Bauhof fällt Kastanie unter Polizeischutz

Erstellt: 28. Juni 2006, 00:00 Uhr
Bauhof fällt Kastanie unter Polizeischutz Unter Polizeischutz wurde gestern eine der maroden Kastanien vor dem Ölbronner Friedhof gefällt. Foto: Appich

Ölbronner Bürger demonstrieren für Erhalt einer Kastanie beim Friedhof – Protestplakat aufgehängt

Ölbronn-Dürrn  – Das Vorhaben der Gemeinde, eine der vier Kastanien vor dem Friedhof aus Gründen der Gefahrenabwehr sofort zu entfernen, hat Zorn und Widerstand bei einigen Bürgern in Ölbronn entfacht. Bekanntlich hatte Bürgermeister Adalbert Bangha in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt gegeben, eine Untersuchung durch einen Sachverständigen habe ergeben, dass der Baum von starker Fäulnis befallen sei, weshalb er sofort gefällt werden müsse.

VON RAINER APPICH

 Offenbar wurde die Fällaktion des Bauhofs am Montag von einem Anwohner der Bergstraße dadurch verhindert, dass er sich demonstrativ unter der Kastanie niederließ. Gestern Morgen trafen sich Gegner der Fällaktion, Rathausmitarbeiter und Gutachter zum Gespräch und gegenseitigen Austausch. „Bleiberecht für uns“ – so lautete die Aufschrift auf einem Transparent, das Dr. Rosemarie Klotz-Burr an dem bedrohten Baum angebracht hatte. Sie sehe keinen Anlass dafür, den Baum sofort zu entfernen und beklagte, dass das Gutachten nicht zur Einsicht vorgelegt wurde. Nach ihrer Einschätzung sei es möglich, die 120 Jahre alten, bedrohten Bäume – zwei weitere Kastanien sollen im Herbst gefällt werden – durch baumchirurgische Maßnahmen zu retten. „Immer wieder stürzen auch gesunde Bäume um“, verwies sie auf einen Presseartikel über jüngste Sturmschäden. „Eine Nacht- und Nebelaktion der Gemeinde, von der die Bürger völlig überrascht wurden“, erregte sich einer der Gegner.

Baum hat nur noch eine geringe Wandstärke

Gutachter Joachim Schmidt, Fachberater und Baumsachverständiger beim Landratsamt, legte nochmals seine Argumente dar, die zum seinem Entschluss geführt hätten, den Baum sofort zu entfernen. „Die Kastanie hat nur noch eine Wandstärke von drei bis fünf Zentimetern“, erklärte Schmidt. Von innen her sei der Baum bereits stark verfault. Schon vor 15 Jahren sei versucht worden, die Kastanie durch Ausschneiden, Zubetonieren und Anbringen von Drahtverspannungen zu sanieren und zu stabilisieren. Jetzt sei aber ihre Zeit abgelaufen, eine Rettung sei nicht mehr möglich. „Neunundneunzig Stürmen hält er stand und beim Hundertsten fällt er um“, entgegnete er der Argumentation, die Bäume hätten „Wiebke“ und „Lothar“ überstanden. Eindringlich verwies er auf die möglichen Gefahren für Passanten und die Haftung der Gemeinde.

 Zeitaufschub für ein weiteres Gutachten, forderte Wolfram Scheible, ein Anwohner aus der Bergstraße. Für die mit „SP“ für „später“ gekennzeichneten Bäume, denen erst im Herbst die Motorsäge droht, könne sich Scheible ein zweites Gutachten erstellen lassen, „aber so schnell wie möglich“, räumte der Sachverständige ein. Für die Kastanie im vorderen Bereich blieb er allerdings bei seiner Einschätzung der Gefahrenlage und der Anordnung zum Sofortvollzug. Der plötzlich einsetzende Gewitterregen sorgte für Abkühlung einzelner, erhitzter Gemüter, die zuvor noch gedroht hatten, sich an den Baum anzuketten. An eine Fortsetzung ihrer Arbeit war für die Bauhofmitarbeiter aber auch nach dem Regen nicht zu denken. Ein Ölbronner mittleren Alters demonstrierte weiterhin seine Solidarität mit dem bedrohten Baum. „Immer wenn wir die Säge anwerfen, steht er wieder unter der Kastanie“, klagte Bauhofleiter Klaus Obreiter.

Bürger wollte Fällaktion verhindern

Nachdem sich die Störungen auch Nachmittags fortzusetzen drohten, wurde die Polizei gerufen. Zwei Streifenwagenbesatzungen aus Neulingen und Pforzheim kamen dann nach Ölbronn. „Gerade als wir kamen, entfernte sich der Mann“, erklärte Hauptmeister Volker Scherer vom Polizeiposten Neulingen, in der Hoffnung, dass durch seine Anwesenheit weitere Störungen unterbleiben. Zunächst wurden die Äste entfernt, dann der morsche Baum.

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