Brücke zu brandneuen Bürgern bauen

Erstellt: 28. September 2007, 00:00 Uhr
Brücke zu brandneuen Bürgern bauen Junges Mühlacker: Claire (l.) und Donna mit ihrer Mutter Andrea Hagenlocher-Hesse. Foto: Becker

OB lädt zum „Babytag“: Familien mit Kleinkindern informieren sich über Betreuungs- und andere Angebote.

Mühlacker – Politik ist kein Kinderspiel. Und weil das auch für die Aufgaben der Kommunen im Allgemeinen, für die Betreuung des Nachwuchses im Besonderen gilt, hat der Mühlacker Oberbürgermeister Arno Schütterle jetzt über 300 Familien mit Kleinkindern zum Gedankenaustausch eingeladen.

VON CAROLIN BECKER

Vor einem so jungen Publikum dürfte der Mühlacker Rathauschef selten einmal gesprochen haben, sah er sich doch gestern nicht nur mehreren Dutzend Eltern in der Cafeteria des Theodor-Heuss-Gymnasiums gegenüber, sondern auch vielen quietschfidelen Säuglingen und Kleinkindern bis zu eineinhalb Jahren. Deren Eltern waren explizit angeschrieben worden, um die Tradition der Neubürgerempfänge mit eben jenen wortwörtlich neuen Bürgern fortzusetzen, wie der OB erläuterte.

 Ein Ziel dieser Premiere sei, das „Wir-Gefühl in unserer jungen Stadt“ zu stärken, betonte Arno Schütterle und rief zum Dialog auf. „Sprechen Sie uns darauf an, wenn Ihnen irgendwelche Stolpersteine im Weg liegen“, ermutigte er die Gäste. Der laufende Ausbau der Innenstadt solle „barrierefrei“ vollzogen werden.

 Dagegen sei nicht daran gedacht, Hand an eine Barriere finanzieller Art zu legen: Eltern von Kindergartenbeiträgen freizustellen, wie dies in einigen anderen Kommunen geschehe, sei gegenwärtig nicht Strategie von Gemeinderat und Stadtverwaltung, betonte der Oberbürgermeister auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir haben einen anderen Weg gewählt“, erinnerte er daran, dass Millionenbeträge in die Sanierung und den Brandschutz von Schulen und Kindergärten investiert würden.

 Investieren wolle er in die Zukunft auch, indem er die Mütter und Väter der Jüngsten mit dem Wissen um mögliche Anlaufstellen versorge. Gerade Eltern mit kleinen Kindern hätten einen besonderen Informationsbedarf, entnahm Schütterle seiner Erfahrung als Vater dreier inzwischen fast erwachsener Kinder. Den Gästen in der Cafeteria des Gymnasiums stellten sich daher Fachkräfte verschiedener Institutionen vor, so Vertreter städtischer Kindergärten, des Tagesmüttervereins Enztal, von Rabennest, Familienbildung, Sprachförderung, Kindersportschule und deutsch-türkischem Frauenkreis.

 Eine derjenigen, die aufmerksam die kurzen Beiträge verfolgte, war Andrea Hagenlocher-Hesse. „Toll, dass es diese Einladung gibt. Ich möchte mir einen Überblick darüber verschaffen, welche Einrichtungen es für Mütter und Kinder in der Stadt gibt“, begründete die Mutter von Claire (vier Jahre) und Donna (fünf Monate), weshalb sie in die THG-Cafeteria gekommen war. Sie selbst habe früher eine Krabbelgruppe geleitet und engagiere sich jetzt für die evangelische Kirchengemeinde im „Mini-Gottesdienst“. Informationen gerade über den Tagesmütterverein kämen ihr sehr gelegen, könne sie sich doch vorstellen, selbst in diesem Bereich aktiv zu werden. Was Mühlacker zur ganz und gar kinderfreundlichen Stadt fehlt? Da fallen Andrea Hagenlocher-Hesse die Klippen ein, die sie – zu Fuß und mit dem Kinderwagen unterwegs – häufig umschiffen muss: „Die Gehwege sind an manchen Stellen sehr schmal, wenn dann noch Autos darauf parken, muss man auf die Straße ausweichen“, erzählte sie.

 „Bis jetzt weiß ich relativ wenig darüber, was in Mühlacker für Mütter und Kinder geboten ist“, wünschte sich die Dürrmenzerin Petra Goller vor allem mehr Möglichkeiten, mit den Eltern von Kindern im Alter ihres einjährigen Sohnes René zusammenzutreffen. Die Aussicht auf Gespräche mit anderen Eltern hatte auch Avgi Karagianni gelockt. „Mir geht es nicht hauptsächlich darum, besondere Institutionen kennenzulernen. Ich bin einfach gespannt darauf, mit anderen Eltern Erfahrungen auszutauschen“, sagte sie, ihre acht Monate alte Tochter Georgia im Arm. Wie sie diese am besten zum Schlafen bringen könne, wolle sie gern mit anderen Müttern besprechen.

 „Wir möchten mit diesem Treffen eine Brücke von der Gegenwart in die Zukunft schlagen“, hatte Arno Schütterle dagegen ein politischeres Ziel im Auge. Und wenn der OB die kleine Claire mit einem Energieriegel zum Strahlen bringt, dann ist – ganz ausnahmsweise – Politik einmal doch kinderleicht.

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