Auf den Spuren von Karl Knöller

Erstellt: 4. Januar 2011, 00:00 Uhr
Auf den Spuren von Karl Knöller Frank-Ulrich Seemann (re. mit Kappe) führt hinauf auf die Löffelstelz, die Karl Knöller immer sehr am Herzen lag, und rezitiert aus Werken des Dichters und Heimatforschers. Foto: Filitz

Führung zu den Originalschauplätzen, die eng mit dem Leben des Dichters und Heimatforschers verbunden sind.

In den Spuren des Dichters und Heimatforschers Karl Knöller haben im Rahmen einer Stadtführung Frank-Ulrich Seemann und seine Frau Stefanie – eine Urenkelin Karl Knöllers – an Originalschauplätzen Gedichte aus der Feder Knöllers rezitiert und aus seinem Leben berichtet.

Von Eva Filitz

 „Schon seit Beginn seines Hierseins hat Studienrat Karl Knöller sich neben seinem Schulamt selbstlos in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und das hiesige Vereins- und Gesellschaftsleben in reichem Maße befruchtet. Als Zeitungsberichterstatter hat er es verstanden, den Namen Dürrmenz-Mühlacker in alle Welt zu tragen. Durch mehrjährige Arbeit (…) hat er die Geschichte des Ortes ausgegraben, um sie durch ein Heimatbuch jedem zugänglich zu machen. Was Studienrat Knöller als Vorstand des Verschönerungsvereins in aufopfernder Weise der Allgemeinheit und dadurch der Gemeinde geleistet hat, lässt sich im einzelnen nicht aufzählen.“ So ist es im Gemeinderatsprotokoll vom 16. September 1925 nachzulesen, als Karl Knöller das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde.

  Dabei zeigt Knöllers Biographie zunächst nichts Auffälliges. Er wächst in bescheidenen Verhältnissen auf. „Als uneheliches Kind einer Haushaltshilfe wird Karl Knöller am 8. Juni 1868 in Höfen geboren, sein leiblicher Vater, der spätere Kommerzienrat Commerell hat seinen Sohn wohl finanziell unterstützt, denn sonst wäre die Ausbildung zum Lehrer nicht möglich gewesen“, beginnt Stadtführer Seemann am Treffpunkt Peterskirche am Friedhof. Es folgen verschiedene Stellen als Hilfslehrer. Der junge Mann ist strebsam, wird befördert. 1901 wird er auf die untere Hauptlehrerstelle an die Realschule in Dürrmenz-Mühlacker berufen, wo er schnell heimisch wurde und sich in überdurchschnittlichem Maße für die Belange seiner neuen Heimat einsetzte.

 Liebe zu seinem Beruf, zur Natur, zur Geschichte, zur Literatur zeichnen ihn aus. Schön früh entdeckt er eine dichterische Ader und bringt seine Beobachtungen und Empfindungen in Reimen zum Ausdruck. Heimatforscher, Dichter, Komponist – diese reichhaltigen Gaben, die ihn auszeichnen, sind trotz Ehrenbürgerschaft heute kaum mehr bekannt. „Er ist keine Berühmtheit in Mühlacker, obwohl die Stadt ihm unendlich viel verdankt“, erzählen Frank-Ulrich und Stefanie Seemann. Dazu gehörten unter anderem: die Aufwertung und Neugestaltung der Burgruine und Anlagen, die Gründung des Heimatmuseums (zusammen mit Dr. Hebenstreit), die Aktivitäten im Verschönerungsverein mit der Schaffung des Arnaud-Denkmals, des Weges zum Kisslingwald, des Burgweges. „Karl Knöller war ein Kulturschaffender im weitesten Sinne“, so Seemann. Dazu legen zahlreiche literarische Werke von seinen vielseitigen Begabungen Zeugnis ab.

 Die Spurensuche geht vom Friedhof hinauf zur Burg, hinunter über die B10 zum Heimatmuseum, über den Enzsteg nach Dürrmenz, über Stäffele und Sträßle, die viele Teilnehmer der Runde noch nie gegangen sind, zum Wohnhaus von Knöller an der Dürrmenzer Königstraße, zum Bischoff-Wurm-Platz an der „Kanne“ vorbei – „Seht sie euch nochmals an, solange sie steht“, meinte der Stadtführer –  durch Dürrmenz wieder zum Friedhof. Der Weg endet am Grab von Karl Knöller.

 Jeder Halt an den einzelnen Stationen wurde mit Gedichten umrahmt, mal heiter, mal ernst und besinnlich, die Einblick in das Denken und Fühlen des Mannes aus bescheidenem Hause geben, der ein reiches Leben gelebt hat. 1933 wird Knöller pensioniert. Er ist froh, dass er in der braunen Ära seiner Heimat nicht mehr im Schuldienst ist. Am 8. August 1958 wird Karl Knöller mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Am 24. November 1963 stirbt der Ehrenbürger von Mühlacker.

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