Bequemer Bahnhof wird deutlich teurer

Erstellt: 27. April 2012, 23:30 Uhr
Bequemer Bahnhof wird deutlich teurer Mit der Gartenschau 2015 rückt auch der Mühlacker Bahnhof in den Fokus. Beim geplanten Umbau geht es nicht um eine Verschönerung der Gebäude, sondern um mehr Bequemlichkeit für die Fahrgäste. Dafür werden – voraussichtlich in zwei Schritten vor und nach dem Grünprojekt – an den Bahnsteigen drei Aufzüge eingebaut und die Bahnsteige an das Niveau der modernen Züge angepasst.

Mühlacker. Um im Bild der Eisenbahner zu bleiben: Zwischenzeitlich schienen die Weichen, die rechtzeitig vor dem Grünprojekt 2015 gestellt werden sollten, bereits hoffnungslos eingerostet. Dann jedoch brachte Bahnchef Grube persönlich Bewegung in die festgefahrene Angelegenheit, und schon schien alles zu laufen wie geschmiert – bis nun die nächste Hiobsbotschaft die Freude über die planmäßige Zielankunft trübt: Um eine Viertelmillion Euro soll der Beitrag der Stadt ansteigen.

Damit steht, wenn am 8. Mai die Vertreter der Bahn zur vorentscheidenden Sitzung im Ratsaal erwartet werden, die Diskussion um das Bahnprojekt und die Beteiligung der Stadt unter neuen Vorzeichen. 250000 Euro mehr oder weniger sind für Mühlacker kein Pappenstiel, auch wenn es als höchst unwahrscheinlich gilt, dass deshalb ein Engagement für einen zeitgemäßen Bahnhof nochmals grundsätzlich infrage gestellt wird. Viel zu energisch hatte die Stadt auf einen raschen Umbau im Sinne der Bahnkunden und der Gartenschaubesucher gedrängt und dafür alle Hebel bis hinein in die Stuttgarter Ministerien in Bewegung gesetzt.

Der Grund für die Mehrkosten ist, wie Oberbürgermeister Frank Schneider auf Nachfrage bestätigte, ein simpler: Weil inzwischen die Planungen weiter ins Detail gegangen sind, gibt es auch genauere Zahlen zum finanziellen Aufwand – und der liegt nach der jüngsten Einschätzung der Bahn nicht bei knapp fünf Millionen Euro, sondern bei 5,6 Millionen Euro. Weil sich die Stadt bereiterklärt hat, sich entsprechend zu beteiligen, steigt ihr „Scherflein“ von den bisher im Raum stehenden 900000 Euro auf deutlich über eine Million Euro an. Dabei gab es in der jüngeren Vergangenheit – beispielsweise in Form von höheren Kosten für die Enzrenaturierung oder mit der Absage des Landes, was die erhofften Zuschüsse für einen verbesserten Hochwasserschutz betrifft – diverse finanzielle Rückschläge, die direkt oder indirekt mit der Gartenschau zusammenhängen.

Bahn schlägt Modernisierung der

Bahnsteige in zwei Etappen vor

Erkenntnis für die Stadt: Bahnsteige, die ohne Treppen auch für Menschen mit Handicaps oder Kinderwagen bequem zu erreichen sind, haben ihren Preis, und das ungeachtet der Tatsache, dass die Stadt gar nicht Eigentümer der Anlagen ist.

Gleichzeitig kristallisiert sich, was die zeitlichen Abläufe und die Angst vor Verzögerungen mit Blick auf die Gartenschau betrifft, eine Lösung heraus. Es liegt ein Vorschlag der Bahn auf dem Tisch, den Einbau der notwendigen drei Aufzüge vorzuziehen und den Umbau der Bahnsteige, deren Höhenniveau an die modernen Züge angepasst werden soll, auf die Zeit nach 2015 zu verschieben. So soll gewährleistet sein, dass nicht ausgerechnet während der Gartenschau der Bahnhof zur Großbaustelle wird. Das gesamte Projekt – einen Einbau der Aufzüge und eine gleichzeitige Anpassung der Bahnsteige – noch vor dem Grünprojekt komplett durchzuziehen, traut sich die Bahn offenbar nach wie vor nicht zu. Deshalb empfiehlt sie als Kompromiss einen Umbau in zwei Etappen.

Für OB Schneider ist das „ein gangbarer Weg“, auch „wenn es uns natürlich lieber gewesen wäre, wenn zur Gartenschau alles picobello fertig wäre“. Andererseits sei das Risiko, dass der Umbau der Bahnsteige nicht rechtzeitig abgeschlossen sein könnte und die Besucher doch noch durch eine Baustelle wandern müssten, nicht zu unterschätzen. „Von daher müssen wir wohl mit dem Vorschlag, die Barrierefreiheit entsprechend vorzuziehen, zufrieden sein.“

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