Findet Pablo!

Katzenliebhaber in Sorge: In Schönenberg sind gleich mehrere Tiere spurlos verschwunden

Von Carolin Becker Erstellt: 20. Dezember 2016, 00:00 Uhr
Findet Pablo! Der kleine Pablo wird seit dem 7. Dezember vermisst. Foto: Becker, privat

Picasso leidet. Immer wieder springt er aufs Fensterbrett, um von dort aus stundenlang nach draußen zu starren.

Ötisheim-Schönenberg. Er hält Ausschau nach seinem Bruder und Spielkameraden Pablo, der am Mittwoch, 7. Dezember, spurlos verschwunden ist. In Ungewissheit leben seither auch die Besitzer der beiden Kater. Um so größer ist die Sorge in der Nachbarschaft, da Pablo nicht das einzige vermisste Tier ist: Seit Februar fehlen fünf Katzen, die in einem Umkreis von etwa hundert Metern zu Hause sind.

Kater Leonidas (vorne) mit einem Nachbarskater, der am selben Tag verschwunden ist.

Kater Leonidas (vorne) mit einem Nachbarskater, der am selben Tag verschwunden ist.

Bevor Pablo und Picasso einzogen, lebten im selben Haus die Kater Simba und Leonidas. Letzterer verschwand Ende Februar von der Bildfläche. Am selben Tag warteten die zwei Häuser entfernt wohnenden Besitzer eines wie Leonidas rot-weißen Tiers vergeblich auf die Rückkehr ihres Lieblings. Nur wenige Tage später der nächste Fall: Simba, ebenfalls rot-weiß und sehr gepflegt, tauchte nicht mehr auf. Hinweise, dass Füchse oder andere Wildtiere im Spiel sein könnten, gab es nicht, und auch dem sehr überschaubaren Verkehr in der ruhigen Wohngegend sollten die Samtpfoten allem Anschein nach nicht zum Opfer gefallen sein.

Kater Simba im Februar.

Kater Simba im Februar.

Die verzweifelten Halter von Leonidas und Simba wandten sich ans Tierheim. Die dort geäußerte Vermutung: Die jungen Kater könnten Frühlingsgefühle entwickelt und sich auf die Suche nach attraktiven Artgenossinnen begeben haben.

Doch gegen diese simple Erklärung spreche das zeitgleiche Verschwinden des Nachbarskaters, meint Leonidas’ und Simbas Frauchen. Den kastrierten, zehn Jahre älteren und wesentlich abgeklärteren Kollegen hatte das schönere Geschlecht schließlich überhaupt nicht interessiert. Zudem sollte es im Jahresverlauf nicht bei der Suche nach Katern bleiben: Eine schwarze Katze, eine Straße weiter zu Hause, kehrte ebenfalls nicht mehr zurück.

Und ewig lockt das Weib? Für den am 25. Juni geborenen, noch kleinen und zierlichen, lebhaften und Menschen gegenüber aufgeschlossenen Pablo kommt diese mögliche Abwanderungsursache ohnehin kaum infrage. Beim Spielen im Freien habe er sich nur wenige Meter vom Haus wegbewegt, sagt seine Besitzerin.

Die Besorgnis in der Nachbarschaft ist groß, ebenso groß die Ungewissheit. „Durch soziale Netzwerke und Tierschutzforen geistern in solchen Fällen Berichte über Katzenfänger“, weiß Ralf Minet, Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe.

Der Nachweis, dass Katzen tatsächlich gestohlen und etwa für medizinische Zwecke eingesetzt würden, sei indes schwierig. Klar sei, dass immer wieder Tierquäler mitunter brutal gegen ihre Mitgeschöpfe vorgingen. Spontan erinnert sich Minet an einen Karlsruher Fall, in dem der Täter ermittelt worden sei.

Auch in Mühlacker sei ein Tierhasser der Polizei ins Netz gegangen. Er habe mit einer Luftdruckwaffe auf Katzen geschossen. Ähnliche Angriffe stellten keine Seltenheit dar. Pro Jahr, schätzt Ralf Minet, kämen sie im Enzkreis fünf- bis zehnmal vor. Verschwundene Samtpfoten würden der Polizei nicht besonders häufig gemeldet. Doch habe es 2015, als in Ittersbach gegen einen Wohnungseinbrecher ermittelt worden sei, Indizien dafür gegeben, dass der Verdächtige auch für das Verschwinden von Katzen verantwortlich gewesen sein könnte.

Der Ötisheimer Ortsteil Schönenberg taucht nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit ungeklärten Tierschicksalen auf. Im Jahr 2011 berichtete unsere Zeitung über gequälte und getötete Katzen. Im Graben neben der Straße nach Erlenbach hatte eine Radfahrerin im Sommer zwei tote und verstümmelte Katzen gefunden, denen jeweils ein Vorderlauf fehlte.

Auch das Veterinäramt des Enzkreises ging damals von Tierquälerei als Ursache aus. Im Herbst 2011 wurde ein Kater offenbar mit einem Messer so schwer verletzt, dass er eingeschläfert werden musste. Die Besitzerin erstattete Anzeige, zumal die im Sommer getöteten Tiere ihrem rot-weißen Liebling sehr geähnelt hätten.

Vor fünf Jahren wurden zwei Katzen in Schönenberg Opfer von Tierquälern. Hier können Sie den Artikel dazu lesen.

Optisch passt, und man mag das für eine gute Nachricht halten, der aktuell gesuchte schwarz-weiße Pablo nicht ins Muster. Den Bruder des Vermissten lässt die Familie aus Furcht vor dem nächsten Verlust nun nicht mehr vor die Tür. Traurig wie Picasso sei die ganze Familie. „Aber vielleicht gibt es ja ein Weihnachtswunder, und es meldet sich jemand, der Pablo gefunden hat“, hofft Pablos Frauchen.

 

Wer Pablo oder einen seiner vermissten Artgenossen gesehen, vielleicht sogar bei sich aufgenommen hat, wird dringend gebeten, sich unter der Telefonnummer 07041/80576 oder 07041/80527 an die Redaktion zu wenden.

Carolin Becker

Redakteurin E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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