Auf dem Platz geht es immer brutaler zu

Erstellt: 26. September 2006, 00:00 Uhr
Auf dem Platz geht es immer brutaler zu Schrecksekunde: Der Oberriexinger Benjamin Langhans (Nummer 9) liegt nach einem Zusammenprall regungslos am Boden. Foto: p

Schwere Verletzungen werfen Schatten über den vergangenen Spieltag – Oberriexinger Spieler hatte nochmal Glück

Sport kann manchmal sehr brutal sein. Das beste Beispiel war am Wochenende die Ringschlacht von Artur Abraham, der mit gebrochenem Kiefer ab der vierten Runde seinen Gegner Edison Miranda bezwang. Nicht weniger gefährlich ist allerdings das Spiel mit dem runden Leder. In Iptingen musste ein Oberriexinger Spieler sogar mit dem Helikopter ins Krankenhaus abtransportiert werden.

VON DOMINIQUE JAHN

Was war passiert? Es lief die 75. Minute, Gäste-Spieler Benjamin Langhans stürmte auf Iptingens Torwart zu, schob den Ball zum 1:0 ein und bekam dabei einen Schlag in den Rücken ab. Der 18-jährige Oberriexinger Spieler machte noch ein paar Schritte, dann brach er zusammen. „Ich konnte nicht mehr laufen und hatte so ein komisches Kribbeln in den Füßen“, berichtet Langhans. An der Außenlinie wurde er minutenlang behandelt bis der Rettungshubschrauber eintraf und auf dem Sportplatz landete. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie.

 Die letzten fünf Minuten wurden allerdings noch zu Ende gespielt. Langhans wurde ins Krankenhaus nach Langensteinbach geflogen. Eine erste Kernspinuntersuchung gab Entwarnung. Nichts gebrochen, das Rückenmark hat nichts abbekommen. Doch: „Der Schlag hat meine Nerven getroffen, aber es ist Gott sei dank nur eine starke Prellung an der Lendenwirbelsäule“, sagt der Stürmer, der noch Probleme beim Gehen hat. Sein Trainer Jürgen Stoll stand auch gestern noch völlig unter Schock: „Wenn mehr passiert wäre, hätte ich mein Traineramt niedergelegt“, so der Oberriexinger Coach, der dem Iptinger Schlussmann keine Absicht unterstellen will, jedoch meint: „Auf dem Fußballplatz geht es immer brutaler zu.“ Als aktiver Schiedsrichter weiß er, wovon er spricht.

 Eine fast ähnliche Situation wie in Iptingen ereignete sich beim Spiel Phönix Lomersheim gegen Heimerdingen. Gerade einmal fünf Minuten stand Sven Kamptmann auf dem Platz – er kam in der 62. Minute für Simon Roller – als der TSV-Stürmer das 1:0 erzielte und dabei mit dem Gäste-Goalie zusammenkrachte. Der Keeper rutschte ihm seitlich ins Knie. Kamptmann musste mit Verdacht auf Innenbandanriss oder sogar auf einen Kreuzbandrisses ausgewechselt werden. Eine endgültige Diagnose sollte eine Untersuchung gestern ergeben. Mit Kamptmann fällt dem Phönix-Trainer George Carter nun noch ein weiterer Spieler (siehe auch Bericht Lomersheim auf dieser Seite) für die nächsten Wochen aus: „Das ist bedauerlich, Sven war sehr gut drauf. Ich hoffe, er kommt bald wieder zurück.“

 Eine Kopfverletzung trug auch Florian Kuderna davon. Das Mittelfeld-Ass der Sportfreunde Mühlacker konnte bei einer Ball-Rettungsaktion an der Außenlinie nicht mehr abstoppen und knallte mit dem Kopf gegen die Eisenstange der Barriere. Das Ganze passierte kurz vor dem Halbzeitpfiff. Kuderna kam nicht mehr aus der Kabine, sondern wurde mit Verdacht auf Jochbeinbruch ins Krankenhaus gefahren. Böse erwischt hat es auch Michael Schrammel vom Oberligisten 1. FC Pforzheim. Der Enzberger brach sich beim Heimspiel gegen Emmendingen das Nasenbein und wird voraussichtlich zwei Wochen ausfallen. Das Kuriose: Schuld an der Verletzung war sein Teamkollege Alexander Zimmermann, der den am Boden liegenden Schrammel bei einem Befreiungsschlag mitten im Gesicht traf.

 Mit Sportverletzungen kennt sich Volker Hermle bestens aus. Der Physiotherapeut aus Mühlacker hat täglich damit zu tun. Doch mit so schwerwiegenden Verletzungen, wie im Falle Langhans in Iptingen, nicht. „Das sind die Ausnahmen“, so der Experte. „Ich behandle hauptsächlich Bänderverletzungen und Brüche.“ In letzter Zeit habe sich die Zahl seiner Patienten allerdings erhöht. „Aber das ist auch logisch, die Fußballsaison hat ja wieder begonnen“, sagt Hermle.

 Die meisten Verletzungen seien Bänderrisse im Sprung- oder auch im Kniegelenk. Muskelverletzungen würden Sportler heute schon gar nicht mehr behandeln lassen. „Die kommen höchstens Montagmorgens mal kurz bei mir in der Praxis zur Diagnose vorbei und setzen dann zwei Wochen mit dem Sport aus.“ Gibt es heutzutage mehr verletzte Sportler als noch vor fünf Jahren? „Klar, das Spiel ist athletischer und schneller geworden. Da passiert auch viel mehr“, weiß der 46-Jährige.

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