Weihnachtsmarkt für alle Sinne

Kulisse auf dem Klosterhof, 120 Aussteller und ein buntes Rahmenprogramm locken die Menschen nach Maulbronn

Von Isabel Hansen Erstellt: 5. Dezember 2016, 00:00 Uhr
Weihnachtsmarkt für alle Sinne Stimmungsvoll: Mit seiner Weltkulturerbe-Kulisse und besonderer Atmosphäre lockt der Maulbronner Weihnachtsmarkt Besucher aus nah und fern an. Fotos: Hansen

Er sieht gut aus und fühlt sich gut an, er kann sich hören lassen, duftet lecker und schmeckt noch besser – der Maulbronner Weihnachtsmarkt mit Klosterkulisse, Konzerten, Kunsthandwerk und kulinarischer Vielfalt ist eine Veranstaltung, die alle Sinne anspricht und am zweiten Adventwochenende Besucher zu Tausenden anzog.

Maulbronn. Bei schönstem Winterwetter war es auf dem Klosterhof so voll, dass die verschiedenen Gruppen der Familie Wolff sich per Handy suchen mussten. Praktisch, dass sich in jeder Delegation ein Familienmitglied mit eindeutigen Erkennungsmerkmalen findet. Petra aus Kerpen demonstriert mit ihrer roten Mütze ihre Verbundenheit zu Köln und leuchtet aus der Menge hervor. Julia kuschelt sich in eine warme und sichtbar grüne Jacke. Das Treffen auf dem Maulbronner Weihnachtsmarkt hat eine lange Tradition: „Wir kommen aus dem Kölner Raum, einige von uns hat es nach Pforzheim verschlagen.

Am zweiten Advent treffen wir uns hier regelmäßig. Das machen wir seit Jahren so. Anika war schon als Baby dabei. Heute ist sie 18 Jahre alt“, sagt Julia. Alle lachen – Rheinländer eben. Vielleicht ist es aber auch die Vorfreude auf ein Schmankerl des Maulbronner Weihnachtsmarktes. Bei der Klosterschmiede gart Flammlachs am offenen Feuer. Die Wärme ist ein netter Nebeneffekt für frierende Zaungäste. Die Rheinländer kombinieren die Fisch-Spezialität etwas eigenwillig: „Dazu gibt es bei uns Eierlikör.“ Das löst den nächsten Lachanfall aus.

Auf dem Maulbronner Weihnachtsmarkt fällt die rheinische Frohnatur der Familie indes nicht weiter auf. Einfach, weil hier fast jeder gute Laune hat. Am Ausflug mit Oma und Opa haben beispielsweise Madita (11) und Lotte (13) aus Rheinstetten viel Spaß. Und dass nicht nur, weil jede sich ein Geschenk aussuchen darf. Übrigens eine echte Herausforderung für die Geschwister bei rund 120 Ständen mit einem vielfältigen Angebot aus Schmuck, Weihnachtsdekoration, edlen Postkarten, bunten Vogelhäusern, lustigen Stofftieren, feiner Schokolade, Schnupperseifen und, und, und. Für Feinschmecker und solche mit Feinschmecker-Freunden ist da noch die kulinarische Vielfalt, die von geschmackvollen Mitbringseln über Wildgulasch, Flammkuchen und Maultaschen bis zu Imbiss-Klassikern vom Grill für den Sofortgenuss reicht, wobei lange Schlangen vor einigen Ständen, der vorweihnachtlicher Völlerei gewisse Grenzen gesetzt haben.

Aus dem Vollen schöpfen konnten Jung und Alt beim Rahmenprogramm: Die Ausstellung des Modelleisenbahnclubs Mühlacker in der Stadthalle sorgte für staunende Kinder, Märchenerzählungen im Gebäude am Klosterhof 20/2 für stille Kinder, Weihnachtssingen an vielen Ecken für Stimmung. Selbst der Nikolaus mit kleinen Geschenken fehlte am Sonntag nicht.

Dabei entdecken sogar Stammgäste immer etwas Neues: Christbaum-Schmuck weckte das Interesse von Christine König aus Kürnbach und Ulrike Kunz aus Zaisenhausen. Der Tannenzapfen mit Augen und Ohren inspirierte die Besucher zu einer Namenschöpfung, die zur Geburtsstunde einer ganz neuen Gattung von Souvenirs werden könnte: „Das habe ich noch nie gesehen. Für uns ist das ein Maulbronner Mause-Elch.“

Auch Martina Keller und Cathérine Himmel schlendern offenen Auges über den Markt: „Wenn uns etwas gefällt, fällt uns bestimmt noch jemand ,Bedürftiges‘ ein, den wir unbedingt beschenken sollten.“ Falls alle versorgt sind, haben sie schon einen Notfallplan: „Wer sagt denn, dass wir nicht selbst bedürftig sind?“

Ihre Entscheidung, den Maulbronner Weihnachtsmarkt dem Nürnberger oder gar dem Mannheimer vorzuziehen, haben Annette Neureuther und Thomas Nase nicht bereut. Und das, obwohl das Paar aus Offersheim bei Schwetzingen (Baden) angereist ist und sich damit in auf unbekanntes Terrain gewagt hat. „Maulbronn liegt auf feindlichem Gebiet“, kultiviert Nase als Badener die viel geliebte Animosität. Der Atmosphäre im Kloster kann das Paar sich aber nicht entziehen. „Das ist ein tolles Ambiente“, geben sie zu, dass man sich auch in Schwaben wohlfühlen kann. Eine Meinung, mit der sie auch am vergangenen Wochenende nicht allein dastanden.

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