Brasilianisches Herzblut für Großglattbach

Erstellt: 28. Februar 2009, 00:00 Uhr
Brasilianisches Herzblut für Großglattbach Natiele de Oliveira Fontes mit dem TSV-Vorsitzenden Hugo Kurfiß und den Trainern Andreas Geiger und Werner Zigan (v.l.) Foto: Stahlfeld

Natiele de Oliveira Fontes liebt den Fußball über alles und verstärkt nun die Frauen-Elf des TSV.

Weil ihr Vater dagegen war, ging sie als kleines Mädchen heimlich Fußball spielen. Natiele de Oliveira Fontes gehörte zu den legendären Straßenfußballern Brasiliens. Seit wenigen Tagen verstärkt die 20-Jährige die Damenmannschaft des TSV Großglattbach.

VON ULRIKE STAHLFELD

Im Süden Brasiliens, in Novo Hamburgo (Neu-Hamburg), ist Natiele de Oliveira Fontes, aufgewachsen, einer Stadt in Küstennähe mit heute rund 260000 Einwohnern, die im 19. Jahrhundert insbesondere durch deutsche Einwanderer entstand. Seit dem 6. Oktober vergangenen Jahres lebt Natiele de Oliveira Fontes nun in Wiernsheim bei Lori Weidner-Griesang, einer Schulfreundin ihrer Mutter: „Sie möchte ein Jahr lang die deutsche Sprache lernen“, sagt Weidner-Griesang. Die 20-Jährige fühlt sich wohl in ihrem neuen Zuhause. Die Menschen seien hilfsbereit und freundlich, betont sie. Sogar am Schnee findet sie Gefallen und auch das deutsche Essen schmeckt ihr. Schließlich möchte sie selbst einmal Küchenchefin werden. Nur eine Sache, die fehlte Natiele de Oliveira Fontes bis vor Kurzem ziemlich: der Fußball.

Mit dem Taschengeld einen Fußballplatz gemietet

Schon als kleines zehnjähriges Mädchen zog sie mit ihren beiden Brüdern los. Die Kinder legten ihr Taschengeld zusammen und mieteten für einige Stunden einen Sportplatz zum Kicken. Ihr großes Vorbild stammte ganz aus der Nähe: Ronaldinho.

 Der Weltmeister von 2002 und Weltfußballer der Jahre 2004 und 2005 kommt aus Porto Alegre. Die Stadt ist nur 35 Kilometer vom Heimatort von Natiele de Oliveira Fontes entfernt. Ronaldinho, heute beim AC Mailand aktiv, begann seine Karriere im Heimatverein, dem Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense. Dort hätte auch Natiele de Oliveira Fontes gerne gespielt. Und der Trainer hätte sie auch gerne genommen.

 „Aber der Vater hat es nicht erlaubt“, erzählt die Brasilianerin. Weil ihr Vater stets gegen eine Fußballkarriere war, hat die 20-Jährige auch nie den großen Traum einer Fußballkarriere geträumt. Obwohl sie ihr ganzes Herzblut in diesen Sport einbringt.

 „Es war für mich eine Herausforderung von Klein auf“, sagt sie. Der Kampf um den Ball, der Drang sich durchzusetzen, reizen Natiele. Deshalb sei sie auch immer heimlich zum Kicken gegangen.

 Das Durchsetzungsvermögen schätzt auch ihr jetziger Trainer beim TSV Großglattbach. Werner Zigan: „Sie geht los wie eine Rakete und spielt mit Begeisterung Fußball.“ Er freut sich über die Verstärkung seiner Damenmannschaft. Denn in Großglattbach wird erst seit eineinhalb Jahren Damenfußball gespielt. Man steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Vorausgesetzt Natiele de Oliveira Fontes bekommt rechtzeitig ihren Spielerpass, dann steht sie bereits an diesem Wochenende beim Hallenturnier der Spvgg Schlösslesfeld auf dem Platz. Ansonsten hat sie beim Punktspiel in der Bezirksliga am Sonntag, 8. März, 10.30 Uhr ihren ersten Einsatz, wenn das Tabellenschlusslicht zu Heimspiel gegen den Tabellenführer, die Spielgemeinschaft aus SV Vaihingen und Arces Corsari Möhringen, antritt.

 „In Brasilien wird ganz anders als in Deutschland Fußball gespielt“, berichtet die Spielerin. In ihrem Heimatland treffe man sich einfach auf der Straße. Hier gehe man in den Verein. Daheim spielte sie drei Stunden am Stück und baute Kondition auf. Bei Trainer Zigan lernt sie nun die Grundtechniken, wie Bälle zu stoppen.

 Auch wenn Natiele de Oliveira Fontes nicht gerade selbst auf dem Platz steht, ist sie an Fußball interessiert. Daheim hängt ihr Herz am Verein Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense. Und auch hierzulande hat sie längst ihren persönlichen Favoriten ausgemacht: Natiele fiebert mit dem Rekordmeister FC Bayern München mit.

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