Autohändler schwärmen: Wahnsinn!

Erstellt: 11. Februar 2009, 00:00 Uhr
Autohändler schwärmen: Wahnsinn! Ausrangiert: Nicht nur auf dem Hof von Fiat-Metzger in Mühlacker warten die abgewrackten Schrottautos in Reih und Glied auf ihren Abtransport. Foto: Franz

Abwrackprämie löst einen Ansturm der Kunden aus – Riesige Nachfrage nach preiswerten Kleinwagen.

Enzkreis – Die Abwrackprämie hat in den Autohäusern der Region einen wahren Ansturm auf Neuwagen ausgelöst. Die Kunden stehen Schlange und die Verkäufer haben Urlaubssperre. Bei manchen Modellen melden die Händler bereits lange Lieferzeiten.

VON GERHARD FRANZ

„Es ist gigantisch, was sich bei uns abspielt“, schwärmt Hans Herrmann, Geschäftsführer des Autozentrums Dobler in Mühlacker. Für die elf Autoverkäufer sei eine Urlaubssperre verhängt worden. „Die Kunden sind regelrecht Schlange gestanden.“ Besonders kleinere und preisgünstige Modelle wie der VW Polo würden stark nachgefragt, und dank der Abwrackprämie habe der Neuwagenverkauf schlagartig um 30 bis 35 Prozent zugenommen. Herrmann: „In 28 Jahren habe ich so einen Run auf Neuwagen noch nicht erlebt.“

 Das Unternehmen Dobler streckt seinen Kunden die Abwrackprämie sogar vor, weil zwischen der Antragstellung und der Auszahlung mehrere Wochen liegen können. Mittlerweile seien aus ganz Deutschland fast 20000 Anträge beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen, weiß der Dobler-Chef. Nachdem das Zuschussverfahren anfangs noch einige Fragen aufgeworfen habe, herrsche inzwischen Klarheit in den Abläufen zwischen den Behörden, den Automobilherstellern und dem Handel. Wegen der komplexen Materie sei es aber in jedem Fall sinnvoll, wenn die Anträge über die Autohäuser abgewickelt würden.

 „Bei uns mussten die Kunden an den Samstagen teilweise bis zu einer Stunde auf eine Beratung warten“, bittet Friedrich Luz vom gleichnamigen Peugeot-Autohaus in Schmie um Verständnis, dass sein Verkaufsteam an die Grenzen stößt. Die Käufer hätten sich hauptsächlich für Modelle in der Preisklasse bis 15000 Euro interessiert, bestätigt Luz den allgemeinen Trend.

 Bei aller Euphorie warnt der Autohändler aus Schmie jedoch davor, überstürzt einen Autokauf zu tätigen. Auch wenn eine Prämie locke, sei es wichtig, sich ausgiebig beraten zu lassen, um sich für das richtige Fahrzeug entscheiden zu können.

 Beim Autohaus Metzger in Mühlacker sind die Verkäufer ebenfalls im Stress, wie Geschäftsführer Wolfgang Metzger erzählt: „Schon seit Wochen strömen die Kunden in unseren Ausstellungsraum. Wir haben rund 30 Autos aus unseren Lagerbeständen der Marken Fiat und Opel verkauft.“ Besonders gefragt: Kleinwagen wie der Fiat Panda oder der Opel Corsa. „Aber auch größere Modelle werden gekauft.“ Wer einen Neuwagen bestellt, müsse inzwischen durchschnittlich acht Wochen bis zur Lieferung warten, sagt Metzger, der noch keinen ähnlichen Run erlebt hat. Die Abwrackprämie sei daher ein richtiges politische Signal für die Autobranche gewesen, lobt der Händler das Konjunkturpaket.

 Fritz Glaser, Inhaber des Autohauses Glaser in Schützingen, spricht von einer „gigantischen Aktion“. Sämtliche sofort verfügbaren Fahrzeuge der kleineren Modelle wie Ford Fiesta oder Ford Ka seien bereits weg, und Mitte Februar habe er schon so viele Neuwagen verkauft wie ansonsten in einem halben Jahr. Dass die Abwrackprämie angesichts des Andrangs noch über Monate hinaus greifen kann, bezweifelt der Chef des Schützinger Autohauses: „Es ist der Wahnsinn!“

 Der Effekt der Abwrackprämie hat für Jürgen Kellenberger, Obermeister der Kfz-Innung Pforzheim-Enzkreis, die kühnsten Erwartungen übertroffen: „Mit diesem Boom habe ich nicht gerechnet.“ Bisher habe er nur positive Rückmeldungen von den Kollegen erhalten, freut sich der Chef eines Königsbacher Autohauses, wenngleich der Ansturm der Kunden auch eine Kehrseite hat: Die Fördertöpfe des Bundes leeren sich schneller als gedacht. „Ich gehe davon aus, dass im Juli Schluss ist.“

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