„Alle Mann zur Dreckrutsche!“

Erstellt: 27. Januar 2012, 00:30 Uhr
„Alle Mann zur Dreckrutsche!“ Das Motto im Waldkindergarten: Auch in der kalten Jahreszeit kann das Spielen im Freien Spaß machen – und besonders beliebt bei den Kleinen ist die „Dreckrutsche“.

Mühlacker. Bevor Erzieherin Manuela Burkhard sich am Morgen auf den Weg zur Arbeit macht, ist ein Blick auf die Wetterkarte unumgänglich. „Besteht eine Sturmwarnung, lassen wir die Kinder gleich von den Eltern in die Naturschule nach Schönenberg bringen. Dann ist es hier draußen wirklich zu gefährlich“, erklärt die 37-Jährige. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sandra Gleich arbeitet sie in einem Kindergarten der besonderen Art: im 2011 neu gegründeten Waldkindergarten „Kleine Dachse“ auf dem ehemaligen Sportplatz des Lienzinger Fußballvereins. Die Grünfläche am Waldrand zwischen Mühlacker und Lienzingen hat Araneus seit vielen Jahren gepachtet.

Nur dreimal, zuletzt wegen des Sturmtiefs „Andrea“ Anfang Januar, musste die „Kindergarten-Notunterkunft“ in der vereinseigenen Stromberg-Naturschule bezogen werden. „Auch dank der milden Temperaturen konnten wir immer problemlos hier bleiben, und selbst wenn es kälter gewesen wäre, hätte das den Kindern nichts ausgemacht. Am bislang kältesten Tag hatten wir hier minus elf Grad. Aber das ist für uns noch lange kein Grund, sich nicht an der frischen Luft aufzuhalten“, gibt die Erzieherin die Marschrichtung vor. Dick eingepackt in Schneeanzüge und Matschhosen und ausgestattet mit gefütterten Gummistiefeln und Mützen aus Schafswolle erkunden die acht „kleinen Dachse“ täglich zwischen 8 und 13 Uhr die Natur rund um ihren „Stammplatz“.

Brettspiele und Kneten im alten Bauwagen stehen aber ebenso auf dem Programm wie das gemütliche Vesper im großen vereinseigenen Tipi. In diesem Zelt aus Holzstämmen und Leinen können sich die Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren außerdem am Lagerfeuer aufwärmen.

Händewaschen nach dem Essen – auch im Waldkindergarten ist das Pflicht. Das „Waschbecken“ besteht hier jedoch aus einem Wasserkanister auf einer Holzkonstruktion. „Jeden Morgen bringt eine andere Familie den mit frischem warmen Wasser gefüllten Kanister mit. Und jedes Kind hat sein eigenes Handtuch dabei.“

Manuela Burkhard, die sich 2006 von Araneus e.V. zusätzlich zur qualifizierten Naturparkführerin ausbilden ließ, ist sich sicher: „Die ursprüngliche Verbindung zur Natur hier im Waldkindergarten hat für die Kinder nur Vorteile.“ Sie seien gesünder und beweglicher: „Die Kleinen haben eine bombastische Abwehrkraft und sind so gut wie nie krank, auch jetzt im Winter nicht. Wenn überhaupt, dann fangen sie sich im Kinderturnen oder sonst wo etwas ein.“ Auch das soziale Lernen sei im Waldkindergarten viel intensiver ausgeprägt: „Wenn man im Wald unterwegs ist, braucht man viel mehr Hilfe. Die Großen achten dabei extrem gut auf die Kleinen.“ In seiner pädagogischen Ausrichtung unterscheidet sich der Waldkindergarten hingegen nicht von normalen Regelkindergärten: „Auch wir arbeiten nach dem Orientierungsplan, erstellen Portfolios, führen Entwicklungsstandgespräche mit den Eltern und decken alle üblichen Lernbereiche ab“, so die Erzieherin, die nicht weit entfernt im Heidenwäldle wohnt.

Auch für den Fall, dass im Wald vielleicht ein Notruf abgesendet werden müsste, ist vorgesorgt. Ein Mitarbeiter des DRK Pforzheim hat im Oktober die GPS-Koordinaten jener Stellen aufgenommen, an denen die „kleinen Dachse“ sich häufig aufhalten. Burkhard: „Die Rettungskräfte wissen dann Bescheid, wenn ich ihnen sage, ein Kind hat sich am Dreckberg oder in der Nähe des Eichenplatzes verletzt.“

Monatlich zahlen die Eltern 110 Euro für die insgesamt 20 Stunden, in denen ihre Kinder im Waldkindergarten betreut werden. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten auf 14 Uhr soll auf Wunsch der Eltern im Februar erfolgen. Im Moment sind noch bis zu acht freie Plätze vorhanden – einzige Voraussetzung: „Die Kinder müssen zwei Jahre und neun Monate alt sein.“

In den Faschingsferien vom 20. bis 24. Februar bietet der Waldkindergarten ein Ferienprogramm für Schulkinder an. Noch bis zum 17. Februar kann man sich dafür über das Vereinsbüro von Araneus telefonisch unter 07041/861070 anmelden.

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