Blechlawine rollt durch Wohngebiet

Erstellt: 16. März 2007, 00:00 Uhr
Blechlawine rollt durch Wohngebiet Laster auf dem Weg in die Danziger Straße – die Umleitung als Geduldsprobe für Anwohner und Lkw-Fahrer. Foto: Disselhoff

Kreisverkehr-Baustelle sorgt für Hochbetrieb im Bannholz – Bürger sorgen sich um Sicherheit ihrer Kinder

Mühlacker – Seit dem Baubeginn des Kreisverkehrs an der Lienzinger Straße rollt eine Blechlawine durch das benachbarte Wohngebiet Bannholz. Zwar gab es bisher noch keine Beschwerden bei der Stadtverwaltung, doch manche Eltern sorgen sich um ihre Kinder.

VON MAIK DISSELHOFF

Bis der Verkehr den Kreisel an der Lienzinger Straße elegant umrunden kann, wird es noch eine ganze Weile dauern. Solange werden Autos, Lkws und Motorräder umgeleitet. Verkehrsamtsleiter Saur will das, was die Bürger im Bannholz zurzeit in ihren Straßen auch am liebsten hätten: „Wir möchten im Baustellenbereich möglichst wenig Verkehr haben“, sagt er. Momentan müssen Pkws, Lastwagen und Zweiräder, wenn sie von der Vetterstraße aus Kurs auf die Lienzinger Straße nehmen wollen, die Umleitungsstrecke über das Bannholz benutzen. Es gilt eine Einbahnregelung. Seit dem 5. März holpern deshalb 40-Tonner, Autos und Motorräder über die Danzinger und die Breslauer Straße, bis sie in die Stichstraße „Im Bannholz“ abzweigen, um wieder auf die Lienzinger Straße fahren zu können.

Anwohnerin klagt über rücksichtslose Autofahrer

Zwar habe es von Seiten der Anwohner noch keine Kritik an der Umleitung gegeben, sagt Ulrich Saur, der Leiter des Verkehrsamtes der Stadt Mühlacker, trotzdem sind nicht alle Baustellen-Nachbarn mit der Streckenführung zufrieden. Iris Mühleisen, die zwei Kinder hat und in der Straße „Im Bannholz“ Nummer fünf wohnt, klagt an erster Stelle über rücksichtslose Autofahrer. „Die haben hier sowieso oft ein zu hohes Tempo drauf. Das Problem hat sich aufgrund der vielen Autos, die zurzeit hier unterwegs sind, noch verschärft.“

 Ein Kind der 38-Jährigen geht morgens zu Fuß zur nicht weit entfernten Grundschule Heidenwäldle. Der Weg ist jetzt wesentlich gefährlicher als in Zeiten des Normalverkehrs. „Ich finde es schade, dass man kein Schild mit dem Hinweis ,Schulweg kreuzt‘ aufgestellt hat“, sagt Mühleisen. Außerdem hätten viele Anwohner mit der Parkverbotsregelung ein Problem. „Wo sollen die Autos denn jetzt hin?“, fragt die Bannholzbewohnerin. Die Lkws, die durch die verwinkelten, engen Straßen manövrieren müssen, stören die Bürgerin dagegen kaum. „Die fahren anständig“, stellt sie fest und merkt an: „Die können ja auch gar nicht anders.“ Vorgestern Mittag sei allerdings die Polizei in der Straße aufgekreuzt. Der Grund: Ein Pkw hatte so geparkt, dass ein großer Laster die Kurve von der Breslauer Straße in die Straße „Im Bannholz“ nicht mehr kriegen konnte. Seit es die Umleitung gebe „sei im Wohngebiet für Action gesorgt“, so Mühleisen.

 Zwar nimmt die 38-Jährige die Blechkarawane, die täglich vor ihrem Haus vorbeizieht, gelassen, dennoch wünscht sie sich ein schnelles Ende des Ausnahmezustands. „Ich würde mich freuen, wenn die Umleitung schon vor dem 4. Juni aufgehoben wird.“ Danach könnte die Stadt dann die von den Lastern ramponierte Straße sanieren, fügt sie mit einem Lachen hinzu. Werner Hanslian, der im Bannholz wohnt und jeden Morgen durch die Straße „Im Bannholz“ zur Arbeit fährt, mahnt am Ende der Umleitungsstrecke eine klarere Beschilderung an. Hier fehle der Hinweis, in welche Richtung sich der nicht ortskundige Fahrer orientieren müsse, wenn er in Richtung Pforzheim und Ötisheim wolle. Das sieht der Verkehrsamtsleiter Saur nicht so: „Wer in das Areal bei der Vetterstraße hineinfindet, der findet auch wieder hinaus. Da bin ich mir sicher.“

 Neslie Santiago, Mutter von zwei Kindern, die in der schmalen Breslauer Straße lebt, trägt die Umleitung mit Fassung. Durch den Verkehr sei es nicht viel lauter als sonst, sagt sie. Doch für die Kinder sei der Verkehr gefährlich. Lediglich das Parkverbot findet Santiago lästig.
 „Wir haben die Königstraße von Mühlacker vor dem Haus“, packt Daniela Häcker das Bild in Worte, das sich ihr beim Blick durch das Schaufenster aus dem Verkaufsraum ihrer Metzgerei in der Straße „Im Bannholz“ bietet. Ob die Umleitung sich negativ auf die Umsatzzahlen auswirke, wisse sie erst in ein paar Wochen. „Wir sind zwar nicht direkt betroffen, aber die Leute meiden das ganze Gebiet halt insgesamt“, meint Häcker.

 Der Seniorchef der Speditionsfirma Craiss, die an der Vetterstraße beheimatet ist, freut sich auf den Kreisverkehr. „Der Kreisel stellt für uns eine unheimliche Entlastung dar“, betont Albert Craiss. Die Umleitung nehme man deshalb auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge hin. „Bis jetzt hatten unsere Lkws noch keine größeren Probleme“, so der Unternehmer. Das liegt auch an den Anwohnern, denn die hielten sich an das Parkverbot, lobt Craiss.

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