Beleidigungskanonade endet im Gefängnis

Erstellt: 11. Oktober 2008, 00:00 Uhr

56-Jähriger bedroht Justizbeamte mit derben Worten.

Mühlacker/Pforzheim (weg) – Wegen wüster Beleidigungen und Bedrohung von Justizbeamten ist ein 56-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden.

Weil er sich von der Justiz ungerecht behandelt fühlte, hatte der Angeklagte Briefe an Richter, Staatsanwälte und Mitarbeiter der Justiz versandt. Der Ingenieur nannte die Adressaten unter anderem „ein Stück Aas“ und drohte, nur Lebensmüde könnten es wagen, sein Mühlacker Wohnhaus zwangsversteigern zu lassen. Den damit beauftragten Rechtspfleger ließ er wissen, er nehme sich das Recht, ihn zu „beseitigen“. Die Art könne er sich aussuchen: Kalaschnikoff, Strang oder Sprengstoff in die hintere Körperöffnung. Er werde „den Saftladen massakrieren“, drohte er dem Pforzheimer Amtsgerichtsdirektor an.

 Hintergrund der Beleidigungs- und Bedrohungskanonade ist, dass sich der einst wohlhabende Mann von seiner Frau übervorteilt fühlte, und vom Schwurgericht, wo er 1999 wegen versuchten Totschlages an der Frau zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde, ungerecht behandelt sah. Letztendlich wurde sein millionenschweres Haus für gerade 191 000 Euro zwangsversteigert. Davon erhielt er die Hälfte.

 Ersteigert hatte das Haus seine Frau, die zuvor, als die Immobilie regulär zum Verkauf angeboten war, keinen Interessenten hereingelassen hatte. Der Richter, den er in mehreren Schreiben angefleht hatte, die Zwangsversteigerung zu verhindern, hatte nicht reagiert, wie der Angeklagte berichtete. So sah er sich „gezwungen“, wild-wüste Schreiben zu verfassen, um endlich wahrgenommen zu werden, wie er vor dem Pforzheimer Gericht erklärte.

 Richterin Stephanie Gauß ermöglichte dem Zornentbrannten endlich das, was er zuvor vermisst hatte: Sie hörte ihm geduldig zu. Was nicht ganz einfach war, denn der Mann beleidigte, einmal in Fahrt gekommen, in der Verhandlung auch den Staatsanwalt Bernhard Martin als einen „Bengel“. Worauf dieser die Robe auszog und unter Protest den Saal verließ.

 Die Richterin verurteilte den Angeklagten nach siebenstündiger Verhandlung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Ohne Bewährung. Staatsanwalt Martin hatte ein Jahr und vier Monate beantragt, der Verteidiger, der seinen Mandanten immer wieder beruhigen konnte, hatte auf „eine milde Strafe zur Bewährung“ plädiert.

 Der Angeklagte hat mehrere Vorstrafen wegen Beleidigung und Bedrohung. Er hat Einkünfte von rund 700 Euro monatlich und rund 70 000 Euro Schulden an Gerichts- und Anwaltskosten. Seine Frau, die angeblich ein Nettoeinkommen von mindestens 300 000 Euro jährlich erzielt, muss ihm keinen Unterhalt bezahlen. Der Verteidiger legte all die Ungerechtigkeiten und das Unglück, das seinem Mandanten widerfahren war, anschaulich dar.

 Die angeblichen Ungerechtigkeiten und das Unglück seien in dieser Verhandlung nicht zu klären, wie Staatsanwalt Bernhard Martin ausführte. Der Angeklagte, der die eigene Ehre hoch halte, missachte in seinen Schreiben die der anderen. Ähnliche Taten seien von dem Mann erwarten. Dieser Auffassung schloss sich letztendlich auch Richterin Stephanie Gauß an.

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