Bedarf an Pflegekräften nimmt zu

Erstellt: 30. Dezember 2009, 00:00 Uhr
Bedarf an Pflegekräften nimmt zu Einrichtungsleiter Markus Schellinger unterhält sich mit Bewohnern und Besuchern des Altenzentrums St. Clara in Illingen. Das Seniorenheim wurde im vergangenen Jahr eingeweiht. Foto: Franz

Altenzentrum St. Franziskus wird bei Überprüfung hervorragend bewertet – 22 Seniorenheime im Enzkreis.

Das Altenzentrum St. Franziskus in Mühlacker hat im Oktober bei einer Überprüfung durch den Medizinischen Dienst hervorragend abgeschnitten. In vier Kategorien gab es jeweils die Note 1,0. Einrichtungsleiter Schellinger ist stolz auf das Ergebnis.

Von Gerhard Franz

Mühlacker/Illingen. „Wir wurden zum ersten Mal nach den neuen Kriterien überprüft“, sagt Markus Schellinger, der neben dem Altenzentrum St. Franziskus in Mühlacker auch für das Altenzentrum St. Clara in Illingen verantwortlich ist. Bei der Prüfung der stationären Pflege wurden unter anderem die Pflege und die medizinische Versorgung unter die Lupe genommen; ebenso der Umgang mit demenzkranken Bewohnern. Geprüft wurden laut Schellinger auch die soziale Betreuung und die Alltagsgestaltung. Weitere Kriterien waren Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Einrichtungsleiter Markus Schellinger freut sich über das hervorragende Ergebnis: „Es ist eine Gemeinschaftsleistung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Jetzt gelte es, den hohen Qualitätsstandard zu halten. Zur Zeit sind die beiden Altenzentren in Mühlacker und Illingen, für die Markus Schellinger verantwortlich ist, voll belegt. Im St. Franziskus in Mühlacker verbringen 98 Bewohner ihren Lebensabend, in Illingen sind es 65 Personen. Von jeweils 98 beziehungsweise 69 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden die Bewohner versorgt.

 In Baden-Württemberg gibt es fast 1400 Pflegeheime sowie über 1000 ambulante Pflegedienste, macht Schellinger deutlich. Vor zwei Jahren – neuere Zahlen liegen nicht vor – gab es im Land 236998 Pflegebedürftige, davon 83961 in Heimen, was 35 Prozent der Pflegebedürftigen entspricht. Schellinger: „Die Mehrzahl der alten Menschen wird zu Hause von Angehörigen und oder von ambulanten Pflegediensten versorgt.“ Beim Angebot an Heimplätzen für Pflegebedürftige hat sich die Situation deutlich entschärft. War es in der Vergangenheit oft schwierig, kurzfristig einen Pflegeplatz im Altenheim für einen Angehörigen zu finden, so ist dies heute laut Schellinger kurzfristig möglich. Die Altenzentren St. Franziskus und St. Clara seien zur Zeit voll belegt, doch gebe es immer wieder die Möglichkeit, einen Pflegeheimplatz zur Verfügung zu stellen. In den letzten Jahren sind die Senioren aufgrund des umfangreichen ambulanten Pflegeangebotes in einem höheren Lebensalter ins Pflegeheim gekommen. In den vergangenen Jahren sind in zahlreichen Gemeinden des Enzkreises Pflegeheime gebaut worden. Insgesamt gibt es zur Zeit im Enzkreis 22 solcher Einrichtungen. Die Ausweitung des Pflegeplatzangebotes hat dazu beigetragen, so Schellinger, dass sich die Nachfrage nach Plätzen deutlich entspannt hat. Insgesamt stehen im Enzkreis 1618 Plätze in Altenzentren zur Verfügung, dazu kommen noch 57 Kurzzeitpflegeplätze. Diese Zahl nennt die Heimaufsicht des Landratsamtes Enzkreis.

Bedarf an Pflegekräften
wird deutlich steigen

 In den nächsten Jahren wird die Zahl der betagten Menschen aufgrund der demographischen Entwicklung steigen. Darauf müssen die Alten- und Seniorenheime im Zusammenhang mit der Mitarbeitergewinnung reagieren. So gibt es im Enzkreis einen Arbeitskreis, der sich mit Fragen der Ausbildung von Altenpflegern befasst. Markus Schellinger: „Es gibt gute Kontakte zu Haupt- und Realschulen.“ Durch Praktika von Haupt- und Realschülern will man junge Menschen für die Altenpflege gewinnen. Die Arbeit sei sehr anspruchsvoll und auch hart, macht Markus Schellinger deutlich, schließlich habe man es mit Menschen zu tun. Das Thema „Mitarbeitergewinnung“ werde in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle in allen Einrichtungen spielen, meint der Leiter der Altenzentren in Mühlacker und Illingen. „Im Jahr 2020 wird mit 300000 Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg gerechnet.“ Um den Bedarf an Pflegekräften decken zu können, werde man in Zukunft wohl auf ausländische Beschäftigte zurückgreifen müssen, mutmaßt Markus Schellinger.

 Im Altenzentrum St. Franziskus habe man deshalb schon vor Jahren auf die Ausbildung von Nachwuchskräften großen Wert gelegt. In der Zwischenzeit seien viele Beschäftigte schon sehr lange im Altenzentrum St. Franziskus. Schellinger: „Wir haben eine sehr geringe Fluktuation.“ Bisher hat sich die Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht auf die Belegungszahlen ausgewirkt, meint der Einrichtungsleiter. Wie es in Zukunft aussehe, sei jedoch ungewiss. Vorstellen könne er sich, dass Menschen, die arbeitslos werden, ihre Angehörigen dann zu Hause pflegen.

 Je nach Pflegestufe und Einrichtung kostet ein Heimplatz zwischen 2600 und 3700 Euro pro Monat. Meistens übernimmt die Pflegeversicherung davon einen größeren Anteil. Über die Kosten im Einzelfall informieren die Altenzentren der Region.

Weiterlesen

Die Finanzspritze soll schnell wirken

Ausschuss des Städtetags Baden-Württemberg tagt in Mühlacker – Vergaberichtlinien liegen auf dem Tisch Mühlacker – Im Anschluss an das Treffen des Finanzausschusses des Städtetags Baden-Württemberg in Mühlacker hat Oberbürgermeister Arno Schütterle… »