Blutiger Deal bei Drogen-Scheingeschäft

Erstellt: 29. November 2011, 00:30 Uhr

Karlsruhe/Enzkreis. Im Fall um ein geplatztes Drogengeschäft mit anschließender Messerstecherei in Straubenhardt haben gestern beim Prozessauftakt gleich vier Angeklagte auf den Bänken im Karlsruher Schwurgerichtssaal Platz genommen. Je nach Tatbeteiligung wird ihnen ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Anstiftung zum schweren Raub bis hin zu versuchtem Mord zur Last gelegt.

Dass es ein übles Ende nimmt, wenn Gangster versuchen, Gangster über das Ohr zu hauen, scheint der Tathergang, den Staatsanwalt Peter Stadler schilderte, einmal mehr zu bestätigen.

Der 36-jährige Arif B. (alle Namen geändert) hatte einen Scheindeal gemeinsam mit seinen beiden unechten Drogenlieferanten eingefädelt, dem 22-jährigen Karim K. und dem 23-jährigen Goran N.. Für eine Provision von 400 Euro vermittelte Peter Z. den Kunden, nichtsahnend, dass dieser abgezockt und um den Kaufpreis von 5000 Euro für ein Kilo Marihuana erleichtert werden sollte.

Nach einem erfolgreichen Testkauf, bei dem fünf Gramm Marihuana den Besitzer wechselten, kam es am 26. Februar 2011 schließlich zu dem folgenreichen Treffen in Straubenhardt. Karim K. ließ sich das Geld zeigen, Goran N. inszenierte das Ablenkungsmanöver und gab vor, die Ware aus dem Auto zu holen. Beim Raub stach Karim K. dem ahnungslosen Drogenkäufer ein Messer zwölf Zentimeter tief bis zur Magenrückwand in die Bauchhöhle.

Das vermeintlich harmlose Opfer überraschte die Täter mit einer heftigen Gegenattacke. Es wehrte sich mit Pfefferspray und einem Messer gegen den Angriff, konnte den Hinterreifen des Wagens der Täter zerstechen und floh in das Auto seines Begleiters. Nur dank der sofortigen Notoperation im Krankenhaus verblutete das Opfer nicht an seinen inneren Verletzungen.

Zum Auftakt des insgesamt auf vier Tage angesetzten Prozesses beschränkte sich das Karlsruher Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Leonhard Schmid darauf, die Ecken und Kanten in den Lebensläufen der Angeklagten herauszuarbeiten. Der Vermittler des Deals, der 22-jährige Peter Z. aus Pforzheim, leidet laut ärztlichem Attest unter ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom). Er gab an, seit mehreren Jahren regelmäßig Marihuana zu rauchen. „Ich habe die Medikamente vom Arzt durch Kiffen ersetzt“, setze er auf eine eigene Therapiemethode. Er sei in den letzten Jahren arbeitslos gewesen und lebe derzeit von Hartz IV.

Arif B. aus der Region Mühlacker, der den Leerverkauf organisiert hatte und dem Anstiftung zum schweren Raub zur Last gelegt wird, verdiente sich seine Brötchen lange in Branchen, denen ein wenig vertrauenswürdiges Image anhaftet und denen Bandenkontakte nachgesagt werden: Er arbeitete unter anderem jahrelang als Türsteher in verschiedenen Pforzheimer und Karlsruher Diskotheken, betrieb einen Gebrauchtwagenhandel und ein Wettbüro.

Seit März in Untersuchungshaft sitzt das Duo, das sich gemeinschaftlich wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und schwerem Raub vor dem Schwurgericht verantworten muss. Beide sind in Stuttgart aufgewachsen, haben ihren Hauptschulabschluss gemacht. Beide haben aber auch ihre Ausbildung abgebrochen. Während Goran N. bis zur Inhaftierung zur Zufriedenheit seines Arbeitgebers in der Produktion gearbeitet hat, hat Karim K. sich in verschiedenen Jobs probiert. Er erklärte, dass er dieses Jahr seine Ausbildung hätte fortführen wollen.

Der Prozess wird am heutigen Dienstag fortgesetzt.

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