahrer eines Minicar im vergangenen Jahr verantworten. Angeklagt ist das Trio wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Den Vorwurf eines versuchten Tötungsdelikts hatte die Staatsanwaltschaft erst nach längerer Abwägung fallen gelassen.

 Ausgangspunkt der Ereignisse war in der Nacht auf den 31. Juli 2009, gegen 1.50 Uhr, die Stadt Mühlacker. Wie der jüngere der beiden Täter vor Gericht erzählte, waren sie zu dritt dorthin gefahren, um den Chef der 17-Jährigen, der dieser unter den Rock gefasst habe, zur Rede zu stellen. Zu dem „Gespräch“ hatte der 18-Jährige, der von einem damals 20-Jährigen begleitet wurde, einen Teleskop-Schlagstock mitgenommen. Allerdings kam es nicht zu dem geplanten Aufeinandertreffen mit dem Chef, und das Trio fand sich gegen 2 Uhr am Mühlacker Bahnhof wieder, wo kein Zug mehr zurück nach Pforzheim ging.

 So wurde die Idee mit dem Überfall auf den Minicar-Fahrer geboren. Wie der Jüngere aussagte, habe sein Begleiter den Plan entworfen. Doch der inzwischen 21-Jährige, der ein bisschen aussieht wie ein tragischer Prinz aus Tausendundeiner Nacht, beteuerte, er habe von den ganzen Vorbereitungen und Absprachen nichts mitbekommen, er sei betrunken gewesen. Im Übrigen habe er genug eigenes Geld und brauche keines von einem Taxifahrer. Die 17-Jährige wiederum, ein unschuldig wirkendes blondes Mädchen, hatte bei der Polizei vor allem den Älteren belastet. Dem sei es nur ums Geld gegangen, während sie und der 18-Jährige um den Fahrer besorgt gewesen seien.

 Dieser hatte spät nachts in der Pforzheimer Galileistraße mit seinen Schreien die Anwohner geweckt. „Hilfe, ich verblute! „Hilfe, warum hilft mir denn keiner!“ Eine Nachbarin, die zuerst an Jugendliche dachte, die Blödsinn machten, sah vom Balkon aus auf der Straße, neben einem Minicar mit offenen Türen, einen blutüberströmten Mann liegen. Auch andere Anwohner eilten dem Schwerverletzten zu Hilfe, der kurz darauf das Bewusstsein verlor.

 Wie das Opfer zum Auftakt der Verhandlung aussagte, habe die 17-Jährige während der Fahrt nach Pforzheim noch freundlich und locker mit ihm geplaudert und ihm gesagt, er habe schöne blaue Augen. Dreimal wurde er unterwegs von seinen Fahrgästen gebeten anzuhalten, weil ihm das Mädchen gekonnt eine Übelkeit vorspielte und sich von ihm Papiertücher reichen ließ. Beim dritten Halt in der Galileistraße, so schilderte der 18-Jährige vor Gericht den Überfall, habe ihm sein Begleiter ein Zeichen gegeben, endlich zu handeln. Er sei ausgestiegen und habe mit dem Schlagstock zugeschlagen, als sich der Fahrer auf der Suche nach weiteren Papiertaschentüchern über den Kofferraum beugte.

 Doch der 69-Jährige wurde nicht ohnmächtig, wollte flüchten, worauf ihn der 18-Jährige verfolgte und nochmals zuschlug. „Ich gebe Ihnen alles, was sie wollen“, habe der Fahrer zu ihm gesagt und dabei in seine Tasche gegriffen. Da habe er nochmals zugeschlagen, aus Angst, der andere könnte eine Waffe ziehen.

 Offenbar gab es dann noch einen vierten Schlag, worauf die Täter flüchteten. Das Geld im Minicar blieb unberührt, das Opfer wurde mit einem Nasenbeintrümmerbruch, einem Kieferbruch, einem Riss im Halswirbel, einem gebrochenen Finger und vier schweren Kopfplatzwunden in die Intensivstation des Krankenhauses gebracht. Hinzu kommen die schweren psychischen Folgen des Überfalls. Immer wieder, erzählte der Fahrer vor Gericht, habe er im Traum seine eigene Totenmaske gesehen.

 Die Polizei war den Tätern bereits Ende August auf die Spur gekommen. Nach der Festnahme des 18-jährigen Pforzheimers erschien die 17-Jährige, die in einer Gemeinde im östlichen Enzkreis wohnt und in Minsk in Weißrussland geboren ist, selbst auf dem Polizeirevier und gestand schließlich ihre Beteiligung an der Tat. Der ältere Mittäter, ebenfalls aus Pforzheim, ging der Polizei dann wenige Tage später ins Netz.

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