Agieren statt reagieren

Erstellt: 8. Mai 2009, 00:00 Uhr
Agieren statt reagieren Lockte deutlich mehr als 100 Interessierte in den kleinen Saal des Mühlehofes: Porsche-Betriebsratsvorsitzender Uwe Hück. Foto: Tilo Keller

Leiter des Illinger Polizeipostens präsentiert Konzept für Sicherheit und Ordnung

Von Frank Goertz

Illingen. Der Illinger Polizeiposten will im Vorfeld agieren, statt im Sommer zu reagieren. Postenleiter Manfred Beyle hat ein Konzept „Sicherheit und Ordnung in Illingen“ auf die Beine gestellt, das er im Gemeinderat vorgestellt hat.

 „In Illingen besteht Handlungsbedarf“, stellte Beyle klar, warnte aber gleichzeitig vor der Versuchung, einzelne Vorfälle „überzukriminalisieren“. Denn: „Bei den Straftaten steht Illingen objektiv gut da.“ Was aber störe, sei der Vandalismus. Hier gebe es eine ganze Reihe von Brennpunkten, unter anderem Schule, Talaue, Bouleplatz und Waldspielplatz.

 „Wir setzen auf Prävention und Kommunikation“, verdeutlicht Beyle, dass die Polizei mehr Instrumente als nur Repression hat. Eins der Ziele des Sicherheitskonzepts sei es jedoch auch, das Anzeigeverhalten der Bevölkerung zu verbessern. Der Polizist beklagt, dass Straftaten und Vandalismus oft zu spät, anonym und zu pauschal angezeigt würden.

 Ferner möchte Beyle die Jugendlichen für ihre Umwelt sensibilisieren. „Wir wollen sie nicht vertreiben“, betont er. „Aber sie sollten ihre Umgebung und ihre Mitmenschen anders als bisher wahrnehmen.“ Ein dickes Brett, das er bohren wolle, sei, die Kommunikation zwischen der Jugend und der Bevölkerung zu verbessern. Beyle: „Wir möchten die Anwohner der Talaue und Jugendliche zusammenbringen.“

 Prävention und Gespräche seien aber nicht alles. Die Polizei will auch den Kontrolldruck verstärken und dabei eng mit dem Gemeindevollzugsdienst zusammenarbeiten. „Personenkontrollen und Platzverweise bringen was“, weiß Beyle aus Erfahrung. „Wir haben beispielsweise nach dem 1. Mai drei Stunden lang kontrolliert und haben dabei auch Deutsche mit Migrationshintergrund aus Mühlacker angetroffen. Die haben wir danach in Illingen nicht wieder gesehen. Solche Kontrollen werden oft als Schikane gesehen, sie zeigen aber Wirkung.“

 Auf der Präventionsseite listet Beyle eine ganze Reihe von Maßnahmen auf – angefangen von einer Info-Veranstaltung „Tu was“, die sich an Erwachsene richtet und ihnen Hinweise geben soll, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie Zeugen von Vandalismus werden. Stichwort: Zivilcourage. Außerdem soll ein möglicher Alkoholverkauf an Jugendliche scharf kontrolliert und geahndet werden. „Wir wollen offensiv an die Verkaufsstellen und die Tankstellen herantreten“, sagt Beyle. Sie könne eine Alkoholabgabe an Jugendliche teuer zu stehen kommen. „Wir haben erst unlängst in Mühlacker einen Erwachsenen erwischt, der für Jugendliche Alkohol gekauft hat. Bußgeld: 550 Euro.“

 Im Jugendhaus der Gemeinde sollen sich außerdem die Präventionsbeamten des Reviers Mühlacker den Fragen von Jugendlichen stellen. Außerdem ist eine Schulungsveranstaltung für das Schutzengel-Programm der Polizeidirektion Pforzheim in Illingen vorgesehen. Auch die Erziehungsberechtigten sollen stärker in die Verantwortung genommen werden. „Wir stellen mit Erschrecken fest, wie wenig Eltern uns unterstützen und wie viele Jugendliche in ihren Augen unschuldig sind“, stellt Beyle betrübt fest.

 Wie der Illinger Postenleiter berichtete, habe sich ein runder Tisch „Sicherheit und Ordnung“ bereits zweimal getroffen. An ihm sitzen neben der Polizei und ihren Präventionsbeamten überdies der Vollzugsbedienstete der Gemeinde, Pfarrer Thomas Koser-Fischer, Vertreter der Schule und ihres Fördervereins und Jugendpflegerin Melanie Anthoni. „Der runde Tisch ist keine geschlossene Gesellschaft“, betont Beyle. Es sei angedacht, auch interessierte Jugendliche mit ins Boot zu nehmen.

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