Auf der Jagd nach Fuchsschwänzen

Erstellt: 22. November 2006, 00:00 Uhr
Auf der Jagd nach Fuchsschwänzen Die stattliche Trophäensammlung der Verena Canbaz.

Verena Canbaz ist jährlich rund 150 Kilometer auf der Jagd: Erfolgreiche Saison mit ausgemustertem Rennpferd.

Über Faulpelze dürfte „Graf Hamilton“ hochnäsig die Nase rümpfen – wenn er ein Mensch wäre. Beim Endgalopp kann es dem Vollblut-Sportler gar nicht schnell genug gehen. In ihrer ersten gemeinsamen Jagdsaison haben Verena Canbaz und ihr fünfjähriger brauner Wallach mit dem vornehmen Namen zwei Fuchsschwänze gewonnen.

VON ISABEL HANSEN

Dabei hatte das Rennpferd, das in Baden-Baden trainiert wurde, trotz seiner jungen Jahre fast schon ausgedient. Sehnenschaden hieß die Diagnose, die für einen Wallach aus dem Rennsport schnell das Todesurteil bedeuten kann. „Der Trainer drängelte: Möchten Sie ihn nun oder nicht? Als ich mir „Graf Hamilton“ im Stall bei der Rennbahn Iffezheim angesehen habe, konnte ich nicht lange überlegen“, berichtet Verena Canbaz.

 „Geritten habe ich ihn nicht. Aber ich wollte ein Vollblut, er gefiel mir, Bekannte hatten ihn mir empfohlen, und er hat sogar in Iffezheim gewonnen“, sprach einiges für das „abgehalfterte“ Rennpferd. „Außerdem wäre er wohl zum Schlachter gekommen, wenn ich ihn nicht gekauft hätte“, ist die 27-Jährige das Risiko eingegangen und hat sich ein verletztes Pferd in den Stall in Mühlacker geholt. „Ein halbes Jahr haben wir ihn auf der Koppel stehen gelassen, wo er sich bewegen konnte, wie er wollte. Das hat die Sehnen gestärkt, ohne sie richtig zu belasten.“ Die „Rosskur“ war offensichtlich erfolgreich. „Als ich das erste Mal geritten bin, ist er auf der Wiese gleich losgestürmt. Da gab es kein Halten mehr“, erinnert sie sich an einen wilden Ritt auf dem irischen Vollblut.

 „Gelahmt hat Graf Hamilton bisher noch nie, aber er war anfangs ein richtiges Nervenbündel und nur schwer zu bändigen“, mussten die beiden eine Sturm- und Drang-Periode bewältigen, bevor sie an den Start gehen konnten. Er hatte auch noch andere Eigenheiten von der Rennbahn mitgebracht. „An Karotten und Äpfel musste er sich erst gewöhnen“, kannte der Leistungssportler auf vier Beinen bislang doch nur Kraftfutter.

 Mittlerweile hat Verena Canbaz „Graf Hamilton “ in diesem Jahr auf acht Jagden freien Lauf gelassen und auf den letzten 500 bis 1000 Metern zu Höchstleistungen angespornt, wenn es nach einem rund 20 Kilometer langem Gelände-Ritt mit Hindernissen endlich „Jagd frei“ hieß. „Die Pferde werden nach Gruppen in Pony oder Vollblüter aufgeteilt. Häufig treten wir also gegen andere ehemalige Rennpferde an“, erklärt Canbaz, dass der Endgalopp auch für „Graf Hamilton“ kein Spaziergang ist. Zweimal hängte das Team die Konkurrenz ab und holte sich den Fuchsschwanz.

 Der muss heute übrigens nur noch selten einem Reiter abgejagt werden, der ihn auf der Schulter trägt. Meistens hängt der Fuchsschwanz zwischen zwei Pfosten. Der Griff nach der Trophäe bleibt schwer genug. „Wir lagen fast immer an der Spitze, einmal hatten wir sogar sieben Pferdelängen Vorsprung. Doch dann ist mir der Fuchsschwanz aus der Hand geglitten“, zählt nicht nur Tempo, sondern auch das richtige Händchen. „Auf einen Treffer kommen bestimmt zwei Ausreißer“, erklärt Verena Canbaz.

 Dabei gehört die 27-Jährige schon zu den Profis: Seit sie 15 Jahre alt ist, nimmt sie an Herbstjagden teil. Auf der Vollblutstute „Märzkrone“ hat sie in den vergangenen Jahren acht Trophäen eingeheimst. Der erste Ritt, der erste Erfolg – da fängt man schnell Feuer. „In Wiernsheim bin ich mitgeritten und wusste gar nicht, worum es geht oder wie eine Jagd abläuft“, erinnert Canbaz sich an ihr Debüt. „Die Zuschauer haben auf unterschiedliche Reiter gewettet. Mich kannte keiner. Dann habe ich den Fuchsschwanz geholt und alle überrascht.“  Dabei geht es nicht nur darum, am Ende vorne zu liegen, sondern während des Rittes die Kontrolle zu behalten. Der „Fuchs“, der Master und der Pikör reiten an der Spitze. „Wer einen von ihnen überholt, muss für alle einen Schnaps ausgeben“, erklärt die Jagdreiterin eine wichtige und manchmal süffige Regel. Auch wenn alle Teilnehmer sich bremsen können, ein Umtrunk gehört zur Tradition. Genauso wie viele andere Bräuche. „Ein Pfarrer, der die Pferde segnet, Jagdhornbläser, Sektempfang, eine ‚Schnapspause‘ zur Halbzeit und der Tanzball“, zählt sie auf. „Die Reiter kennen sich, man verabredet sich“, kommt der Begriff Jagdgesellschaft nicht von ungefähr. Zu der gehören auch die Zuschauer. Die rumpeln in Hängern zu den schönsten Aussichtspunkten. Ebenfalls mit vor der Partie ist der Familien-Fanclub. „Freunde, Mutter, Oma, Nichten und meine Schwester kommen mit und feuern mich an.“

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