Belebung nach Mühlehof-Abriss?

Erstellt: 23. November 2010, 00:00 Uhr
Belebung nach Mühlehof-Abriss? Eisarena Mühlehof: Einer von vielen Vorschlägen zur Wiederbelebung des todkranken Patienten, der bei genauerer Prüfung allerdings wie Eis in der Sonne geschmolzen ist. Montage: MT

Bürgermeister will „Reaktivierung der Einkaufsfläche“ – Reaktionen auf Studentenvorschläge

Mühlacker. Die Bemühungen, den Mühlehof zu einem attraktiven Einzelhandelszentrum mit Magnetwirkung für die Innenstadt zu machen, sind bislang fehlgeschlagen. Dafür haben Studenten der Hochschule Pforzheim, die sich mit dem Thema Citymanagement beschäftigten (wir berichteten), ihre Fantasie spielen lassen und bei der Abschlusspräsentation zu ihrem Projekt etliche Vorschläge zu einer für sie denkbaren Nutzung des problematischen Gebäudes unterbreitet. Sie können sich einen Indoorspielplatz und einen Kindergarten ebenso vorstellen wie ein Gastronomie- und Freizeitzentrum mit Restaurant, Bars, Café und Bowlingbahn.

Von Thomas Sadler

 „Nette Ideen“ seien das, findet Bürgermeister Winfried Abicht, doch manche der Anregungen seien längst geprüft und wieder verworfen worden, andere, wie die Einrichtung eines Kindergartens, kämen an diesem Standort sowieso nicht in Frage. Für einen Spielplatz im Mühlehof seien die Räume zu niedrig und deren Zuschnitte nicht geeignet, und eine Bowlingbahn – es wäre nicht die erste in Mühlacker – wäre wohl für den Betreiber nicht rentabel. Im Übrigen bedürfe eine solche Anlage einer bestimmten Infrastruktur zur Realisierung einer speziellen Bahnlänge. Und Cafés: Von diesen gebe es in der Umgebung des Mühlehofs schon heute gleich mehrere, stellt Abicht fest. Derlei Einrichtungen könnten allenfalls „Beiwerk“ sein, nicht aber die Lösung der Frage: Wie können rund 4500 Quadratmeter Fläche sinnvoll genutzt werden, um eine Revitalisierung zu erreichen?

 Neben der von den Studenten angesprochenen Bowlingbahn sei auch bereits die Realisierbarkeit eines Squashcenters und einer Eislaufbahn geprüft worden, weiß der Bürgermeister. Und sämtliche Vorstellungen seien wieder verworfen worden – zum einen fehlen derzeit die baulichen Voraussetzungen, zum anderen könnten die Betreiber, die viel Geld zu investieren hätten, damit wohl nicht genug Gewinn erwirtschafte, um eine für die Eigentümerfirma Echo zufriedenstellende Miete zahlen zu können.

 Was die Stadt nach wie vor anstrebe, sei eine „Reaktivierung der Einkaufsfläche“. Genauer gesagt: „Wir wollen Einzelhandel auf der Fläche des Mühlehofs“, betont Abicht. Die Lage in B10- und Fußgängerzonennähe sei zweifellos gut. Und wenn die Firma Echo mit dem Mühlehof nicht weiterkomme, müsse ein Abriss in Erwägung gezogen werden. Falls die Stadt ihre Kultursäle verlieren würde – und womöglich eine Kulturhalle zu errichten hätte –, wäre Echo gefordert, eine finanzielle Entschädigung zu leisten.

 Indes verkehren Kommune und Echo derzeit hauptsächlich über ihre Anwälte miteinander und harren auf die Entscheidung des Landgerichts Karlsruhe, wo ein Verfahren anhängig ist. Dabei soll über die Mietforderung des Mühlehofeigentümers an die Stadt entschieden werden, aber auch über die Widerklage der Stadt und deren Schadensersatzforderung.

 „Ich möchte 50 Prozent der Miete“, sagte Echo-Geschäftsführer Bernhard Haas gestern dem Mühlacker Tagblatt. Dass Mühlacker die Miete total verweigere, akzeptiere er nicht. Trotz aller Auseinandersetzungen hoffe er aber, „dass wir in Bälde wieder in einen vernünftigen Dialog einsteigen können“. Die Hoffnung, einen großen Einzelhandels-Investor zu finden, der sich im Mühlehof ansiedelt, hat er praktisch aufgegeben. Andererseits hält Haas nichts von einem Abbruch des Objekts. Möglicherweise, überlegt er abweichend von den Zielvorgaben der Stadt, sollte auf „das Thema Kultur und Freizeit“ gesetzt werden, wobei er spontan Fitness- und Fortbildungseinrichtungen ebenso für denkbar hält wie Ausstellungsräume für Künstler und eine Sprachschule. Gastronomie könne lediglich einen kleinen Anteil der Gesamtnutzung ausmachen.

 Als Nächstes will der Geschäftsführer das Gespräch mit dem neuen Mühlacker Citymanager Thomas Müller suchen, dessen Vorstellungen er begrüße. Darüber hinaus möchte er sich „in Ruhe ansehen“, was die Studenten empfehlen, so Haas. Doch auch die Hochschüler haben sich schon mal Gedanken zu einer Belegung der Fläche nach einem etwaigen Abriss des Mühlehofs gemacht: Dann, meinten sie, könnte hier ein Supermarkt entstehen.

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