Alle Bescheide gehen pünktlich raus

Erstellt: 28. Februar 2012, 00:30 Uhr
Alle Bescheide gehen pünktlich raus Weniger Bürokratie: Sachgebietsleiter Wolfgang Fischer und seine Kollegen vom Jobcenter Mühlacker gewährleisten den Hartz-IV-Empfängern eine Betreuung aus einer Hand.

Mühlacker/Enzkreis. Regelrecht aus dem Boden gestampft hat um den Jahreswechsel das Sozial- und Versorgungsamt des Enzkreises die beiden Jobcenter in Pforzheim und Mühlacker. Leiter Hartmut Schölch nicht ohne Stolz vor dem Sozialausschuss des Kreistags: „Termingerecht zum 2. Januar waren wir betriebsbereit“.

Rund zwei Monate später seien auch kleinere Anlaufschwierigkeiten überwunden, die es durchaus gegeben habe. Aber zwei wichtige Zielsetzungen seien erfüllt worden: Pünktlich zum 31. Januar hätten alle rund 2300 Leistungsempfänger – oder konkreter: die sogenannten Bedarfsgemeinschaften, die von rund 4500 Menschen gebildet werden – ihre neuen Leistungsbescheide erhalten.

Zuvor waren’s zwei – einer von der Arbeitsagentur fürs Arbeitslosengeld II und einer vom Sozialamt für die Kostenübernahme für die Unterkunft (Miete). „Und es gab nicht eine Beschwerde von den Hilfeempfängern“, unterstrich Schölch die korrekte Arbeitsweise der an beiden Standorten rund 70-köpfigen Belegschaft der Jobcenter, die sich auf fünf Teams „mit jeweils voller Fachkompetenz“ verteilten.

Schölchs zweite große Hoffnung ging gleichfalls in Erfüllung: Die Mitarbeiter hätten schnell zueinandergefunden. Was so vielleicht nicht unbedingt zu erwarten gewesen sei, denn rund 40 kamen als seitherige Vermittler von der Arbeitsagentur, etwa 35 kamen vom Sozialamt des Enzkreises, und sechs sogenannte Fallmanager seien neu eingestellt worden. In sein Lob über die „rasch funktionierende Integration“ der Mitarbeiter schloss Schölch auch ausdrücklich den Personalrat ein, der schnelle Entscheidungen etwa hinsichtlich der Versetzungen ermöglichte.

Alle Arbeitsabläufe, die seither nebeneinander von zwei Behörden erfolgten, hätten binnen kürzester Zeit neu strukturiert werden müssen, „da ist kein Stein mehr auf dem anderen geblieben“, beschrieb der Amtsleiter die Kärrnerarbeit oder aus seiner Sicht die für ihn „bislang intensivste Zeit“, seit er für den Enzkreis tätig sei. Aber es sei für alle vor allem anfangs eine „extreme Arbeitsbelastung“ gewesen, und trotzdem erkenne er eine „hohe Motivation“ bei den Mitarbeitern.

Dann habe man sich noch mit einem neuen EDV-System zurechtfinden müssen, das, wie Schölch informierte, drei alte Systeme ersetzt. Dabei arbeitet das Enzkreis-Jobcenter mit dem Programm ProSoz, das im westfälischen Herten entwickelt wurde, für das sich nach Herstellerangaben übrigens über die Hälfte der bundesweit rund 150 Optionskommunen, die zur Betreuung von Langzeitarbeitslosen aus einer Hand zugelassen wurden, entschieden hätten.

Nicht einfach sei dabei gewesen, so Schölch weiter, die Datenbestände der Arbeitsagentur korrekt einzuarbeiten, um spätere Fehler bei der Leistungserrechnung zu vermeiden. Der Amtsleiter verschwieg aber auch nicht, dass aufgrund des immensen Arbeitsdrucks in den ersten Wochen viel Post liegengeblieben sei. Diese Rückstände würden jetzt nach und nach aufgearbeitet.

Neben dem „Innendienst“ in den Jobcentern besuche der Arbeitgeberservice verstärkt Betriebe, „um uns bekanntzumachen und zu erklären, warum es uns jetzt neben der Arbeitsagentur gibt“. Das gleiche Ziel verfolgt die Behörde mit den Besuchen reihum bei allen Bürgermeistern, denn aus den Rathäusern erhoffen sich die Jobvermittler mitunter wertvolle „Insider-Tipps“, wo gegebenenfalls ein Langzeitarbeitsloser neue Arbeit finden könne.

Schölchs Schilderungen über die Aufbauarbeit veranlasste Landrat Karl Röckinger zu der anerkennenden Bemerkung: „Das verdient Respekt.“ Vor allem mit der Zusammenführung zweier Personalkörper habe die neue Einrichtung eine „große Herausforderung“ gemeistert.

Jetzt steht dem Jobcenter noch die Bildung eines Beirats ins Haus, der die Einrichtung insbesondere bei der Auswahl und Gestaltung der Eingliederungsinstrumente beraten soll. Dem Gremium sollen unter anderem Vertreter der Wirtschaftskammern, der Gewerkschaft, der beruflichen Schulen sowie der Kirchen und Wohlfahrtsverbände angehören.

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