Badischer Mappus stößt auf Protest

Erstellt: 31. Oktober 2009, 00:00 Uhr
Badischer Mappus stößt auf Protest Der Herzogstein als historischer Anhaltspunkt: Anno 1604 ritt Herzog Friedrich I. in 31 Tagen um seine württembergische Gemarkung – und Gleiches empfehlen die Enzberger Schwaben jedem, der Stefan Mappus’ Herkunft infrage stellt. Foto: Stadtarchiv Mühlacker/Montage: mt

Fernsehsendung wirft die Frage auf: Was ist der künftige Ministerpräsident für ein Landsmann?

Eben noch hat die Nachricht von einem künftigen Ministerpräsidenten Stefan Mappus
die ganze Heimatstadt Mühlacker mit Stolz erfüllt – doch dass er jetzt dem „badischen Ausland“ zugeschlagen wird, stößt auf Protest.

Von Carolin Becker und Thomas Eier

Mühlacker-Enzberg. Eigentlich ging es ja nur um die schwäbische Spezialität der Maultasche, über deren Inhalt Stefan Mappus öffentlich spekulieren sollte – obwohl dieser ja, wie Moderator Clemens Bratzler ungestraft feststellte, ein „Badener“ und damit sozusagen ein Außenstehender sei.

 Aus Sicht der Mühlackerer und Enzberger unterlief der Fernsehsendung „Zur Sache Baden-Württemberg!“ am vergangenen Donnerstagabend im Südwestfernsehen damit ein schlimmer landsmannschaftlicher Fauxpas, der noch viel schlimmer wurde dadurch, dass der große Sohn der Stadt die fehlerhafte Behauptung einfach unkommentiert stehen ließ.

 Unser Stefan Mappus ein Badener? Nur weil er 1966 zufällig in Pforzheim geboren und zwischenzeitlich dorthin verzogen ist? Geschluckt hat bei diesem „Lapsus“ unter anderem Theo Bellon: „Er ist ein Original-Enzberger und ein Schwob – und das lassen wir uns auch nicht nehmen. Basta!“

 Die Familie Mappus, wehrt sich der Stadtrat vom Sengach gegen alle Besitzansprüche von außerhalb, sei seit Generationen in Enzberg verwurzelt, und der Begriff des „gebürtigen Pforzheimers“, der auf den Standort des Kreißsaals abzielt, sei im Grunde nicht mehr als eine Fußnote in der Vita des künftigen Landesvaters. „Ich bin auch in Pforzheim geboren, weil man dorthin ins Krankenhaus ist“, verweist Bellon auf die eigenen Anfänge vor 69 Jahren. Als Zugezogener aus dem Badischen fühlt er sich deshalb noch lange nicht.

 In seiner patriotischen Sichtweise erhält der Enzberger Rückendeckung von Experten-Seite. „Ich dachte: Das darf ja wohl nicht wahr sein, der Mann ist doch eindeutig ein Württemberger“, kann Marlis Lippik die Aufregung um Stefan Mappus als Badener verstehen. Dessen Heimatort Enzberg, betont die Historikerin und Leiterin des Stadtarchivs Mühlacker, habe schon immer zu Württemberg gehört, und die Einwohner fühlten sich – Kreisreform hin, Kreisreform her –  eindeutig als Schwaben. „Dass einst der Enzkreis verwaltungstechnisch dem Regierungspräsidium Karlsruhe zugeschlagen wurde, hat daran nichts geändert“, schildert Marlis Lippik, ursprünglich aus Kiel stammend und bekennende Kosmopolitin, ihre von einseitiger Vereinnahmung ungetrübte Beobachtung.

 „Direkt hinter Enzberg fing das Ausland an“, verweist sie auf den Herzogstein, der zwischen Dürrmenz und Enzberg jenen Punkt markiert, an dem der damalige württembergische Herzog im Jahr 1604 zum Ritt um seine Gemarkung startete. Enzberg zählte dazu, Niefern dagegen ging Friedrich I. schon nichts mehr an.

Eine Braut in Niefern bedeutete einen bürokratischen Akt

 Als Württemberger, die unmittelbar an der Grenze zu Baden lebten, mögen sich die Enzberger wie viele der so genannten „Dachtrauf-Schwaben“ besonders stark mit ihrer Herkunft identifiziert haben. Verbindungen ins benachbarte badische „Ausland“ bestanden aber dennoch. „Gerade Enzberg weist eine sehr verflochtene Geschichte auf“, weiß Marlis Lippik. Dafür hätten wechselnde Herrschaften und die Tatsache gesorgt, dass es dort lange Zeit keine eigene Kirche gegeben habe – die Enzberger Christen seien vom badischen Niefern aus betreut worden. Vor einer Heirat über die Grenze hinweg seien aber hohe Hindernisse zu überwinden gewesen. „Wollte etwa ein Enzberger nach Niefern übersiedeln, musste er zuerst seine Entlassung aus dem württembergischen Staatsverband beantragen und sich dann in Baden um die Aufnahme bemühen“, erläutert die Leiterin des Stadtarchivs.
 
Da hätten es die Eltern des in Pforzheim geborenen Stefan Mappus leichter gehabt, als sie den Säugling vor 43 Jahren auf dem Heimweg vom Krankenhaus über die unsichtbare Grenze in die Heimat Enzberg transferierten, wo anschließend das Kind, wie Marlis Lippik vermutet, „eindeutig württembergisch sozialisiert“ worden sei.

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