Gnadenlos

Erstellt: 7. Januar 2017, 00:00 Uhr

Zu „Der Unbestechliche“ vom 4. Januar:

Als „Neig’schmeckte“ haben wir fünf Minuten nach Ankunft des Umzugswagens unsere erste Begegnung mit Herrn Knittel gemacht, der seinen Zollstock anlegte und uns das Parken vor der Haustür nicht einmal für das kurze Ausladen des Klaviers gestatten mochte.

Etliche weitere Ermahnungen, Belehrungen und Bußgelder folgten (die 200 Meter, für die er bei der Fußstreife eine Stunde braucht, reichen genau von seinem zu unserem Wohnhaus. Es scheint seine Lieblingsstrecke zu sein). Zuletzt rügte und fotografierte er unsere Kinder, die auf unserem Grundstück ein Feuer in einer Feuerschale entfachten. Als ich sagte, das falle doch wohl nicht in seine polizeiliche, sondern in meine elterliche Verantwortung, und mir das Fotografieren verbat, tadelte er mich wegen eines angekokelten Playmobilmännchens: Hierbei handele es sich um rechtswidrige Müllverbrennung!

Sprach’s und ging. Ist das ein „anständiges, niveauvolles Gespräch“? Wir könnten darüber lachen, wenn es nicht so ein bitteres G’schmäckle hätte. Offenbar hält Herr Knittel die Bürgerinnen und Bürger von Maulbronn für so unmündig, dass er meint, kraft seines Amtes derart pedantisch, kontrollierend und bestrafend maßregeln und erziehen zu müssen. Unserer Wahrnehmung nach regiert zu Maulbronn „gottgleich“ nicht der Bürgermeister, sondern der Gemeindevollzugsbeamte. Und zwar gnadenlos. Als „Kämpfer“ an der „Front“ (allein die Wortwahl lässt schaudern).

Wem damit geholfen ist, bleibt fraglich. Wir fragen uns weiter: Soll mit dem Artikel über Herrn Knittel der „Startschuss“ zum obrigkeitshörigen Polizeistaat eingeleitet werden oder will uns der Autor mit einer Realsatire erheitern? Unsere Kinder haben jedenfalls mittlerweile Angst vor der Polizei in Gestalt von Herrn Knittel und laufen weg, wenn sie ihn sehen – welches ethische Menschenbild wird hier durch Herrn Knittel vertreten?

Jedenfalls nicht die von uns gewünschte Form der Polizei als „Freund und Helfer“, sondern „als Hüter von Recht und Ordnung“ ohne empathisch-kommunikative Freundlichkeit. Dann sollte sich auch niemand über das mittlerweile problematische Verhältnis von Polizei und verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft wundern.

Hans und Claudia Hermsen, Maulbronn

Weiterlesen

Absurd

Zum Thema Busfahren in Mühlacker: Eine Frau steht bei Minusgraden in Lomersheim an der Bushaltestelle. Der leere Bus kommt, sie steigt ein, Bahnhof Mühlacker bitte. Der Busfahrer antwortet: „Geht nicht,… »