Vorschläge und neue Rechnungen

Erstellt: 21. März 2017, 00:00 Uhr

Zu den Leserbriefen „Geld kann man nicht essen“ vom 18.März und „Gewerbe oder tägliches Brot?“ vom 11.März:

„Geld kann man nicht essen“, aber ohne Geld geht es auch nicht. Typisch für die meisten Leserbriefe ist, dass für jede Seite nur schwarz oder weiß gilt, Zwischentöne sind tabu. Vorschläge für Kompromisse und Verbesserungen sind von den Kontrahenten äußerst selten und werden, weil sie nicht zum eigenen Denken passen, mit allen noch so weit hergeholten Argumenten, niedergemacht.

Der Land- und Forstwirt sowie der Naturfreund will überhaupt keinen Flächenverbrauch. Wenn es aber um neue Radwege und Einfamilienhäuser mit großem Grundstück (ohne Nutzgarten) geht, spielt bei Naturfreunden der Flächenverbrauch keine Rolle. Konsequenterweise müssen die Leute vorwiegend in Mehrfamilienhäuser mit mindestens zehn Wohneinheiten mit kleinem Grundstück und Tiefgarage ziehen.

Im Gegensatz dazu sucht der Handwerker und Gewerbetreibende möglichst viel Fläche. Dabei könnte man doch die Firmen anregen, statt den riesigen Parkplätzen Parkhäuser oder Tiefgaragen sowie Parken auf dem Firmendeck (natürlich mit Fahrzeugaufzug) zu nutzen und dazu noch ein ausgeklügeltes Parkplatzmanagement vorhalten zu müssen. Zudem könnten Büroräume in oberen Stockwerken untergebracht werden. Eine Gemeinschaft von mehreren Unternehmen mit einem großen Parkhaus ist auch vorstellbar. Diese Vorschläge kosten natürlich Geld, aber ein Teil kann durch eine kleinere Grundstücksfläche eingespart werden. Die Stadt könnte für dieses nachhaltige Bauen einen Preisnachlass gewähren und die Land- und Forstwirtschaft könnte auch etwas beisteuern, zumal sie immer betonen, dass ihnen der Boden wichtiger ist als Geld.

Jetzt möchte ich noch auf den Leserbrief „Gewerbe oder tägliches Brot“ vom 11. März eingehen. Hier gibt es eine Gegenrechnung, wie vonseiten der Gewerbetreibenden argumentiert werden könnte.

Der Leserbriefschreiber rechnet vor, dass 5,5 Hektar Ackerfläche einen Jahresertrag von 38,5 Tonnen Korn erbringen. Wenn man die 38,5 Tonnen mit einem Erlös von etwa 250 Euro pro Tonne Korn multipliziert, erwirtschaftet der Landwirt damit im Jahr 9625 Euro. Da die Süddeutschen, die viel Brot und Teigwaren essen, pro Kopf und Jahr etwa 75 Kilo Mehl verbrauchen, können von den 38,5 Tonnen gerade mal 513 Personen leben.

Umgerechnet auf die 25000 Einwohner von Mühlacker müsste eine Fläche von 268 Hektar mit Getreide angebaut werden, also das rund 48-fache der Gewerbefläche.

Wenn man jetzt die zwei konträren Ansätze gegenüberstellt, so erzielt ein Landwirt aus 5,5 Hektar Ackerland im Jahr knapp 10000 Euro Einnahmen mit vielleicht (übers Jahr gerechnet) acht Beschäftigten. Auf derselben Fläche beschäftigt der Gewerbetreibende etwa 80 Mitarbeiter mit allein einer Lohnsumme von mindestens 2,5 Millionen Euro.

Holk Stetter, Mühlacker

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