Anadolu bis Jahresende ohne Cavit Cakir

Erstellt: 31. August 2007, 00:00 Uhr
Anadolu bis Jahresende ohne Cavit Cakir Kein einfacher Zeitgenosse – Trainer Cavit Cakir fletscht an der Seitenlinie schon mal die Zähne. Foto: Küppers

Trainer vom Verband bis zum 31. Dezember gesperrt – Am Sonntag wartet der FV Langenalb.

Mühlacker – Wegen einer Auseinandersetzung mit einem Schiedsrichter beim Stadtturnier in Mühlacker ist Cavit Cakir jetzt vom Badische Fußballverband gesperrt worden. Bis Ende dieses Jahres darf der Vorsitzende und Trainer von Anadolu Mühlacker seine Mannschaft nicht coachen und bei keinem Spiel von Anadolu vor Ort sein.

VON STEFFEN-MICHAEL EIGNER

Cavit Cakir versteht die Welt nicht mehr. „Es gab da ein Missverständnis mit dem Schiri“, räumt er ein. Nach einer roten Karte gegen einen Spieler von Anadolu, habe er die Hand des Unparteiischen weggezogen, als dieser den Spielerpass des Rotsünders an sich nehmen wollte. „Der Platzverweis war unberechtigt. Das haben sogar die Spieler der gegnerischen Mannschaft Sportfreunde Mühlacker so gesehen“, verteidigt sich der Anadolu-Trainer. „Da habe ich ein wenig die Nerven verloren. Ich habe geschimpft, ja. Das mache ich ja öfter. Aber ich habe nie jemanden geschlagen. Wir sind zwar Ausländer, aber wir repräsentieren doch auch Mühlacker. Wir leben auch hier“, wähnt Cakir hinter dem Urteil auch ein Stück Antipathie gegen seinen Verein und Türken allgemein. Er überlege jedenfalls nun ernsthaft, ob er sich nicht völlig aus dem Fußballgeschäft zurückziehe.

 „Die Statuten des Badischen Fußballverbandes sind für alle gleich und werden auf alle Vereine gleichermaßen angewendet. Da gibt es keine besonderen Regeln für oder gegen Anadolu“, weist dies der Kreisvorsitzende und Kreisliga-Staffelleiter Gerhard Schwörer zurück. „Als Schulleiter einer Grund- und Hauptschule hatte ich beruflich bereits sehr viel mit türkischen Jugendlichen und ihren Eltern zu tun. Dabei habe ich sehr viele wunderbare Menschen kennengelernt.“

„Die Regeln des BFV gelten für alle gleichermaßen“

Bei dem Vorfall beim Stadtturnier aber habe Cakir dem Schiedsrichter den Spielerpass aus der Hand gerissen, schildert Kreisliga-Staffelleiter Gerhard Schwörer. So jedenfalls sei ihm das Geschehen auf offiziellem Weg berichtet worden. Die rote Karte des Anadolu-Spielers und das Vergehen Cakirs gegenüber dem Unparteiischen seien zwei Paar Stiefel.

 „Beim Stadtturnier waren sechs Mannschaften und mehr als 100 Zuschauer. Die einen haben gesagt, der Platzverweis war berechtigt, die anderen sagen, er war nicht berechtigt. Es war eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Aber darum geht es hier gar nicht“, schildert Schwörer. „Auf jeden Fall muss ein Trainer oder Präsident , egal ob von Anadolu oder von irgendeiner anderen Mannschaft, sich in einer solchen Situation beherrschen können und darf sich dem Schiedsrichter gegenüber so nicht verhalten.“

 Cavit Cakir darf nach dem Urteil der Verbandsspruchkammer bei keinem Spiel seines Vereins, weder zu Hause noch auswärts, am oder auf dem Platz sein. Ansonsten drohe dem Verein eine Geldstrafe, die nach den Statuten bis zu 2500 Euro betragen könne, betont Schwörer.

 Damit muss Anadolu nun auch am kommenden Sonntag ohne seinen Trainer zum ersten Auswärtsspiel der Saison nach Langenalb fahren. „Ich werde mich per Handy über den Spielstand informieren lassen“, sagt Cavit Cakir. Statt seiner werde Kamil Mansak, der Co-Trainer an der Seitenlinie stehen. „Der macht das prima. Er ist ein sehr guter Coach“, vertraut ihm Cavit Cakir.

„Langenalb ist gefährlicher als Germania Brötzingen“

Überraschend gut ist der FC Anadolu Mühlacker in die Kreisligasaison gestartet. Immerhin hat der Aufsteiger am Sonntag Germania Brötzingen mit 2:1 besiegt, die in der vergangenen Spielzeit immerhin noch in der Landesliga gespielt hatten, und damit zwei Klassen höher als der damalige A-Ligist aus Mühlacker.

 Muss man Anadolu gegen Langenalb, den Zehnten der abgelaufenen Kreisligasaison deshalb bereits als Favoriten ansehen? „Ganz sicher nicht. Immer auf dem Boden bleiben“, verneint Cavit Cakir. Langenalb sei ein schwieriger Gegner und kämpferisch gut. „Die lassen nie nach. Langenalb ist meiner Ansicht nach gefährlicher als Brötzingen“, urteilt Cakir. Verzichten muss Anadolu nicht nur auf seinen Trainer und Vorsitzenden, sondern auch auf Mittelfeldmann Mesut Kul, der sich jüngst im Training verletzt hat.

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