30-faches Hausverbot zeigt Wirkung

Erstellt: 31. Mai 2007, 00:00 Uhr
30-faches Hausverbot zeigt Wirkung Beliebter Jugend-Treff mit Begleiterscheinungen: Parkdecks im Mühlacker Einkaufszentrum Drehscheibe. Foto: Fotomoment

Situation an der Drehscheibe hat sich bereits entspannt – Polizei und Eigentümer ziehen an einem Strang

Mühlacker – Schon in rund 30 Fällen hat der Eigentümer des Mühlacker Einkaufszentrums Drehscheibe in Abstimmung mit der Polizei Hausverbote gegen Jugendliche ausgesprochen. Die verschärfte Gangart zeigt Wirkung.

VON THOMAS EIER

Seit einem Monat greift das neue Konzept von Hausverwaltung und Polizei, das sich gegen Jugendtreffs auf den Parkdecks des Rewe-Supermarkts richtet. Lautstarke Zusammenkünfte junger Cliquen, nicht selten verbunden mit exzessiven Trinkgelagen, Sachbeschädigungen und jeder Menge Müll, hatten zuvor der Drehscheibe Negativschlagzeilen beschert. Polizei und Ordnungsamt stuften das Einkaufszentrum angesichts der Beschwerden aus dem Umfeld als innerstädtischen Brennpunkt ein.

 Ein Problem der Vergangenheit: Ruhestörer und Vandalen mussten, um sie zur Rechenschaft ziehen zu können, auf frischer Tat ertappt werden, was selten gelang. Doch nun nutzen die Beteiligten das Hausrecht, um den Treffpunkt nach und nach stillzulegen. „Die KA Real Estate als Eigentümer hat ein Interesse daran, dass sich die Kunden wohl fühlen“, betont Janine Kundit, Sachbearbeiterin bei der KA Immo Management. Nachdem sich verschiedene Gruppen von insgesamt bis zu 100 Jugendlichen im Alter von 15 bis 20 Jahren auf den Parkdecks breit gemacht und teilweise Kunden angepöbelt hätten, seien inzwischen – in enger Abstimmung mit dem Polizeirevier Mühlacker – bereits um die 30 Hausverbote erteilt worden. „Seither hat es, wie die Rücksprache mit Mietern ergab, keine neuen Beschwerden gegeben“, zeigt sich Kundit vorsichtig optimistisch. „Die Lage hat sich entspannt“, bestätigt Polizeisprecher Andreas Reuster.

Bei Verstößen Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Das Prozedere ist in allen Fällen das gleiche: Die Polizei, die ihre Kontrollen massiv verstärkt hat, holt die Personalien auffälliger Jugendlicher ein, die offensichtlich nicht zur Kundschaft der Geschäfte in der Drehscheibe gehören. Die Daten werden dann an die Hausverwaltung in Karlsruhe weitergeleitet, die schriftliche Hausverbote mit den konkreten Vorwürfen formuliert und an die Adressen der Jugendlichen zustellt –  durchaus verbunden mit der Hoffnung, dass bei sehr jungen Störenfrieden auch die Eltern den unrühmlichen Vorgang registrieren. Sollte ein Jugendlicher gegen das Hausverbot verstoßen und sich erneut auf dem privaten Grundstück der Drehscheibe herumtreiben, kann die Polizei eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch vorlegen. „Wir haben auf diese Weise eine wirksame Handhabe“, sagt Reuster.

 Am 24. Mai hat Janine Kundit zum bislang letzten Mal ein Hausverbot auf den Weg gebracht. Seither herrscht Ruhe. „Es wird sich zeigen“, will sie noch nicht zu euphorisch werden, „wie es die Ferien über läuft, wenn die Langeweile wieder um sich greift.“ Andererseits habe es bislang noch keinen Wiederholungstäter gegeben, so dass Eigentümer und Polizei auf einen Abschreckungseffekt bauen und darauf, dass sich die harte Linie herumspricht. „Die 30 Jugendlichen sind, was ihre Nationalität betrifft, bunt gemischt“, beschreibt die Mitarbeiterin der Hausverwaltung, „es sind viele ausländische Namen und auch zwei oder drei Mädchen dabei.“ Die ungebetenen Gäste hätten dem Hausmeister und der Hausverwaltung eine Menge Arbeit und Mehrkosten beschert. Kundit: „Allein der Reinigungsaufwand ist enorm. Dazu gingen Glasscheiben zu Bruch und die Unterstände für die Einkaufwagen wurden demoliert. Teilweise wurde auf den Parkdecks mit Kieselsteinen Fußball gespielt.“

 Eine Überlegung der KA Immo Management zielte darauf ab, einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren. „Aber die Stichprobenkontrollen sind nur bedingt wirksam, und eine 24-Stunden-Präsenz kostet viel Geld“, nennt Kundit die Nachteile aus Sicht der Hausverwaltung.

 Stattdessen will der Eigentümer in bauliche Verbesserungen investieren. So habe dieser der Polizei gegenüber angekündigt, wie Andreas Reuster nach Rücksprache mit dem Revier Mühlacker berichtet, seine Parkdecks nach Ladenschluss mit neuen Schranken gegen die Treffs junger Moped- und Rollerfahrer abzuschotten.

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