Bahnchef Grube macht Mühlacker Mut

Erstellt: 31. März 2012, 09:41 Uhr
Bahnchef Grube macht Mühlacker Mut Der nächste prominente Gast in Diefenbach: Bei der 23. Auflage der „Sternenfelser Gespräche“ beeindruckt Bahnchef Dr. Rüdiger Grube mit klaren Zielvorgaben für die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Begrüßt wird er vor der Gießbachhalle von den Initiatoren der Vortragsreihe (v. re.) Alt-Bürgermeister Helmut Wagner, Hans-Ulrich Wetzel vom Mühlacker Tagblatt und Bürgermeisterin Sigrid Hornauer. Zu den Gästen des Abends gehören außerdem Enzkreis-Vize Wolfgang Herz (2.v.li.), der Konzernbevollmächtigte der Bahn, Eckart Fricke (3. v. li.), und Grubes Duzfreund, IHK-Ehrenpräsident Till Casper (li.).

Sternenfels-Diefenbach. Modern, umweltfreundlich, sympathisch, verlässlich: So sieht die Bahn der Zukunft aus, und wer den Mann an der Spitze von seinem Unternehmen schwärmen hört, könnte fast vergessen, dass der Kunde oft andere Erfahrungen macht. Oder dass die Stadt Mühlacker, wenn es bislang um die Modernisierung ihres Bahnhofs ging, genau jene Investitions- und Planungssicherheit vermisste, die Dr. Rüdiger Grube im Fall von Stuttgart 21 so sehr am Herzen liegt.

Immerhin: Der Auftritt des Vorstandsvorsitzenden gestern Abend bei den „Sternenfelser Gesprächen“, einer gemeinsamen Vortragsreihe von Mühlacker Tagblatt und Gemeinde Sternenfels, macht Mut. Er habe volles Verständnis für den Unmut in Mühlacker, machte Grube auf Frage von Hans-Ulrich Wetzel klar. Würde er in Mühlacker wohnen, würde er sich auch ärgern, wenn ausgerechnet zur Gartenschau der Bahnhof zur Baustelle werden soll. Und weil Grube Verständnis hat, kündigte er an, gleich am Montag nochmals mit den zuständigen Mitarbeitern Rücksprache zu halten: „Damit es auch nächste Woche noch Schlagzeilen für Ihre Zeitung gibt.“ Und zwar positive, wohlgemerkt!

Neben dem Geschäftsführer des Mühlacker Tagblatt, der die Diskussionsrunde moderierte, hakte aus den Reihen der illustren Gästeschar auch der Mühlacker Stadt- und Kreisrat Rolf Leo nochmals nach, forderte konkretere Aussagen vom einflussreichen Gast. Und tatsächlich: Grubes Begleiter an diesem Abend, der Konzernbevollmächtigte Eckart Fricke, der direkt mit dem Thema Bahnhofsmodernisierung befasst ist, kündigte für ein Treffen Anfang Mai in Mühlacker bereits einen Vorschlag an, der der Stadt, wie er vielsagend andeutete, gefallen werde.

Eine Lösung in Sicht? Allein deshalb hätte sich der Besuch schon vollauf gelohnt, aber der oberste aller Eisenbahner beeindruckte in der Diefenbacher Gießbachhalle nicht nur mit seinem Interesse für die Sorgen der Kleinstadt, sondern auch mit seinem offensichtlichen Spaß an der Arbeit, die darin besteht, die Deutsche Bahn AG in allen Bereichen besser zu machen – beim Service, bei der Technik, bei den Marktanteilen und den Umsatzzahlen. Welche Faszination das Fortbewegungsmittel Eisenbahn auf gestandene Männer ausüben kann, ist bekannt, und der Vorstandsvorsitzende macht da keine Ausnahme. In seinem frei gehaltenen Vortrag stellte Grube die beeindruckenden Zahlen eines weltweit operierenden Mobilitäts- und Logistik-Konzerns vor, der im Auftrag der Automobilindustrie täglich Züge auf die 11000 Kilometer lange Reise zwischen Leipzig und Shenyang in China schickt, der am Tag 7,3 Millionen Menschen bewegt und damit mehr als die Lufthansa im ganzen Jahr, der mit 300000 Mitarbeitern 2011 einen neuen Rekordumsatz von 38 Milliarden Euro verbuchte und sich zu einem „kerngesunden“ Staatsunternehmen entwickelt habe – und zur einzigen Bahn in Europa, wie Grube nicht ohne Stolz betont, die schwarze Zahlen schreibt.

Bahn soll in allen Bereichen

besser werden

Doch der gebürtige Hamburger, der heute in der Nähe von Calw lebt und den hiesigen Menschenschlag wegen seiner Bodenständigkeit und Sparsamkeit schätzt, will mehr. Er will nicht nur den Umsatz verdoppeln und die Energiewende schaffen, er will auch die Kundenzufriedenheit erhöhen und das Image aufpolieren, um im, wie er das nennt, „Brot- und Buttergeschäft“, also dem Kerngeschäft der Personen- und Warenbeförderung, erfolgreich zu sein. Dabei schafft es der ehemalige Daimler-Vorstand, eine Vision einer Bahn zu entwerfen, die selbst einem kritischen Bahnkunden wie Matthias Lieb, Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland und unter den Gästen in Diefenbach, gefallen könnte. Wenngleich der Schwerpunkt von Grubes Zukunftsgemälde eindeutig auf dem Fernverkehr und den globalen Herausforderungen liegt und weniger auf dem Regional- und Nahverkehr, mit dem die meisten Bahnreisen beginnen.

Von neuen Zügen, motivierten Mitarbeitern und milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur – für Grube allesamt entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens – könnte indessen auch das platte Land profitieren. Jedenfalls dann, wenn dazu noch der tägliche Fahrplan stimmt und die Bahn, wie Grube nicht ohne Selbstironie als Ziel ausgibt, irgendwann „absolut pünktlich“ ist.

Der Fahrplan für eine rasche Bahnhofsmodernisierung wiederum ist für das Image der Bahn in Mühlacker wichtig, und genau dies dürften am Rande der Veranstaltung Bürgermeister Abicht und Landrat-Stellvertreter Herz nochmals zum Ausdruck gebracht haben; in der Hoffnung, dass Bahnchef Grube seinen Ruf als Anpacker auch in diesem Fall bestätigt. Schließlich sind die „Sternenfelser Gespräche“ ja ausdrücklich ein „Forum für Optimisten“.

Eine ergänzende Berichterstattung zur hochkarätigen Veranstaltung mit Bahnchef Grube in Diefenbach folgt in der Ausgabe am Montag.

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