Auf irgendeiner Pritsche ins Ziel

Erstellt: 31. Juli 2008, 00:00 Uhr
Auf irgendeiner Pritsche ins Ziel Scheinbar unendliche Weiten. Nur Lars Kern in seinem Porsche Cayenne und ein einsames Dromedar durchziehen die staubige Steppe der Mongolei. Foto: Transibiria

Lars Kern hadert mit Pannenserie zum Schluss der Transibirien-Rallye und übt Kritik an Jury-Urteil

Wiernsheim/Ulan-Bator – So hatte sich Lars Kern das Ende der Transsibirien-Rallye nicht vorgestellt. Im vergangenen Jahr noch Vierter der zweiwöchigen Fahrt von Moskau nach Ulan-Bator gebührte dem Wiernsheimer in diesem Jahr höchstens eine vordere Platzierung in der Pechvogel-Wertung. Entsprechend nüchtern fällt sein Fazit aus.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

Immerhin: im Endklassement der Transsibirien-Rallye taucht Lars Kern noch auf. Platz 17. Auf der letzten Tagesetappe weist ihn die Rangliste als 19. aus von noch 21 Teams. Vom Glück war der 20-Jährige Porsche-Pilot auf den letzten Etappen in der Mongolischen Steppe keineswegs begünstigt. Auf der drittletzten Etappe streikte die Elektronik, der Motor nahm einfach kein Gas mehr an. Und auf den beiden letzten Teilstücken blieben Kern und sein tschechischer Beifahrer Daniel van Kan jeweils mit Problemen an den Stoßdämpfern liegen. „Da waren wir schon einigermaßen gefrustet“, berichtet der 20-Jährige, der mittlerweile wieder in Deutschland ist.

 Dass er im Endklassement überhaupt noch auftaucht, wundert den Wiernsheimer ohnehin. „Wenn man es genau nimmt, haben wir das Ziel ja gar nicht erreicht. Nach unserem letzten Defekt sind wir auf der Pritsche irgendeines alten Lastwagens mitgefahren, um nach Ulan-Bator zu kommen“, erzählt Kern. „Dabei waren wir auf allen drei Etappen wirklich gut dabei“, hadert der junge Pilot mit Fortuna. Auf einem Teilstück hatten sie den späteren Rallye-Gesamtsiegern Christian Lavieille und François Borsotto aus Frankreich bereits sechs Minuten abgeknöpft, bevor ihr Porsche Cayenne schließlich streikte.

 Auch die ersten drei von sechs Etappen in der Mongolei, möchte Kern lieber vergessen. „Wir sind da nie richtig ins Rennen gekommen, haben Navigationsprobleme gehabt und einmal einen Kontrollpunkt verpasst“, resümiert er.
 Auf eine vordere Platzierung der Gesamtwertung hätte das Duo Kern/van Kan, das bei den Etappen auf russischer Seite mehrmals auf dem Treppchen gestanden hatte, ohnehin keine Chance mehr gehabt, nachdem ihm wenige Etappen zuvor 30 Strafminuten aufgebrummt worden waren. „Eine etwas willkürliche Entscheidung“, so empfindet es Kern. Der Grund für die Strafe: er hatte auf einer der Etappen das Rennen erst eine Weile nach dem letzten Starter in Angriff genommen. „Laut Reglement soll man an der Position seiner Startnummer starten, aber fest vorgeschrieben ist es nicht“, interpretiert er das Regelwerk. Warum also in der Staubwolke der anderen fahren? Das fragte sich nicht nur Lars Kern, sondern auch Armin Schwarz vom Team Deutschland I. Also warteten beide Piloten, bis alle Fahrer auf der Route waren und folgten mit etwas Abstand.

 „Wirklich einen Vorteil hatten wir davon nicht. Der Japaner ist vier Minuten vor uns gestartet, den haben wir nach zehn Kilometer schon eingeholt, fuhren dann wieder in seiner Staubwolke“, berichtet Kern weiter. Die Rennleitung sah es anders und verhängte die angesprochene Zeitstrafe, allerdings nur gegen Kern, nicht aber gegen Schwarz, der am Ende mit gut zwei Minuten Rückstand auf die Gesamtsieger Lavieille/Borsotto den dritten Platz der Gesamtwertung belegte.

 Gerne hätte der Wiernsheimer mehr von Land und Leuten mitbekommen. „Aber der Zeitplan war viel straffer und dichter als im vergangegen Jahr. Wir hatten viel weniger Zeit, die Landschaft zu genießen.“ Straff ist allerdings auch sein Terminplan der kommenden Tage. Zurzeit gibt er auf dem Nürburgring als so genannter Instruktor in Diensten der Porsche Sportfahrschule zahlungskräftigen Kunden Rennunterricht. Auf diese Weise verdient der Maschinenbau-Student während der Semesterferien etwas Geld. Schon am kommenden Wochenende wird er in gleicher Funktion in Leipzig sein, in der kommenden Woche in Sandfort und dann wieder in Leipzig.

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