Besucher wird Teil der Ostergeschichte

Erstellt: 30. März 2010, 00:00 Uhr
Besucher wird Teil der Ostergeschichte Christlicher Glaube zum Anschauen und Anfassen: Der mit Lanzen gespickte Weg symbolisiert den Verrat an Jesus und dessen Verhaftung. Foto: Hansen

18 Stationen in der Leonhardskirche in Knittlingen

Was haben Tod und Auferstehung Jesu mit meinem eigenen Leben zu tun? Dieser Frage können Menschen auf dem ungewöhnlichen und überraschenden Osterweg in der Leonhardskirche in Knittlingen nachgehen.

 Von Isabel Hansen

Knittlingen. Vom Einzug nach Jerusalem, der über den mit Palmzweigen geschmückten Mittelgang der Kirche führt, vorbei am Tisch des Abendmahls und an der Klagemauer zum Spiegelbild des eigenen Verleugnens bis zum Ostergarten mit der frohen Botschaft der Auferstehung – 18 Stationen in der Kirche symbolisieren den Leidensweg und die Auferstehung Jesu.

 Gemeinsam mit zwölf Helfern hat Pfarrer Hans Veit die Ideen entwickelt und umgesetzt. Entstanden ist dabei ein Lehr- und Erlebnispfad in mehr als einer Hinsicht: Anhand von Informationstafeln und einer Begleitbroschüre können sich die Besucher den religiösen Hintergrund ins Gedächtnis rufen; vor allem aber sollen die Wegpunkte auch das Tor zu neuen Erfahrungen, vielleicht sogar zu einer anderen Sichtweise öffnen.

 „Jeder soll auf seine eigene Art in die Passions- und Osterzeit eintauchen können und sogar ein Teil von ihr werden. Wir wollen Menschen vermitteln, dass die Ostergeschichte eine Bedeutung auch für ihr Leben hat“, erklärt Veit das Konzept, mit dem er Kirchgängern aber auch neugierigen Besuchern Denkanstöße geben möchte, ohne sie ins Gebet zu nehmen.

 „Jesu musste sein eigenes Tötungswerkzeug tragen. Wer möchte, kann das Holzkreuz hochheben, das Gewicht auf seine Schultern nehmen und nachfühlen, wie schwer es ist, das eigene Kreuz tragen zu müssen. Gedanken zur eigenen Last, die einen niederdrückt, sind da nicht mehr weit weg“, beschreibt Veit eine von vielen Möglichkeiten, sich selbst zu entdecken. Last und Leiden der Mitmenschen stehen am nächsten Stopp im Fokus. 230 Millionen Christen in 60 Ländern werden noch heute aufgrund ihres Glaubens bedroht und verfolgt. Eine Plakatwand erinnert daran, dass Fanatismus, Verfolgung und Martyrium keineswegs Vergangenheit sind.

 Auch beim Osterweg folgt auf die Dunkelheit der Trauer, das Licht der Hoffung. Im Ostergarten grünt und blüht es, Wasser plätschert über die Steine. „Der Wechsel ist beeindruckend, manch einer sitzt hier eine halbe Stunde und lässt die Atmosphäre auf sich wirken“, freut Veit sich, wenn die Zeit beim Rundgang an Bedeutung verliert und die Menschen zur Ruhe kommen.

 Immer wieder können die Besucher selbst aktiv werden: Sie können die „Dornen“ ihres Alltags niederschreiben und in den geflochtenen Kranz hängen. Sie können ihre Proteste an der Klagemauer hinterlassen und sich mit ihren Gebetswünschen, die anonym bleiben, an die Kirche wenden. „Schritt für Schritt verändert sich damit auch der Anblick“, erklärt Veit.

 „Sehr bewegend und ansprechend“, sind sich Beate und Ludwig Oettinger einig, die im Anschluss an den Gottesdienst einen ersten kurzen Rundgang gemacht haben. „Es macht nachdenklich. Eine sehr persönliche Erfahrung“, findet Margit Jäger.

 „Der Osterweg lässt viel Raum für Meditation. Wenn es still ist, man mit sich allein sein kann, um nachzudenken, wirkt der Rundweg intensiver“, empfiehlt Veit, sich den Osterweg in den „Stoßzeiten“ nach den Gottesdiensten kurz anzusehen und dann später noch einmal wiederzukommen.

 Andererseits haben sich gleich zehn Schulklassen aus Knittlingen für Führungen angemeldet. Doch selbst, wenn es kurzzeitig mit der Besinnlichkeit vorbei sein sollte, freut Pfarrer Veit sich über den Besuch. „Wir wollen natürlich Menschen, die nicht oder nicht mehr in die Kirche kommen, erreichen und begeistern.“

Der Osterweg in der Knittlinger Leonhardskirche ist von Dienstag bis Donnerstag von 15 bis 19 Uhr, am Karfreitag von 10 bis 17.30 Uhr und am Ostersonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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