Anlieger sehen die Stadt am Zug

Erstellt: 30. Januar 2009, 00:00 Uhr
Anlieger sehen die Stadt am Zug Der Knittlinger Pflegmühleweg soll ausgebaut werden. Wann und wie aufwändig dies geschieht, ist aber im Augenblick noch unklar. Foto: Garhöfer

Erschließungsbeiträge: Knittlinger im Pflegmühleweg sind verunsichert – Wirtschaftsministerium eingeschaltet

Knittlingen – Ausbautechnisch ist der Pflegmühleweg ein Pflegefall. Doch die Bewohner sehen sich durch die geplante Straßenbaumaßnahme und die Anliegerbeiträge, die auf sie zukommen könnten, selbst vom Kollaps bedroht. Inzwischen haben sie sich sogar ans Wirtschaftsministerium gewandt und hoffen auf ein neues Gutachten.

VON CAROLIN BECKER

Auch in Stuttgart ist der Knittlinger Pflegmühleweg mittlerweile ein Begriff. Dafür hat Peter Meier als einer der von den Anwohnern gewählten Sprecher gesorgt. Unzählige E-Mails hat er versandt, um alle Minister und Staatssekretäre des Landes auf das Problem aufmerksam zu machen, das seit Monaten in Knittlingen schwelt: Wie von unserer Zeitung berichtet, haben die Hausbesitzer im Pflegmühleweg Post von der Stadtverwaltung erhalten. Darin angekündigt: geschätzte Erschließungsbeiträge für den geplanten Straßenausbau im fünfstelligen Bereich. Daraufhin hatten sich die Betroffenen zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen.

 Unterstützung erfahre die Gruppe der Anwohner von Gemeinderäten. „Offenbar ist die Einsicht da, dass die bisher genannten Beträge einige von uns in den Ruin treiben würden“, entnimmt Meier den Gesprächen mit Kommunalpolitikern. Er stehe in regelmäßigem Kontakt zu Evelyne Teschner-Klug von der Alternativen Liste und den SPD-Gemeinderäten Martin Blanc und Günter Hauf. Von der Stadtverwaltung dagegen habe er lange nichts gehört. „Offiziell erfahren wir gar nichts“, beklagt sich der Knittlinger, doch halte sich die Stimmung unter den Nachbarn die Waage: Einige seien froh, nicht mit offiziellen Schreiben konfrontiert zu werden, andere plage die Ungewissheit, „was die Stadt gerade hinter unserem Rücken plant“.

 Der Knittlinger Bürgermeister Heinz-Peter setzt indes, wie er gegenüber unserer Zeitung betont, auf den Dialog mit den Betroffenen. Dass noch keine neuen Informationen an die Bewohner des Pflegmühlewegs herausgegeben worden seien, liege auch daran, dass die Stadt selbst „ein Stück weit in der Luft“ hänge. Schließlich gelte es noch einiges zu klären, vor allem die Frage, ob es sich bei der auszubauenden Straße um einen historischen Weg handle. Dies hatten die Bewohner mit Hilfe alter Dokumente nachzuweisen versucht.

 „Wir können durch Privatrecherche belegen, dass mehr als drei historische Gebäude im Pflegmühleweg stehen“, sagt Peter Meier. Dadurch sehe er ein ursprünglich zugrunde gelegtes Gutachten einer Stuttgarter Kanzlei widerlegt. Würde dem Pflegmühleweg der Status „historisch“ zuerkannt, entfielen – und darauf hoffen die Anlieger – die Erschließungsbeiträge. „Wir haben ein Schreiben des Wirtschaftsministeriums erhalten, und es stimmt uns schon zuversichtlich, dass nun ein höheres Gremium als die Knittlinger Stadtverwaltung die Sache prüft.“

 Derweil kündigt der Knittlinger Bürgermeister Heinz-Peter Hopp ein weiteres Gespräch mit dem Experten aus Stuttgart an. Nachdem die Anwohner „dankenswerter Weise“ zusätzliches Material geliefert hätten, das bei der Erstellung des ersten Gutachtens noch nicht zur Verfügung gestanden habe, würden diese Unterlagen nun einbezogen. „Einen Termin gibt es noch nicht“, informiert Hopp. Er gehe aber davon aus, dass das Treffen noch im Lauf des Monats Februar stattfinden könne. Über den Ausgang wolle er nicht spekulieren.

 Fest stehe für ihn eines: „Wir müssen den Frieden in der Stadt wahren.“ Deshalb habe sich die Verwaltung intern darauf verständigt, die Anliegerbeiträge so gering wie möglich zu halten. Der Ausbau des Pflegmühlewegs (Hopp: „Notwendig ist er, schon aus Gründen der Verkehrssicherheit“) müsse nicht in der ursprünglich vorgesehenen Weise stattfinden, sondern könne in einer sparsameren Variante durchgeführt werden. „Nicht auf die billigste Tour, das können wir den Leuten auch nicht zumuten“, ergänzt der Bürgermeister. In den Haushalt 2009 würden keine Gelder für den Pflegmühleweg eingestellt. Sollte sich die Situation aber rasch klären und sich der Gemeinderat zum Ausbau entschließen, stünden Haushaltsreste aus 2008 zur Verfügung.

 „Wir harren der Dinge“, blickt Peter Meier voraus. „Was wir tun konnten, haben wir getan.“ Die Stadt sei jetzt am Zug.

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