Aus Freunden werden Brüder

Erstellt: 12. Juni 2010, 00:00 Uhr
Aus Freunden werden Brüder Die Bürgermeister Miguel Alza Hiraldo, Heinz-Peter Hopp und Francisco Gomez Gonzalez (sitzend v. li.) haben die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet – aufmerksam beobachtet von den „Trauzeugen“, dem Ex-Bürgermeister Otto Kübler, dem Enzkreis-Landrat Karl Röckinger und Waltraut Ertner, der Vorsitzenden des Knittlinger Partnerschaftsvereins (hinten v. li.). Foto: Tilo Keller

Langjährige Beziehungen Knittlingens zu den spanischen Orten Benaoján und Montejaque münden in Städtepartnerschaft

Bei der Fußball-WM können Deutschland und Spanien erst im Finale oder im Spiel um Platz drei aufeinandertreffen. Anders in Knittlingen: Dort stieg schon gestern ein deutsch-iberischer Gipfel. Der Festakt, der die Partnerschaft mit Benaoján und Montejaque besiegelte, kannte nur Gewinner.

Von Carolin Becker

Knittlingen. Elf Freunde bilden – im Optimalfall – ein Team auf dem Fußballfeld. In der in den spanischen Nationalfarben dekorierten Knittlinger Festhalle liefen gestern Abend jedoch weit mehr Mitspieler auf, die sich dem Ziel verschrieben haben, die deutsch-spanische Freundschaft zu fördern: 19 offizielle und viele weitere privat angereiste Gäste aus Andalusien wurden von ihren Knittlinger Bekannten herzlich begrüßt. Auch zahlreiche Gemeinde- und Ortschaftsräte, Vereins- und Kirchenvertreter, der Landtagsabgeordnete Dr. Hans-Ulrich Rülke, Flippers-Mitglied Manfred Durban und ein Team des SWR erlebten mit, wie die Bürgermeister Heinz-Peter Hopp (Knittlingen), Francisco Gomez Gonzalez (Benaoján) und Miguel Alza Hiraldo (Montejaque) ihre Unterschriften unter die Partnerschaftsurkunden setzten. Diese besiegeln eine tief verwurzelte Freundschaft zwischen Knittlingen und den beiden Gemeinden, die auf die ersten spanischen Einwanderer zurückgeht. Vor 50 Jahren hatten sie ihre Heimat in Andalusien verlassen, um in Schwaben Arbeit, ein neues Zuhause und neue Freunde zu finden. Über die Jahre sind intensive Kontakte auf privater wie auf Verwaltungsebene entstanden. Die Kommunen wüssten also genau, worauf sie sich einließen, verwies Enzkreis-Landrat Karl Röckinger auf die „lange Verlobungszeit“, die der Städtehochzeit vorausgegangen sei – wobei im Knittlinger Fall eine Ehe mit drei Partnern zustande komme. „Aber hier ist die Bigamie wohl erlaubt“, scherzte der Landrat.

 Zur heißen Liebe der Kommunen passten die Temperaturen in der Stadthalle, die deutsche wie spanische Damen zum Fächer greifen ließen. Ein Programmheft, das auf das Fauststadtfest hinwies, kam da gerade recht. „Dieses Ereignis ist bei uns mittlerweile ebenso bekannt wie unsere eigenen Feste“, verdeutlichte Miguel Alza Hiraldo die durch viele Besuche gewachsene gemeinsame Basis, „wir fühlen uns hier zuhause.“ Die Vertragsunterschrift sei ein offizieller Akt, doch in der Urkunde stehe nichts, was die Kommunen nicht schon leben würden. Schwarz auf weiß festgehalten, gelte: „Aus Freunden werden Brüder.“ Der Knittlinger Wahlverwandtschaft verdanke er „nur positive Eindrücke“, betonte Alza Hiraldo, der die Feier zum Anlass nahm, um nach 16 Jahren seinen Abschied vom Bürgermeisteramt anzukündigen.

 Noch ganz neu in der Verantwortung steht dagegen Waltraut Ertner als Vorsitzende des jungen Knittlinger Städtepartnerschaftsvereins. „Unser Ziel ist es, die Freundschaft in der Bevölkerung auf eine noch breitere Basis zu stellen“, erläuterte sie. Erste Schritte seien bereits unternommen: Einige Knittlinger hätten damit begonnen, die spanische Sprache zu erlernen.

 Noch brauchte es indes die Hilfe des in Knittlingen aufgewachsenen Deutsch-Spaniers Jochen Escalante, der auch die Rede des Rathauschefs aus Benaoján übersetzte. Francisco Gomez Gonzalez blickte auf die Anfänge der Beziehungen zurück und rief Aktivposten der deutsch-spanischen Freundschaft in Erinnerung. „Die Unterschrift heute ist nicht das Ende eines Projekts, sondern ein Anfang“, verwies er auf das Ziel, das Wissen um Traditionen und Kultur des Partners zu erweitern. „Heute brauchen wir noch Hilfe beim Übersetzen. Ich hoffe, bald beginnt die Zeit, in der die Jugend hier wie dort die Sprache des jeweils anderen in der Schule lernt“, beschrieb er seine Vision.

 Auch ohne Dolmetscher waren für alle Gäste Jens Müller, Simon und Daniel Betz sowie Katharina Schäfer vom Blechbläserquartett des Musikvereins Freudenstein zu verstehen, die die Vertragsunterschrift mit der Eurovisionshymne untermalten und damit musikalisch bekräftigten, was Heinz-Peter Hopp so in Worte fasste: „Hier ist weit mehr entstanden, als das nüchterne Wort Völkerverständigung ausdrückt.“ Viele Knittlinger hätten ihre Wurzeln in Montejaque und Benaoján. Die Beziehungen, stets von einer großen Herzlichkeit geprägt, würden von Generation zu Generation weiter gepflegt. Die Freundschaft zur Partnerschaft zu erheben, sei daher nur ein logischer Schritt, der dazu beitragen werde, den Austausch auf Schul-, Vereins-, Jugend- und Ausbildungsebene noch intensiver zu gestalten. Doch zunächst werde einfach nur gefeiert, weckte Hopp die Vorfreude auf das Fauststadtfest: eine runde Sache, die nur Gewinner kennt.

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