Attacke auf Polizisten endet vor Gericht

Erstellt: 6. Dezember 2006, 00:00 Uhr
Attacke auf Polizisten endet vor Gericht Einsatz am Bahnhof: Im Mai ist es hier zu einem dramatischen Vorfall gekommen. Foto: Tilo Keller

Bewährungsstrafen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Gefangenenbefreiung

Maulbronn/Mühlacker (ra) – Einmal zehn und einmal sechs Monate Freiheitsstrafe, jeweils ausgesetzt zur Bewährung: dieses Urteil hat gestern das Maulbronner Amtsgericht nach einem dramatischen Zwischenfall im Mai am Mühlacker Bahnhof gefällt. Die zwei Angeklagten hatten sich eine handfeste Auseinandersetzung mit Polizisten geliefert, in deren Verlauf die Beamten sogar Warnschüsse abgeben mussten.

Die gestrige Hauptverhandlung hat ergeben, dass die beiden drogenabhängigen Angeklagten, ein 25-Jähriger, der jetzt in Pforzheim lebt, und ein 27-Jähriger aus Mühlacker, am Abend des 4. Mai nach einer Kneipentour auf dem Bahnhofsvorplatz mit zwei Unbekannten in Streit geraten waren, worauf der Fahrer eines Linienbusses, der die Auseinandersetzung beobachtet hatte und von den Täter auch angegangen wurde, die Polizei gerufen hatte.

 Der Festnahme durch die beiden zuerst am Ort des Geschehens eintreffenden Beamten – einem 46 Jahre alten Polizeioberkommissar und einem 35-jährigen Polizeiobermeister – widersetzten sich die Täter so massiv, dass von den Polizisten ein Pfefferspray eingesetzt werden musste. Zuvor war es dem 27-jährigen Angeklagten gelungen, den Polizeiobermeister mit einem Fußtritt gegen den Kiefer derart zu verletzen, dass der Beamte sich anschließend in ärztliche Behandlung begeben musste und für mehrere Tage dienstunfähig war. Beim Versuch, den Täter zu Boden zu drücken und zu fesseln, zog sich der zweite Beamte einen schwere Knieverletzung zu, die ihn für rund sechs Wochen außer Gefecht setzte. Das Ganze gipfelte schließlich darin, dass der 25-Jährige mit den Worten „Lass meinen Kumpel los“ einen „silbern-glänzenden Gegenstand“ – ein Handy, wie sich nachträglich herausstellte – mit ausgestreckten Armen auf die Polizisten richtete. „In entschlossener Schusshaltung“, so beschrieb einer der erfahrenen Beamten die Situation anschaulich. Sein Kollege, der die zwei Schüsse in die Luft abgegeben hatte, sagte, dass er gelegentlich auch heute noch Probleme mit der damaligen Situation am Bahnhof habe.

 Beide Angeklagten standen zur Tatzeit unter Alkoholeinwirkung. Jeder wollte bei der Kneipentour fünf bis sechs Weizenbier und einige Schnäpse getrunken haben. Die Blutuntersuchungen hatten bei dem mehrfach vorbestraften 25-Jährigen eine Alkoholkonzentration von 0,84 Promille und bei seinem Tatgenossen von rund 1,3 Promille ergeben. Daneben wollten beide noch Amphetamine eingenommen haben.

 Sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung mit einer Bewährungszeit von vier Jahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung und versuchter Nötigung, lautete das Urteil gegen den 25-jährigen. Zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, ebenfalls mit einer Bewährungszeit von vier Jahren wegen Widerstands, vorsätzlicher und fahrlässiger Körperverletzung, wurde der zweite Täter aus Mühlacker verurteilt. In seinem Urteilsspruch folgte Richter Dr. Bernd Linder voll dem Strafantrag des Anklagevertreters. „Ich sehe keine Veranlassung, von dem moderaten Antrag der Staatsanwaltschaft abzuweichen.“

 In seinem Schlusswort rügte er die großen Erinnerungslücken, die die Angeklagten immer dann gezeigt hätten, wenn es darum ging, was sie selbst gemacht hatten. Als positiv bewertete der Richter die Tatsache, dass beide ihre Suchtprobleme erkannt hätten und sich in Behandlung begeben wollten.

 Nebenklagevertreter, Angeklagte und Verteidiger verzichteten nach dem Urteilsspruch auf Rechtsmittel.

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