Als nächste Bühne die Burg Löffelstelz?

Erstellt: 27. September 2006, 00:00 Uhr
Als nächste Bühne die Burg Löffelstelz? Abschied und Neuanfang: Das sechsköpfige Team des „theater in der kanne“ will weiter Kleinkunst bieten. Foto: Stahlfeld

Organisatoren der Kleinkunst-Reihe „theater in der kanne“ blicken zum Abschied aus Dürrmenz bereits voraus.

Mühlacker – „Wir wollen in irgendeiner Form weitermachen“, bekräftigen die Mitstreiter der Dürrmenzer Kleinkunstbühne „theater in der kanne“, die am kommenden Freitag ihre letzte Vorstellung gibt. Das sechsköpfige Team hat bereits an den Oberbürgermeister geschrieben und seine Pläne für die Zukunft dargelegt. Ein Nahziel: Aufführungen auf der Burgruine Löffelstelz.

VON ULRIKE STAHLFELD

„Vielleicht findet sich ja noch ein Investor.“ Ein kleiner, ein letzter Funken Hoffnung ist den Organisatoren des „theater in der kanne“ noch geblieben, dennoch beugen sie sich schweren Herzens der Realität. Wie bereits berichtet, steht am Freitag mit dem Gastspiel von Kabarettist Frank Sauer die letzte Vorstellung im Saal der seit längerem leer stehenden Gaststätte Kanne an. Eine Abschiedsfeier am 28. Oktober soll dann nach 21 Jahren die Ära der Kleinkunst in Dürrmenz endgültig beschließen.

 Das marode Gebäude lasse, wie Sabine und Lothar Winkler, Karin und Dieter Schempf und Joan und Wolle Neuwirth als Organisatoren der erfolgreichen Veranstaltungsreihe beklagen, keinen weiteren Betrieb zu. In 21 Jahren hat das „theater in der kanne“ in bislang 295 Vorstellungen genau 27374 Besucher unterhalten. „Im Prinzip war einmal ganz Mühlacker da“, sagt Wolle Neuwirth. Tatsächlich aber gab es ganz viele, die ganz oft da waren. Der Mitorganisator: „Wir hatten ein großes Stammpublikum.“ Und um das tut es den Theatermachern jetzt auch leid.

 Doch nicht nur bei den Kleinkunst-Freunden hatte sich die Dürrmenzer Bühne einen guten Ruf erworben. Auch die Künstler kamen gern nach Mühlacker. Längst mussten die Macher den Akteuren nicht mehr hinterher telefonieren. Die riefen mittlerweile in Mühlacker an und fragten, ob sie auftreten dürften. „Wir waren ein Begriff in der deutschen Kleinkunstszene“, stellt das Sextett nicht ohne Stolz fest.

 Eisi Gulp, Klaus Birk, Bernd Kohlhepp, Christoph Sonntag, Franke Sauer, Alice Hofmann, Lisa Fitz, Herta Schwätzig, Gebrüder Grätig, Ernst Pilick, Jazz Crackers: Die Liste der Künstler und Gruppen der vergangenen 21 Jahre ist endlos. Selbst die „Kleine Tierschau“ war in ihren Anfangszeiten im Kanne-Saal zu erleben. Und Michael Mittermaier kam noch einmal nach Dürrmenz, als er schon ein Star am bundesdeutschen Kabaretthimmel war. So groß war seine Verbundenheit.

 Entsprechend schwer fiel dem Organisatoren-Team in der vergangenen Woche die Entscheidung, die Kleinkunstbühne zu schließen. Da die Zukunft des Kanne-Areals seit Jahren ungewiss ist, lebten die Veranstalter zuletzt von Halbjahresprogramm zu Halbjahresprogramm. Als nun die Planung der nächsten Saison anstand, fiel der Entschluss, nicht mehr weiterzumachen. „Es blutet einem das Herz“, meint Lothar Winkler. Aber der Zustand des Kanne-Saals sei schon jetzt so schlecht, dass nach einem weiteren Winter das Gebäude nicht mehr guten Gewissens für das Theaterspiel genutzt werden könne. Teilweise bröckle der Putz von den Wänden, das Dach sei undicht und die Heizung marode, so dass zuletzt nur noch in der wärmeren Jahreszeit Aufführungen stattgefunden haben.

 Auf die warme Jahreszeit würde sich zwangsläufig auch das Programm beschränken, das die Theaterleute in der Zukunft unter dem Namen „Kleinkunstbühne Mühlacker“ gerne an neuer Wirkungsstätte anbieten möchte. Schon seit dem vergangenen Jahr haben sie die sanierte Burgruine Löffelstelz im Blick.

 In einem nächsten Schritt sei jetzt der Gemeinderat am Zug, der eine entsprechende Nutzungssatzung für die Löffelstelz erlassen müsse. Die Theaterleute hocken derweil schon in den Startlöchern: Sozusagen als Probelauf für die Freiluftbühne könnten sie sich ein Kleinkunstwochenende im nächsten Sommer vorstellen.

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