Blutbanken trocknen aus

Erstellt: 28. Juli 2010, 00:00 Uhr
Blutbanken trocknen aus Auch Britta Herm von der Campingplatzverwaltung spendet einen halben Liter Blut. Sie wird betreut von DRK-Schwester Maike Renker. Foto: Goertz

Rotes Kreuz und Kliniken schlagen Alarm – Zusätzliche Spendetermine sollen Mangel lindern – Premiere auf Campingplatz.

Der DRK-Blutspendedienst und Kliniken aus der Region schlagen Alarm: Die Vorräte in den Blutbanken werden bedrohlich knapp. Sogar Operationen mussten mangels Blutkonserven schon abgesagt werden.

Von Frank Goertz

Knittlingen/Enzkreis. Mit zusätzlichen Blutspendeterminen soll jetzt die Not gelindert werden – unter anderem am Wochenanfang auf dem Stromberg-Campingplatz in Knittlingen, der zum ersten Mal Schauplatz eines Blutspendetermins war.
 „Fußball-WM, Beginn der Ferienzeit, Hitzewelle – in diesem Sommer kommt einiges zusammen. Unsere Blutbanken trocknen aus“, klagt Markus Hieronymus, Organisationsreferent beim Roten Kreuz Baden-Württemberg/Hessen und verantwortlich für Blutspenden im Enzkreis, Pforzheim und Mannheim. „Zuletzt hatten wir bei den Spendenterminen Einbußen in einer Größenordnung von 30 bis 40 Prozent.“ Die Bestellungen der Kliniken könnten nicht mehr in allen Blutgrupen wunschgemäß erfüllt werden.

 Der aktuelle Engpass könne zwar durch zusätzliche Blutspendetermine und Werbekampagnen gemildert werden, aber Hieronymus macht auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam: „Wir benötigen in Baden-Württemberg täglich 2000 Blutkonserven. Davon sind 19 Prozent für Krebskranke, 16 Prozent für Magen-Darm-Patienten und weitere 16 Prozent für Menschen mit Herz-Kreislauf-Operationen. Dies sind alles Krankheiten, die vermehrt im Alter auftreten. Wir werden künftig noch viel mehr Blutkonserven als bisher benötigen.“ Der demographische Wandel treffe auch die Blutbanken mit voller Wucht.

 Bedrohlich war in den letzten Wochen auch die Situation im Klinikum Pforzheim, das auch einen Versorgungsauftrag für die Enzkreiskliniken hat. Wie Chefärztin Christiane Saadé vom Institut für Transfusions- und Laboratoriumsmedizin berichtet, sei die Spenderzahl in den letzten Wochen fast um die Hälfte eingebrochen. „Wir mussten sogar geplante Operationen absagen“, macht die Ärztin den Ernst der Lage deutlich. Das habe bei einigen Patienten für Unverständnis gesorgt, aber Blut sei eben kein Arzneimittel, das sich am Fließband herstellen lässt. „Ich habe Angst vor einem Unglück mit vielen Verletzten, bei dem wir auf einen Schlag zahlreiche Blutkonserven benötigen“, gesteht Saadé. „Bei einigen Blutgruppen sind bundesweit kaum noch Konserven zu beschaffen.“  Zwar habe sich die Lage in den letzten Tagen etwas beruhigt, aber von Entwarnung könne keine Rede sein. „Wir hatten gerade erst eine Patientin mit einer Magen-Darm-Blutung, die eine Konserve der Blutgruppe 0-negativ benötigte und der wir nur eine 0-positiv-Transfusion geben konnten“, berichtet Saadé. Das sei zwar generell möglich, medizinisch betrachtet jedoch nur eine Lösung der zweiten Wahl.

 Wenn es ganz eng wird, bleibt dem Klinikum nur der Griff zum Telefon. „Bei uns sind 5500 Spender registriert. Im Notfall rufen wir sie an und bitten sie, so schnell wie möglich zu kommen, weil ein Patient dringend Blut braucht“, so Saadé.
 Das Rote Kreuz hat ebenfalls auf den Engpass reagiert und zusätzliche Blutspendetermine organisiert. Jetzt wurden zum ersten Mal auf dem Stromberg-Campingplatz die Lebensretter zur Ader gelassen. „Diesen Termin haben wir kurzfristig organisiert“, berichtet Hieronymus. „Wir wollen die potenziellen Blutspender auch an ihren Urlaubsorten aufsuchen.“  Ein Konzept, das aufgeht. Bis zum Abend hatten 119 Menschen Blut gespendet, davon 35 Erstspender. „Die hohe Zahl der Erstspender freut uns. Normalerweise beträgt die Erstspenderquote höchstens zehn Prozent“, sagt Helmut Karst, stellvertretender DRK-Bereitschaftsleiter in der Fauststadt.

 Zu den Erstspenderinnen gehört auch Sylvia Glatz aus Vaihingen, die Dauercamperin in Knittlingen ist. „Ich habe etwas Bammel“, gestand sie vor dem ersten Pieks. „Aber vor kurzem bin ich beinahe Opfer eines Unfalls geworden und hätte womöglich selbst eine Transfusion benötigt. Und jetzt ist der Spendetermin direkt vor unserer Wohnwagentür.“ Nicht lange nachdenken mussten Britta und Frank Herm von der Verwaltung des Campingplatzes, als die Anfrage kam, ob das DRK seine Zelte auf dem Gelände aufbauen und die Räume für die Blutentnahme nutzen kann. „Wir sind selbst Blutspender“, erklärt das Betreiberpaar, das für alle Spender eine Freikarte für das Freibad auf dem Campingplatz springen ließ. Da passte es gut, dass jeder Blutspender zusätzlich vom DRK noch ein Badelaken als Dankeschön erhielt.

 „Wir brauchen aber auch die Unterstützung der Helfer aus den Ortsvereinen wie hier in Knittlingen. Ohne sie könnten wir solche Aktionen nicht bewältigen“, lobt Hieronymus. „Wir sind mit rund 20 Mann im Einsatz“, berichtet Helmut Karst, „um zusätzlich zu den beiden traditionellen Blutspendeterminen in der Schule die Premiere auf dem Campingplatz zu organisieren.“ Einige hätten sich sogar extra kurzfristig Urlaub genommen, damit alles reibungslos funktioniert.

Weiterlesen
Böiger Wind verfälscht die Leistungen

Böiger Wind verfälscht die Leistungen

Bei Mehrkampf- Kreismeisterschaften hadert so mancher Leichtathlet mit den widrigen Bedingungen Mühlacker – 239 Leichtathleten aus dem Enzkreis haben sich im Mühlacker Käppele-Stadion getroffen, um die Kreismeister im Mehrkampf unter sich… »