Aggressive Typen unerwünscht

Erstellt: 30. Dezember 2008, 00:00 Uhr
Aggressive Typen unerwünscht Auch für einen Frontalangriff haben die sowjetischen Militärs wirkungsvolle Verteidigungstechniken entwickelt. Foto: Simecek

Der russische Kampfsport Kombat-Sambo ringt um Anerkennung – Junger Verein in Mühlacker

Mit einem Tag der offenen Tür hat sich der Verein Kombat-Sambo kurz vor den Weihnachtsfeiertagen erstmals seit seiner Gründung 2005 der Öffentlichkeit präsentiert. Rund 30 Interessierte waren dazu in die Sporthalle der Ulrich von Dürrmenz-Schule gekommen. Doch was ist Kombat-Sambo eigentlich?

VON JAN SIMECEK

Nein, es handelt sich dabei weder um einen südamerikanischen Tanz, noch um ein afrikanisches Hirsegericht. Der Namensursprung ist aber schwer zu ergründen. Kombat ist dem einen oder anderen möglicherweise ein Begriff, vielleicht aus dem blutrünstigen Videospiel Mortal Kombat. Damit liegt man dann nicht einmal so ganz daneben. Immerhin handelt es sich bei Kombat-Sambo um eine Sportart, die ursprünglich für das Militär und den Geheimdienst der Sowjetunion entwickelt wurde. Blutrünstig ist es jedoch keineswegs. Das sagt schon der Name dieses Kampfsports aus: „Sambo“ ist eine Abkürzung des russischen „Samosaschtschita bes orushia“, was übersetzt in etwa Selbstschutz ohne Waffen bedeutet.

Asiatische Kampfkünste bilden die Grundlage

Damit hat Sambo viel gemein mit zahlreichen asiatischen Kampfsportkünsten. Tatsächlich bilden diese auch die Grundlage von Sambo. Sambo ist sozusagen ein Extrakt der besten Elemente von Jiu Jitsu, Judo oder auch Karate und wurde mit wissenschaftlicher Akribie noch effektiver gemacht. Aus diesem Grund war Sambo auch über viele Jahre eine der am besten geheim gehaltenen Kampfsportarten. In der Sowjetunion war es allerdings schon seit 1938 als Sportart anerkannt.

 In Deutschland fehlt diese Anerkennung noch. Bislang gilt Sambo lediglich als Selbstverteidigung. Aus diesem Grund ist dem jungen Verein aus Mühlacker auch der Weg zu den öffentlichen Fördertöpfen versperrt. Alles, was Kombat-Sambo Mühlacker bislang aufgebaut hat, ist aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert worden. Dabei hat es der junge Verein sogar schon geschafft, eine kleine Jugendgruppe aufzubauen. Immerhin fünf Jugendliche ab zehn Jahre trainieren unter der Anleitung von Konstantin Schulz und Langlitc Ditrich einmal pro Woche.

 Insgesamt bringt es Kombat-Sambo e.V. auf rund 20 Mitglieder. Dementsprechend kann man bei 30 Besuchern am Tag der offenen Tür durchaus von großem Interesse sprechen. Alexander Graf – Vereinsvorsitzender und erster Trainer in Personalunion – zeigte und erklärte dem Publikum einige zunächst gar nicht so spektakulär erscheinende Techniken. Schnell wurde dabei aber klar, dass diese hocheffektiv sind, dabei jedoch stets darauf zielen, einen möglichen Angreifer zwar kampfunfähig zu machen, ihn jedoch nicht zu verletzen.

 Es gab aber auch einige spektakuläre Würfe und Tritt- und Schlagtechniken zu bestaunen. Dabei wies jeder Gesprächs-partner aber immer darauf hin, dass sich nicht um einen Angriffssport handelt. Schlägertypen sind bei Kombat-Sambo e.V. unerwünscht. „Wenn sich einer immer wieder aggressiv verhält, oder auch außerhalb der Sporthalle immer wieder negativ auffällt, muss er gehen. Wir wollen hier auch moralische Werte wie Zivilcourage oder Kameradschaft lehren“, sagt dazu Kai Squillante. Der Deutsche Junioren-Meister im Trapschießen aus Mühlacker betreibt Sambo als Ausgleich zum Leistungssport.

 Noch gibt es übrigens keine Frauen beim Kombat-Sambo in Mühlacker. Der Verein ist dem jedoch aufgeschlossen. „Wenn einzelne Frauen kommen, wird es schwierig, aber eine Gruppe, wie bei unseren Jugendlichen, ist durchaus willkommen“, erklärt Squillante. Aber nicht nur Frauen möchte er das Sambo-Training und den Vereinsbeitritt schmackhaft machen. Deshalb betont er: „Meist wird Sambo nur in abge-schwächter Form angeboten. Bei uns ist das nicht der Fall.“

 Weitere Informationen rund um den Verein und die Sportart gibt es im In-ternet unter www.kombat-sambo.de.

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