Absturz: War Flugzeug zu langsam?

Erstellt: 29. September 2012, 09:52 Uhr
Absturz: War Flugzeug zu langsam? Jürgen Klemm, Vorsitzender des Flugsportclubs Mühlacker und von Beruf Lufthansa-Pilot, geht in seiner Freizeit auch selbst gerne mit einem Motorsegler in die Luft. Archivfoto: Sadler

Mühlacker. Die Ursache für den Absturz des Kleinflugzeugs auf dem Hangensteiner Hof, bei dem am Mittwochmittag zwei Insassen einer ST 87 Vega ums Leben kamen, ist weiter ungeklärt. Dies bestätigte gestern Polizeisprecher Frank Otruba. Bis ein Ergebnis der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vorliege, könnten noch Wochen vergehen. Ein großer Teil des Propellerflugzeugs ist verbrannt, doch das Heckleitwerk und zumindest Teile des Motors, so Otruba, seien erhalten und stünden den Spezialisten der Bundesstelle in Braunschweig zur Verfügung.

Klar ist indes, dass die Insassen der Vega sich auf einem „Checkflug“ befanden, auf dem der 71-jährige Kornwestheimer als Fluglehrer fungierte und die Leistung des 82-jährigen Bietigheimers überprüfte. Dies bestätigte am Freitag Klaus Schmädeke, Vorsitzender des Luftsportvereins Hohenasperg, dem der 82-Jährige als Gründungsmitglied angehörte, unserer Zeitung.

„Einen solchen Checkflug muss jeder Motorflieger alle zwei Jahre machen“, weiß Jürgen Klemm, Vorsitzender des Flugsportclubs Mühlacker, dessen Flugplatz sich in der Nähe des Unfallorts befindet. Was die Ursache angeht, ist auch der Fachmann, von Beruf Lufthansa-Pilot, auf Vermutungen angewiesen. Dass, wie öffentlich vermutet wird, ein Motorausfall der Grund für das Unglück war, sei nicht ausgeschlossen, aber auch nicht völlig sicher, meint Klemm. Nur weil ein Augen- beziehungsweise Ohrenzeuge einen Moment lang kein Geräusch höre, bedeute dies nicht unbedingt, dass der Motor defekt sei. Möglicherweise sei die Vega nur deshalb so niedrig über dem Hangenstein geflogen, weil der Fluglehrer während des Flugs, der eine Stunde dauern sollte, einen Motorausfall simuliert hatte. Bei einer solchen Übung muss der zu überprüfende Pilot beweisen, dass er in der Lage ist, „ein geeignetes Außenlandefeld zu treffen“. Bei einem Checkflug ziehe der Lehrer üblicherweise in etwa 600 Metern Höhe das Gas raus und stelle den Motor auf Leerlauf. Wobei das Flugzeug nicht wirklich aufsetzen soll. Vorher, ungefähr in einer Höhe zwischen 50 und 100 Metern, werde dann wieder Gas gegeben.

Doch warum ist das Eigenbauflugzeug plötzlich „abgeschmiert“? Entweder sei der Motor tatsächlich ausgefallen, oder die Vega sei zu langsam, unter der Mindestgeschwindigkeit, geflogen, überlegt Jürgen Klemm. Am Mittwoch habe über Dürrmenz ein kräftiger Südwestwind geweht. „Der verursacht insbesondere südlich von unserem Flugplatz starke Turbulenzen“, weiß der Vereinschef aus Erfahrung. Gerade wenn Turbulenzen herrschten, müsse schneller geflogen werden. Möglicherweise habe die verunglückte Maschine nicht die nötige Geschwindigkeit gehalten. Dafür spreche zumindest die Aussage von Augenzeugen, einer davon selbst ein ehemaliger Flieger, die berichtet hätten, das Flugzeug sei ins Trudeln geraten.

Und dies wiederum kann grundsätzlich zu einem Sicherheitsproblem werden. „Um das Trudeln auszuleiten, also zu beenden, braucht man mindestens eine Flughöhe von 100 Metern“, erläutert Klemm. Habe man diese Höhe nicht, drohe ein Absturz. Im Gegensatz zur Meinung von Laien sei es durchaus möglich, auch mit einem Motorflugzeug zu segeln, wenngleich nicht so gut wie mit einem Segelflugzeug. Bei einer Flughöhe von 600 Metern, führt Jürgen Klemm beispielhaft an, betrage die Reichweite im Gleitflug knapp fünf Kilometer.

Bei den Kameraden der Toten herrscht Trauer. „Wir sind alle geschockt“, sagte gestern Klaus Schmädeke vom Luftsportverein Hohenasperg. Beim Vereinsabend am heutigen Freitag werde sich alles um das Unglück in Dürrmenz drehen. Er geht davon aus, dass der Flugbetrieb am Wochenende wie gewohnt ablaufen wird, „auch wenn man sicher mit einem anderen Gefühl ins Flugzeug steigt als sonst“.

Frank Lehmann, Vorstandssprecher der Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville, zu der der LSV Hohenasperg und die Fliegergruppe Kornwestheim gehören, kannte beide Todesopfer seit Jahrzehnten. Alle zwei Piloten seien überlegte, vernünftige Männer gewesen, die über jeden Zweifel erhaben gewesen seien.

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