0:2 Wo war Ötisheim?

Erstellt: 22. November 2010, 00:00 Uhr
0:2  Wo war Ötisheim? Typische Szene im Lokalduell: Ein Foul im Mittelfeld unterbricht den Spielfluss. Hier kommt Enzbergs Mehmet Isgören zu Fall. Foto: Eigner

Spiel des Tages: Viktoria Enzberg nimmt aus einem einseitigen Nachbarschaftsderby drei Punkte mit

Einen klar verdienten Sieg hat Viktoria Enzberg beim TSV Ötisheim eingefahren. Zu keinem Zeitpunkt konnten die Gastgeber die taktisch klug spielende Enzberger Defensive in Verlegenheit bringen. Der FC Viktoria schließt damit in der Tabelle zu Ötisheim auf, beide haben nun 14 Punkte.

Von Steffen-Michael Eigner

Ötisheim. Nur zwei halbwegs nennenswerte Torchancen im ganzen Spiel – ein Schuss in der dritten Minute und ein Freistoß in der Nachspielzeit –, das macht TSV-Trainer Helmut Frey richtig sauer und der Ärger sprudelt nach dem Schlusspfiff nur so aus ihm heraus. „Wir waren heute nicht auf dem Sportplatz. Die Mannschaft war nicht da. Ich weiß nicht, wo wir heute waren. Wir waren überhaupt nicht präsent. So kann man ein Derby jedenfalls nicht angehen und die Punkte einfach herschenken. Wir konnten überhaupt nicht an die Leistung vom Spiel in Eutingen anknüpfen.“ Und nachdem seine Mannschaft so ihr Fett weg hat, übt er auch noch Kritik an Schiedsrichter Jürgen Gutbub aus Calmbach: „Jede Ballberührung gegen uns pfeift er als Foul, und bei Enzberg lässt er alles laufen. An unserer Niederlage ist er natürlich nicht schuld.“

 Mit dem Referee ist aber auch Sascha John nicht ganz zufrieden. Mindestens zwei rotwürdige Fouls an seinen Spielern moniert der Viktoria-Trainer: „Der Schiedsrichter war noch gnädig. Sonst wäre Ötisheim viel früher in Unterzahl gewesen.“

 Tatsache ist: Es war ein zweikampfbetontes, teilweise auch ruppiges Derby, wobei die Gastgeber ein wenig mehr Härte an den Tag legten. Der tiefe, feuchte Rasen leistete dazu ebenfalls seinen Beitrag. So kam kaum Spielfluss zustande. Freilich spielte auch Enzberg nicht körperlos, wie die Verletzung von Thorsten Heugel beweist, der kurz vor der Halbzeit nach einem Foul mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz humpelt und sich den linken Oberschenkel hält. Für ihn kommt Sebastian Hebel in die Partie.

Auf tiefem Boden tatsächlich ein Anflug von Kombinationsfußball

 Die deutlich höheren Spielanteile haben insbesondere in der ersten Halbzeit die Enzberger, deren erste gute Chance Carsten Buhr mit einer Klassetat zunichte macht (25.). Absolut machtlos ist der Ötisheimer Torwart aber in der 39. Minute. Ein Fehlpass im Mittelfeld bringt Kadir Kara an den Ball und in Schussposition. Der Viktoria-Stürmer hat sogar noch Zeit aus gut 25 Metern halbrechter Position das linke Eck anzuvisieren, wo der Ball auch einschlägt. Da fliegt Buhr vergeblich.

 Nach dem Seitenwechsel wirkt Ötisheim ein klein wenig wacher, doch in Bedrängnis gerät die Enzberger Defensive nicht. Stattdessen zeigt sich Viktoria vorne effektiv. Als Burim Akija einen Freistoß aus 20 Metern an den Pfosten knallt, sind alle erst einmal ziemlich verdattert – bis auf Jan-Manuel Hanselmann, der als einziger reagiert und den Ball aus knapp zehn Metern im Nachschuss zum 0:2 unter die Latte hämmert. Die Gelbe Karte, die Martin Lutze für das vorangegangene Foul gesehen hat, wird noch Folgen haben.

 Erst einmal aber versucht der FC Viktoria das Spiel zu beruhigen. „Keine Hektik“, mahnt Trainer John immer wieder. Die Gastgeber mühen sich vergeblich um Chancen, Enzberg hat sie vereinzelt bei Kontern. Etwa bei einem Flachschuss von Baris Yildirim aus 18 Metern, der genau in Buhrs Armen landet (67.). Bei einem 20-Meter-Schuss von Kara, den Buhr noch zur Ecke lenkt (69.). Und bei einem Kopfball-Aufsetzer von Kara nach besagter Ecke, den Buhr mit etwas Glück zwischen seinen Knien einklemmt (70.).
 Schließlich gibt es tatsächlich noch ansatzweise so etwas wie Kombinationsfußball zu sehen: Kara schlägt den Ball aus der eigenen Hälfte diagonal zu Akija auf den Flügel, der setzt sich gegen einen Gegenspieler durch und flankt zum Strafraum, wo Kara unterdessen angekommen ist, aber mit seiner Direktabnahme das Tor um Zentimeter verfehlt (81.). Die letzte Gelegenheit für die Gäste hat Tobias Kraft mit einem Flachschuss aus 16 Metern zentraler Position (88.), wobei sich der Enzberger offenbar am Knöchel verletzt und liegenbleibt. Martin Lutze wähnt das als Zeitschinderei und packt Kraft unsanft unter den Achseln, um ihn hochzuziehen. Dafür sieht der schon verwarnte Ötisheimer Gelb-Rot, während Kraft auf einem Bein zur Behandlung an die Trainerbank hüpft.

Glück für Enzberg: Kein Elfmeter
 in der Nachspielzeit

 Danach gibt es nur noch einen Freistoß von Thorsten Barho zu sehen, der von der Strafraumgrenze etwa einen halben Meter über das Enzberger Tor zischt (90.+3). Glück für Enzberg, denn das vorangegangene Foul an Max Oehler war möglicherweise schon im Strafraum. Doch Elfmeter fordert auch von den Ötisheimern keiner. Insofern gilt: Referee Jürgen Gutbub hat in dieser Szene, und auch während der vorangegangenen 90 Minuten eigentlich nichts falsch gemacht.

Tore: 0:1 Kadir Kara (39.), 0:2 Jan-Manuel Hanselmann (62.)
Gelb-Rot: Martin Lutze (Ötisheim, 89.)

TSV Ötisheim: Buhr – Thomas Barho, Lutze, Steiner, Heugel (42. Hebel), D. Oehler, Münchinger, M. Oehler, Keller, Thorsten Barho, Müller (80. Walz)

Viktoria Enzberg: Voges – Balik, Isgören, Kraft, Yildirim, Rolle, Koyuncu, John, Hanselmann, Akija, Kara (87. Fischer)

Weiterlesen
Viel los beim Knittlinger Werbesportfest

Viel los beim Knittlinger Werbesportfest

Flutlicht-Elfmeterschießen der große Hit – Nachwuchs mit tollen Turnierspielen  Knittlingen – Bei tollem Wetter ist das Werbesportfestes des FV Knittlingen am vergangenen Wochenende für den Veranstalter ein voller Erfolg gewesen…. »