Bahnhof-Umbau soll 2012 anlaufen

Erstellt: 30. Juni 2010, 00:00 Uhr
Bahnhof-Umbau soll 2012 anlaufen Rollstuhlfahrer wie Frank Schwarzbäcker und Mütter mit Kinderwagen tun sich schwer, auf dem Mühlacker Bahnhof sämtliche Gleise beschwerdefrei zu erreichen. Aufzüge oder Rampen sollen Abhilfe schaffen. Allmählich rückt der Umbau näher, doch noch sind im Hinblick auf technische Varianten und die Kosten offene Fragen zu klären. Foto: Franz

Rülke setzt sich für Mühlacker ein – OB Schneider: Nach der Sommerpause findet ein Treffen zwischen Stadt und Bahn statt

2011 wird mit der Planung zum behindertengerechten Ausbau des Mühlacker Bahnhofes begonnen, und 2012 soll mit den Arbeiten angefangen werden. Nach der Sommerpause findet ein Gespräch zwischen DB und Stadt über technische Varianten und Fragen der umstrittenen Finanzierung statt.

Von Thomas Sadler

Mühlacker. Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen haben es schwer, unfallfrei manche Gleise des Mühlacker Bahnhofs zu erreichen. Deshalb drängt die Stadt seit Jahren darauf, die Deutsche Bahn (DB) solle durch Umbauten ein barrierefreies Erreichen der Bahnsteige ermöglichen. Bald ist es soweit: Wie die baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) auf eine Anfrage von Dr. Hans Ulrich Rülke, des Vorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion, mitteilt, starte die Planung 2011. Der Baubeginn sei für 2001 vorgesehen, die Fertigstellung erfolge voraussichtlich 2014.

 „Die Bahnhöfe sind die Eingangstore einer Stadt und sollten deshalb für alle einladend wirken“, so der Enzkreis-Abgeordnete, der sich dafür einsetzt, dass die Bahn gemeinsam mit den Kommunen nach kostengünstigen Lösungen sucht.

 Doch das Vorhaben der DB in Mühlacker hat seinen Preis: Die Gesamtkosten für die behindertengerechte Erschließung aller Bahnsteige und eine Erhöhung der Bahnsteige zur Anpassung an die neuen Züge schätzt die Bahn auf etwa 4,9 Millionen Euro, wie im November 2009 bekannt wurde. Davon entfallen 1,77 Millionen Euro auf die Beseitigung der Hindernisse auf dem Weg zu den Gleisen, die Bund und Bahn alleine stemmen, und rund 3,1 Millionen Euro auf die Erhöhung der Bahnsteige. Annähernd 1,86 Millionen davon übernehmen Bund und Bahn, und jeweils 398000 Euro sollen das Land und die Stadt beisteuern. Insgesamt beträgt der Part der Kommune 876000 Euro, denn weitere 478000 soll sie noch für die Planung der Bahnsteigerhöhung aufbringen. Diese Forderung löste bereits im vorigen Jahr den Protest des Mühlacker Gemeinderates aus.

 An der Haltung der Bahn hat sich seither offenbar nichts geändert. Allerdings sei der Betrag von 876000 Euro auf der Basis der vorläufigen Kostenannahme ermittelt worden, so Ministerin Tanja Gönner in ihrer Antwort an Rülke, der nach einer Verringerung des städtischen Kostenanteils gefragt hatte. Die genauen Kosten und damit auch der exakte Anteil der Stadt könnten erst bei der Planung ermittelt werden. Welche Ausbauvarianten in Betracht kommen, werde bei der Vorplanung von Stadt und Bahn untersucht. Freilich: Was die anfallenden Ausgaben angeht, sollte sich Mühlacker jedenfalls keine allzu großen Hoffnungen machen: „Eine generelle Reduzierung des Kostenanteils würde dem Finanzierungsmodell, welches dem Bahnhofsmodernisierungsprogramm zugrundeliegt, zuwiderlaufen, und ist – auch mit Blick auf die Gleichbehandlung aller durch die Programmaufnahme begünstigten Kommunen – nicht vorgesehen“, lässt Gönner wissen.

 Bahn hat sich mit Verzögerung telefonisch gemeldet

 Den Unmut des FDP-Politikers löst die DB auch durch etwas anderes aus: „Es kann nicht sein, dass die Deutsche Bahn Schreiben der Stadt Mühlacker sechs Monate unbeantwortet auf dem Schreibtisch versauern lässt“, moniert er. In der Tat bestätigte das Verkehrsministerium, dass das Rathaus seit einem halben Jahr auf eine Reaktion auf ihre Post an die DB warte, was die Bahn auch zugebe. Begründung: Es gebe keinen neuen Informationsstand. Oberbürgermeister Frank Schneider (FDP) sagte zu dem Ärgernis gestern unserer Zeitung, die Stadt habe Anfang des Jahres nicht nur die Bahn, sondern auch das Verkehrsministerium angeschrieben – und beide hätten, trotz einer Erinnerung, bis heute nicht schriftlich geantwortet. Immerhin habe die DB sich mittlerweile wenigstens telefonisch gemeldet und angekündigt, verschiedene Varianten zum Ausbau mit Aufzügen oder Rampen zu untersuchen. Über das Ergebnis werde bei einem Treffen zwischen Kommune und DB nach der Sommerpause gesprochen. Dann gehe es auch um die Finanzierung, so Schneider.

 Wie Gönner weiter mitteilt, werde der Mühlacker Bahnhof durch die beabsichtigte Modernisierung weiter die infrastrukturelle Voraussetzung, nämlich die passende Bahnsteighöhe, für den Halt von ICE-Zügen haben. Zur Erörterung der Frage eines zusätzlichen Stadtbahnhaltepunkts Stöckach ist laut Tanja Gönner ein Stadtbahngipfel im Herbst ins Auge gefasst. Die Einrichtung neuer Haltepunkte stoße, wie die Erfahrung zeige, „unter fahrplantechnischen Aspekten an Grenzen“. Derzeit liefen Untersuchungen für ein Gesamtkonzept der zu bedienenden Strecken im Raum Mühlacker/Pforzheim. Ziel seien Verbesserungen des Schienenverkehrs. Dabei gehe es vor allem um den Bau neuer Haltepunkte und weitere Fahrplanverdichtungen.

Weiterlesen
Das Puppenspiel als Profession

Das Puppenspiel als Profession

Mühlacker. „Ich kann mir kein anderes Leben vorstellen“, sagt Jenny Maatz, die noch bis Sonntag mit ihrem traditionellen Zelttheater „Kasperle im Zauberwald“ auf dem Festplatz im Letten gastiert. Gestern gab… »