Bauarbeiter stoßen auf Flak-Munition

Erstellt: 6. Juni 2007, 00:00 Uhr
Bauarbeiter stoßen auf Flak-Munition Zwischen Sandsäcken sicher verstaut: Die verrosteten Flugabwehrgranaten werden jetzt fachgerecht entsorgt. Foto: Sadler

30 Sprenggranatpatronen in Mühlacker entdeckt – Kampfmittelbeseitigungsdienst birgt den militärischen Fund

Mühlacker – Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg: In der Mühlacker Ludwigstraße sind Bauarbeiter auf Flugabwehrgeschosse gestoßen. Experten haben sie am Dienstagvormittag geborgen und entsorgt.

VON THOMAS SADLER

In der Ludwigstraße, unweit der Ulmer Schanz, werden derzeit neue Gas- und Wasserleitungen verlegt. Am Montagabend stießen die beauftragten Bauarbeiter auf Gegenstände, die sie nicht genau identifizieren konnten. „Zuerst“, erzählt Achim Bruxmeier von den Stadtwerken Mühlacker, „dachten wir, es handle sich um eine alte Wasserleitung.“

 Doch diese Vermutung stellte sich rasch als falsch heraus. Für Klarheit sorgte gestern Vormittag ein von der Polizei hinzugezogenes Zweierteam des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg, das den von den Bauarbeitern vorsichtshalber erst mal wieder mit Erde bedeckten Fund geborgen hat.

 „Wir haben 30 Sprenggranatpatronen, die zur Flugabwehr verwendet wurden, gefunden“, berichtet Jürgen Woischke vom Beseitigungsdienst. Die Geschosse, die nie abgefeuert wurden, seien im Laufe der Zeit durch Kälte und Frost korrodiert. „Die Zünder sind verrottet“, stellt Woischke fest. Er und sein Kollege deponierten die ungebrauchte Munition in einem Behälter. „Sie werden erst mal in einem Bunker gelagert, ehe sie vernichtet werden.“

 Bei seinem Dienst, der dem Regierungspräsidium Stuttgart angegliedert ist und in Sindelfingen sitzt, sind rund 35 Mitarbeiter tätig. Die Experten, die für die Sicherstellung von Munition und Bomben zuständig sind, können sich nicht über mangelnde Beschäftigung beklagen. 800 bis 1000 geplante Einsätze fallen im Jahr an – also etwa die Erkundung von Baustellen auf Gelände, unter dessen Oberfläche Weltkriegskampfstoffe versteckt sind. Hinzu kämen noch ungefähr 1800 „Ad hoc-Einsätze“ wie jener gestern in Mühlacker, sagt Jürgen Woischke, also Bergungen von Material, das 62 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs zufällig gefunden wird.

 Die Geschosse, auf die jetzt die Bauarbeiter in der Ludwigstraße stießen, sind nicht die ersten Überreste aus den Vierzigerjahren, die beim Graben entdeckt wurden. Bereits in der Vergangenheit machten Arbeiter allerlei explosive Funde. Unweit der „Scala“, erinnert sich der versierte Heimathistoriker Oskar Steinacker, schlummerte einst sogar eine Zehn-Zentner-Bombe – zum Glück ein Blindgänger. Als reiches Arsenal ausgedienter militärischer Utensilien und Fahrzeuge habe sich nach dem Krieg im Übrigen der Plattenwald erwiesen, weiß Steinacker.

 Dass am Dienstag gerade unweit der Ulmer Schanz in der Ludwigstraße Patronen und ein Geschützhandrad ausgebuddelt wurden, ist indes kein Zufall. Dort, weiß Herbert Albrecht von den Stadtwerken, habe sich eine Flakgeschützstellung befunden. Vergleichbare Anlagen gab es außerdem an anderen erhöht liegenden Stellen, etwa auf der Halde oder beim Sender. Diese Einrichtungen sollten strategisch wichtige Punkte, darunter auch den Bahnhof und die Gleise, vor einer Zerstörung aus der Luft schützen.

 Aber nicht jedes angreifende Flugzeug konnte rechtzeitig unschädlich gemacht werden: „Vor 15 bis 20 Jahren“, schätzt Albrecht, „hat die Stadt von den Engländern Luftaufnahmen gekriegt, auf denen Bombentrichter zu sehen waren.“

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