Hilfe für Afrika und Plädoyer für Europa

Beim Neujahrsempfang der Stadt Maulbronn wird der Verein „Tanzania – Wir helfen“ mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet

Von Anja Schröder Erstellt: 7. Januar 2017, 00:00 Uhr
Hilfe für Afrika und Plädoyer für Europa Beim Neujahrsempfang in Maulbronn stimmt Bürgermeister Andreas Felchle auf das Jahr 2017 ein (Bild oben re.). Unterstützung erhält er dabei von den Sternsingern (Bild unten rechts). Außerdem zeichnet die Bürgerstiftung „Menschen für Maulbronn“ in Person von Laudator Dr. Till Neugebauer (re.) Ursula Hoffmann (2. v. re.) vom Verein „Tanzania – Wir helfen“ und ihren Mann Peter (li.) aus. Foto: Schröder

Ganz im Zeichen der europäischen Idee stand gestern der Neujahrsempfang in der Maulbronner Stadthalle. Einen kleinen Abstecher nach Afrika unternahm die Bürgerstiftung und überreichte Ursula und Peter Hoffmann den Bürgerpreis für ihr unermüdliches Engagement für Tansania.

Maulbronn. „Tanzania – Wir helfen“, heißt der Verein, den das Maulbronner Ehepaar 1994 nach einer Reise in das afrikanische Land ins Leben rief. „Nicht nur die Naturschönheiten dort, sondern auch die große menschliche Not beeindruckten die Hoffmanns damals sehr“, beschrieb Laudator Dr. Till Neugebauer vom Vorstand der Stiftung die Eindrücke nach der Reise. Aus dem ursprünglichen Engagement in zwei Kinderheimen und der Vermittlung einiger Patenschaften hat sich mittlerweile ein Verein entwickelt, der Waisenkindern und benachteiligten Jugendlichen in Tansania Perspektiven – vor allem zur Selbsthilfe – aufzeigt. Mit den gesammelten Spenden unterstützen die Hoffmanns zusammen mit ihren Mitstreitern auch die schulische und berufliche Ausbildung ihrer afrikanischen Patenkinder. So wurden zum Beispiel mit den Spenden Maulbronner Schulen zwei Kühe namens „Sila“ und „Hopp“ gekauft, Hühner angeschafft, ein Brunnen gegraben und eine Wasserpumpe installiert. Darüber hinaus errichtete der gelernte Architekt Peter Hoffmann unter anderem ein Kinderkrankenhaus und eine Berufsschule. „Mama Ursula“, wie sie liebevoll von den Patenkindern genannt wird, überzeugt sich regelmäßig vor Ort, wie die Spendenbeträge – der Verein sammelt etwa 20000 bis 25000 Euro im Jahr – eingesetzt werden.

Eine finanzielle Zuwendung an die Stiftung selbst in Form seiner Cent-Münzen-Sammlung – und das sind immerhin 1500 Euro – machte im Anschluss daran Bürgermeister Andreas Felchle persönlich. Seine Neujahrsansprache, die musikalisch von der Stadtkapelle mit ihrer neuen Dirigentin Martina Wratsch umrahmt wurde, stand ganz im Zeichen des europäischen Gedankens. Außen vor der Stadthalle symbolisiert durch die Beflaggung, innen im ehemaligen Fruchtkasten thematisiert durch die teils auch sehr persönlichen Worte des Rathaus-Chefs. „Allen Ecken und Kanten zum Trotz gibt es in diesen Zeiten nichts Wichtigeres als die internationale Zusammenarbeit, vor allem auf Ebene der Europäischen Union“, so Felchle in Anwesenheit von zahlreichen Bürgermeistern der Nachbargemeinden, der Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann und des Bundestagsmitglieds Gunther Krichbaum. Maulbronn feiert in diesem Jahr die 30 Jahre währende Städtepartnerschaft mit dem französischen Valdahon. Passend hierzu lud Felchle zum Deutsch-französischen Tag am Sonntag, 22. Januar, in die Stadthalle ein. Internationale Beziehungen und die Begegnung mit dem vermeintlich Fremden sind für den Maulbronner Bürgermeister Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander in der Welt, das Felchle aber auch durch den Brexit, Donald Trump, die Front National, auch deutsche Gruppierungen und vor allem durch unsere eigene Dekadenz bedroht sieht. „Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden“, zitierte Felchle Hermann Hesse und drückte damit seinen Wunsch für 2017 aus, nicht das kaputtzumachen, was in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut und erreicht wurde.

Im Fall des Maulbronner Schenk-Areals gehe es in diesem noch jungen Jahr allerdings nur noch um Schadensbegrenzung. „All die wichtigen Maßnahmen und Aktionen des Investors haben ins Nichts geführt. Das Schenk-Areal ist ein riesengroßes Verlustgeschäft“, so Felchle. Am Ende des Tages, nach Sanierung und Verkauf, werde die Stadt mit einem Nettodefizit von etwa drei Millionen Euro rechnen müssen. Positiver sieht es beim ehemaligen Gelände der Firma Schmid & Wezel aus. Hier habe sich ein Investor gefunden, der dort Ein- und Mehrfamilien-Häuser sowie Loftwohnungen erbauen möchte.

Auch das Kinderzentrum, das erst 2016 die Eröffnung des Neubaus feiern konnte, wird um eine Sanierung des Altbaus nicht herumkommen, für die Senioren der Gemeinde werde das Projekt Bungalow-Park vorangetrieben und im September die ersten Gemeinschaftsschüler in Maulbronn erwartet. „Es bleibt also spannend“, wies Andreas Felchle auch schon auf das Jahr 2018 hin. Dann feiert man in Maulbronn 25 Jahre Weltkulturerbe und 50 Jahre Klosterkonzerte. Insgesamt, so der Schultes, sei Maulbronn aber mehr als nur Kultur und Kloster. Ein in 2016 in Auftrag gegebener Image-Film, der zu Beginn des Empfangs präsentiert wurde, soll die Klosterstadt auch als Lebens- und Wirtschaftsstandort mit Freizeit- und Vereinsangeboten bekannter machen.

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